Dr. Stephen Stahl: DSM 5!

Der Neurowissenschaftler Dr. Stephen Stahl zieht in seinem Video die 5. Auflage des psychiatrischen Diagnosehandbuchs DSM durch den Kakau. Wie viele seiner Kollegen auch lehnt er das DSM 5 ab.

Mehr Informationen zum Thema:

Zeit Online: Heute noch normal, morgen schon verrückt

Deutsches Ärzteblatt: DSM-V: Erste Einblicke in das neue Psychiatrie-Handbuch

NIMH läßt Unterstützung für DSM-5 fallen

Diagnose-Wahnsinn – Ein Psychiater warnt vor den Auswüchsen der Psychiatrie

NIMH dreht der Psychiatrie den Geldhahn zu

Thomas InselDer deutsche Psychiater Wilhelm Griesinger hatte Mitte des 19. Jahrhunderts die Hypothese formuliert, seelische Erkrankungen seien Erkrankungen des Gehirns. Seither versucht die moderne Psychiatrie vergeblich, diese antizipierten, medizinisch-biologischen Defekte nachzuweisen. Erklärungsmodelle, wie beispielsweise die Dopamin-Hypothese gelten in der Fachwelt als gescheitert. Objektive Untersuchungsmethoden, um festzustellen, ob jemand psychisch krank ist oder nicht und welche psychische Krankheit ein Proband gegebenenfalls hat, kann die moderne Psychiatrie trotz des enormen medizinischen und technischen Fortschritts auch Anfang des 21. Jahrhunderts nicht anbieten. Bis weilen beschränkt sich die psychiatrische Diagnostik auf Beobachtung und Interpretation menschlichen Verhaltens. Häufig setzt die Psychiatrie ihre zweifelhaften Behandlungsmethoden nach dem Versuch- und Irrtum-Prinzip ein.

Thomas Insel, Direktor des US-amerikanischen National Institute of Mental Health (NIMH) hat genug vom Stochern im Nebel und zieht jetzt Konsequenzen. Wie die renomierte wissenschaftliche Fachzeitschrift Nature berichtet, streicht das NIMH Mittel für psychiatrische Forschung. Das NIMH hatte im Jahr 2013 100 Millionen US-Dollar für klinische Versuche ausgegeben. Der klinische Psychologe Bruce Cuthbert meint dazu

Wenn man ein negatives Ergebnis herausbekommt und man nicht weiß warum und dann nach Zufallsprinzip etwas anderes versucht, ist dies eine unglaubliche Verschwendung von Geld.

Bereits im April 2013 hatte Insel die Fachwelt in Aufruhr versetzt, als sein Institut die 5. Revision des psychiatrischen Diagnosehandbuchs DSM (auch bekannt als die Bibel der Psychiatrie) zurückwies. Die darin enthaltenen Krankheitsbilder seien nur ein Sammelsorium von Symptombeschreibungen und nicht valide. Das renomierte Wissenschaftsmagazin Scientific American spottete damals:

Psychiatry in Crisis! Mental Health Director Rejects Psychiatric “Bible” and Replaces with… Nothing

Insel kündigte an, sein Institut werde in Zukunft nur noch solche Forschungen finanzieren, die den von der Psychiatrie antizipierten medizinisch-biologischen Ursachen sogenannter psychischer Erkrankungen auf den Grund gehen.

Experten wie der Nürnberger Diplom-Psychologe Hans-Ulrich Gresch befürchten jedoch, daß gerade dieser Vorstoß von Insel der finale Todesstoß für die Pseudowissenschaft Psychiatrie sein könnte. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit würde man die von Insel postulierten, biologischen Ursachen für sogenannte psychische Krankheiten sowieso nicht finden, weil es sie nicht gibt. Und falls man wider Erwarten doch irgendwelche Gehirnerkrankungen finden würde, die für Verhaltensauffälligkeiten verantwortlich sind, wäre dafür ohnehin ein Neurologe und kein Psychiater zuständig. Deshalb würde sich, wenn es nach Insel ginge, die Psychiatrie selbst obsolet machen.

Mehr Informationen zum Thema:

Nature: NIH rethinks psychiatry trials

NIMH: Changing NIMH Clinical Trials – Efficiency, Transparency, and Reporting

Scientific American: Psychiatry in Crisis! Mental Health Director Rejects Psychiatric “Bible” and Replaces with… Nothing

Pflasterritzenflora: Ist die Psychiatrie noch zu retten und wenn ja, von wem?

Pflasterritzenflora: Hat es psychische Krankheiten nicht schon immer gegeben?

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Psychiatrie: Die endgültige Bankrotterklärung einer Pseudowissenschaft?

Ex-Polizist Dirk Lauer über seine fragwürdige psychiatrische Begutachtung


Der ehemalige Polizeibeamte Dirk Lauer berichtet über die zweifelhaften Umstände seiner psychiatrischen Begutachtung. Die Ungereimtheiten in seinem Fall vergleicht er mit anderen bekannt gewordenen Fällen wie Gustl Mollath oder den hessischen Steuerfahndern. Lauer beklagt das Desinteresse der Politik in solchen Fällen. Mit Ausnahme der Piraten und der Linken würden Parteien dieses Thema ignorieren. “Diesen Damen und Herrn Psychologen, Psychiater muß man langsam anfangen, das Handwerk zu legen” sagt Dirk Lauer.

Mehr Informationen zum Thema:

www.behoerdenstress.de

Per Gutachten „bekloppt“ – Ex-Polizist Dirk Lauer hat wenig Zutrauen in neue Polizeiführung

Sachverständige unter Druck

Gutachten des Wahnsinns

Gutachten des Wahnsinns

Hanna ZiegertGustl Mollath bei Beckmann. Der Zuschauer erwartet, von dem Ex-Psychiatrieinsassen Horrorgeschichten aus der Psychiatrie zu hören. Die erzählt er auch. Unsäglichkeiten, die er in der Psychiatrie erleben mußte. Eine Bandbreite von möglicher Willkür. Er erzählt von entsetzlichen Nebenwirkungen von Psychopharmaka, die Bewegungsstörungen und andere Langzeitschäden verursachen. Doch der eigentliche Knaller der Sendung ist, daß die Psychiaterin Prof. Dr. Hanna Ziegert ein offenes Geheimnis ausspricht.

Es ging um psychiatrische Gutachten, die über das Schicksal eines Menschen entscheiden können, wenn Gerichte darüber urteilen, ob ein Mensch aufgrund einer angeblichen “psychischen Krankheit” möglicherweise für Jahre weggesperrt oder gar mit persönlichkeitszerstörenden Psychopharmaka und Elektroschocks zwangsbehandelt werden soll.

Jeder Gutachter hätte einen Ruf und nach diesem Ruf würde er von der Staatsanwaltschaft und den Richtern gewählt, so Ziegert. Je nach dem, welches Ergebnis erreicht werden solle, würde der Gutachter danach ausgewählt. Auch wären viele psychiatrische Gutachter finanziell davon abhängig von den Gerichten und Staatsanwaltschaften Aufträge zu bekommen, da dies ihr einziges Einkommen sei. Deshalb würden solche Gutachter darauf achten, nicht in Ungnade zu fallen.

Mit Wahrheitsfindung oder wissenschaftlicher Methodik haben solche Praktiken wenig zu tun. Vielmehr ist es offensichtlich gängige Praxis, willkürliche Gutachten zu erstellen, die das ohnehin schon im Voraus beschlossene Ergebnis in solchen Verfahren bestätigen sollen.

Das Presseecho lies nicht lange auf sich warten. Die Taz findet die Ausführungen von Frau Ziegert “mehr als ungeheuerlich” und attestiert dem psychiatrischen Gutachtersystem “katastrophale Zustände”. Der Cicero findet die Praktiken der psychiatrischen Gutachter “dubios”. Die Frankfurter Rundschau kommt zu dem Ergebnis, daß nicht der Fall Mollath der Skandal ist, sondern das System, das Fälle wie den Gustl Mollaths hervorbringt.

Mit dem Fall Mollath haben die Mainstream-Massenmedien etwas ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, was in Insiderkeisen schon lange bekannt war: Die psychiatrische Diagnostik ist nicht valide. Sie ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht mehr wert als Kaffeesatzleserei. Dies bestätigte auch der amerikanische Psychiater Dr. Thomas Insel in seiner Abhandlung “Transforming Diagnosis“. Sein Institut, das National Institute of Mental Health (NIMH) – das weltweit größte psychiatrische Forschungsinstitut – lehnte die 5. Auflage des Diagnosehandbuchs DSM aus diesem Grund ab. Das DSM wird von der American Psychiatric Association (APA) herausgegeben und dient weltweit als Referenz für psychiatrische Diagnostik. Vor jeder Neuauflage des DSM treffen sich Vertreter der APA und stimmen darüber ab, welches Verhalten in Zukunft als “psychisch krank” gelten soll und welches nicht. An diesem Buch orientert sich auch das Diagnosehandbuch ICD der Weltgesundheitsorganisation WHO, das in Kapitel F sogenannte “psychische Krankheiten” beschreibt. Dort findet man dann z.B. unter dem Diagnoseschlüssel F99 die “psychische Störung ohne nähere Angabe”. Mit solchen Krankheitsbildern können Psychiater alles und jeden pathologisieren.

Für sogenannte “psychische Krankheiten” gibt es keine objektiven Messverfahren. Dies obwohl die psychiatrische Lehrmeinung sagt, die in den Diagnosehandbüchern beschriebenen, psychiatrischen Krankheitsbilder hätten organische Ursachen. Diese organischen Ursachen ließen sich aber dank moderner Apparatemedizin nachweisen. Trotzdem bleibt es bei subjektiver Begutachtung des Verhaltens des Probanden durch den untersuchenden Psychiater. Zeigt dieser keine Symptome, die einem psychiatrischen Krankheitsbild zuzuordnen sind, wird häufig “Dissimulation”, also daß der vermeintliche Patient seine angebliche Krankheit wegsimulieren würde, unterstellt. Gerne werden in psychiatrischen Gutachten auch Angaben von Dritten ungeprüft übernommen. Im Jargon nennt sich dies dann “Fremdanamnese”. Keiner ist davor gefeit, durch Denunziation in die Mühlen der Psychiatrie zu geraten.

Mehr Informationen zum Thema:

Taz: Mollath bei “Beckmann” – Einblicke ins Gutachtersystem

Cicero: Psychiatrie – Die dubiosen Praktiken der Gutachter

Frankfurter Rundschau: Da ist Hopfen und Malz verloren

Pflasterritzenflora: Gute und schlechte Gutachten

Pflasterritzenflora: Psychiatrie, Diagnostik, Symptom, Phänomen

Pflasterritzenflora: Validität

Zwangspsychiatrie.de: Die Medien über G. Mollath bei Beckmann

Wollen Sie uns verarschen?

Tilman Steinert der Seuchenbekämpfer

Tilman Steinert der Seuchenbekämpfer

Am 23.3.2011 fällte das Bundesverfassungsgericht ein Urteil, in dem psychiatrische Zwangsbehandlung für verfassungswidrig erklärt wurde. In einem folgenden Urteil wurde dann auch der §8 des Baden-Württemberger Unterbringungsgesetzes für verfassungswidrig und nichtig erklärt. Das Unterbringungsgesetz (UBG) stellt die Rechtsgrundlage dar, wie mit in psychiatrischen Anstalten eingesperrten Menschen zu verfahren ist. Der beanstandete §8 erlaubte zwar nicht explizit psychiatrische Zwangsbehandlung, dort war aber die Rede davon, daß der Untergebrachte die Maßnahmen dulden müsse, die von Seiten der Psychiater angeordnet werden.

Mit diesen Entwicklungen in der Gesetzgebung hat Psychiater Tilman Steinert vom ZfP Südwürttemberg – genau wie viele seiner Kollegen auch – ein Problem. Durch die aktuelle Rechtslage gibt es keine Rechtsgrundlage für psychiatrische Zwangsbehandlung mehr. Somit wird eine zwangsweise Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt zur reinen Verwahrung. Sein Kollege Dieter Grupp, Geschäftsführer des ZfP Südwürttemberg fragte sich angesichts dessen bei einem Vortrag im Rahmen einer Anhörung im Baden-Württemberger Landtag im Februar 2012 auch, ob es Aufgabe der Krankenkassen wäre, solch eine reine Verwahrung zu finanzieren, wenn Psychiater nicht auch gegen den Willen der Betroffenen psychiatrische Behandlungen durchführen dürfen.

Steinert, seinerseits ein Verfechter psychiatrischer Zwangsbehandlung, wagte darauf hin in einer Abhandlung in Ausgabe 2/2012 der Psychosozialen Umschau einen gewagten Vorstoß: Er versuchte zu argumentieren, daß im Bundesseuchengesetz ja auch Zwangsbehandlung – sogar bei einwilligungsfähigen Patienten – erlaubt sei. Offensichtlich war Steinert aber hier nicht auf dem Laufenden, was die aktuelle Gesetzteslage angeht, wie der Blog Psychiatrienogo aufdeckte. Das Bundesseuchengesetz ist seit 2001 außer Kraft. Das an seine Stelle getretene Infektionsschutzgesetz in § 28 wie auch das außer Kraft getretene Bundesseuchengesetz in §34 verbieten mit dem Satz “Eine Heilbehandlung darf nicht angeordnet werden” eine Zwangsbehandlung ausdrücklich.

Ganz abgesehen davon, daß im Infektionsschutzgesetz keine Zwangsbehandlung erlaubt ist, wie Steinert behauptet, haben wir es bei sogenannten “psychischen Krankheiten” auch nicht mit Krankheiten im herkömmlichen Sinne zu tun. Während bei somatischen Krankheiten immer eine biologische Ursache, wie z.B. ein Erreger, ein Organversagen oder eine Stoffwechselstörung nachweisbar sind, sind sogenannte “psychische Krankheiten” stets subjektive Werturteile der begutachtenden Psychiater, mit denen menschliches Verhalten aller Art pathologisiert wird. Zwar wird von Psychiatern immer wieder behauptet, sogenannte psychische Krankheiten hätten ihre Ursachen in Stoffwechselstörungen im Gehirn oder in erblichen, genetischen Defekten. Jedoch werden diese behaupteten biologischen Defekte in psychiatrischen Untersuchungen nie exploriert. Auch die Suche nach dem antizipierten “Schizophrenie-Gen” bleibt bis weilen eine Jagt nach einem Phantom. Psychiater wie der Heidelberger Prof. Dr. Johannes Schröder gehen sogar so weit zu behaupten, man könne diese biologischen Defekte deshalb bei “psychisch Kranken” nicht nachweisen, weil diese ihre Krankheit “dissimulieren” würden, wie die klinische Erfahrung zeige.
Dissimulation
Wie absurd psychiatrische Diagnostik ist, wird auch bei einem Blick in die gängigen Diagnosehandbücher erkennbar. Aus dem ICD 10 erfahren wir beispielsweise, was sich hinter dem Diagnoseschlüssel ICD 10 F99 verbirgt: Psychische Störung ohne nähere Angabe. Die Krankheitsbilder, die im DSM – der Bibel der Psychiatrie – aufgeführt sind, kommen nicht etwa durch neue Forschungsergebnisse in das Buch. Vor jeder Neuauflage treffen sich Psychiater der APA (American Psychiatric Association) und entscheiden per Abstimmung darüber, welches menschliche Verhalten als krank gelten soll und welches nicht. Mit derartigen Krankheitsbildern können Psychiater alles und jeden nach eigenem Gutdünken pathologisieren.

Zwangsbehandlung - Schluß damit!Unter Berufung auf solche, fadenscheinigen, psychiatrischen Diagnosen möchte Tilman Steinert auch weiterhin zwangsweise psychiatrische Behandlungen durchführen dürfen. Lobbyarbeit dafür machte er auch am Montag, den 14.5.2012 bei einer Expertenanhörung im Baden-Württemberger Sozialministerium in Stuttgart. Eines der Argumente, die Steinert dort vortrug, war, sogenannte “psychisch Kranke” würden ohne psychiatrische Zwangsbehandlung nicht sozial integriert. Während er den Vortrag hielt, protestierten vor der Türe Vertreter von verschiedenen Psychiatrieerfahrenenverbände gegen psychiatrische Zwangsbehandlung. Diese Psychiatrieerfahrenen, die sich vom psychiatrischen System emanzipiert haben, ihr Leben nicht in psychiatrischen Einrichtungen verbringen und auch keine psychiatrischen Drogen konsumieren, sind der lebende Beweis dafür, daß Steinert mit seinen Thesen falsch liegt. Erfahrungsgemäß haben gerade solche Psychiatrieerfahrene, die sich dem psychiatrischen System entziehen, ein besseres Outcome, wie man das im psychiatrischen Jargon nennen würde. Dauerkonsumenten von Neuroleptika und anderen psychiatrischen Drogen hingegen enden oft in einer Ghettoisierung, in der sie zwischen Wohnheimen, Behindertenwerkstätten und ähnlichen Einrichtungen dauersediert und von Nebenwirkungen psychiatrischer Behandlung gepeinigt vor sich hin vegetieren. Sollte das etwa die Vorstellung Steinerts von gelungener, sozialer Integration sein?

Matthias Seibt im Landtag von Baden-WürttembergEin weiteres Argument Steinerts für psychiatrische Sondergesetze ist die Gefahrenabwehr. “Psychisch Kranke” seien gefährlich. Doch der BRD-Gesetzesjungel ist voll von Gesetzen zur Gefahrenabwehr, die für jeden gleichermaßen gültig sind. Deshalb sind auch keine Sondergesetze für angeblich gewalttätige “psychisch Kranke” Menschen notwendig. Matthias Seibt vom Bundesverband Psychiatrieerfahrener (BPE) sagte dazu im Rahmen einer Rede im Landtag Baden-Württemberg: “Das sind Sondergesetze für eine Subgruppe, die nicht für alle Gefährder gelten, sondern nur für die Leute mit Diagnose. Sie könnten auch Juden- oder Türkengesetze machen. Unsere Geschichte hat gelehrt, daß das nicht so gut ist, aber das ist genau das Analoge.” Anwendung von Zwangsmaßnahmen ist in psychiatrischen Anstalten auch nicht “das letzte Mittel”, z.B. um einen gewalttätigen Insassen zu bändigen, wie Tilman Steinert uns in einem Interview im Spiegel weißmachen will. Es ist vielmehr gängige Praxis, Insassen, die die orale Einnahme psychiatrischer Drogen verweigern, gewaltsam per Injektion Neuroleptika zu verabreichen.

Bei Verweigerung der oralen Medikation 50 mg Ciatyl-Z-Acuphase 1-malig

Mirko Olostiak Brahms, Specher der Landesarbeitsgemeinschaft Psychiatrieerfahrener Baden-Württemberg fragt sich angesichts dessen, daß die Psychiater sich auf Grund der Urteile des Bundesverfassungsgerichts der Grundlage ihrer Arbeit entzogen fühlen, was das denn für eine Arbeit ist, die anscheinend nur geleistet werden kann, wenn das Grundrecht auf körperliche- und seelische Unversehrtheit außer Kraft gesetzt wird. Eine berechtigte Frage. Es ist bezeichnend für das psychiatrische System, wenn es droht, zusammenzufallen, wenn man den Ziegelstein mit der Beschriftung “Zwang” aus dem alten Gemäuer herauszieht.

Eugeniker KraepelinAber man sollte auch die Frage stellen, ob die nachdrücklichen Forderungen von Psychiatern wie Tilman Steinert nach Legalisierung psychiatrischer Zwangsbehandlung für eine Subgruppe der Bevölkerung mittels Sondergesetzen, gar unter Heranziehung des Bundesseuchengesetzes, nicht doch in tief verwurzelten, psychiatrischen Denkschemata begründet sind, die ihren Ursprung in der menschenverachtenden Ideologie der Idole der Psychiatrie haben. Emil Kraepeilin gilt beispielsweise noch immer als eines der großen Vorbilder der modernen Psychiatrie. Doch Kraepelin war ein Rassist und Eugeniker. So forderte Kraepelin beispielsweise “Ein rücksichtsloses Eingreifen gegen die erbliche Minderwertigkeit, das Unschädlichmachen der psychopathisch Entarteten mit Einschluss der Sterilisierung”. Noch heute wird die Goldene Kraepelin-Medaille an Psychiater verliehen.

Mit einer ganz anderen Epedemie haben Steinert und seine Kollegen zur Zeit zu kämpfen: Mit der Verbreitung von Wissen über das Internet und andere Verbreitungswege. Bisher profitierte die BRD-Zwangspsychiatrie auch davon, daß viele Betroffene nicht an Informationen über die Rechtslage und wie man sich gegen psychiatrische Zwangsmaßnehmen juristisch wehren kann, gelangt sind. Am 1.9.2009 trat das Gesetz zur Patientenverfügung in Kraft, mit dem man sich juristisch wasserdicht gegen ungewollte ärztliche Eingriffe absichern kann. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrieerfahrener (die BPE) veröffentlichte Anfang 2012 ein virales Video, in dem die Menschenrechtsaktivisten mit Unterstützung der Künstlerin Nina Hagen für ihre spezielle Patientenverfügung – der sogenannten Patverfü – werben. Dieser Spot wurde auch Bundesweit in vielen Kinos gezeigt. Ein Dorn im Auge von Steinert und Kollegen. Als Reaktion darauf schrieben sie einen Protestbrief an die Aktion Psychisch Kranke, in dem sie den Spot als “erheblich stigmatisierend, sowohl für psychisch Kranke wie für die versorgenden Einrichtungen” bezeichneten. Der in dem Spot gezeigte Anlaß für psychiatrische Zwangseinweisung, nämlich Nacktheit in der Öffentlichkeit, sei “kompletter Unsinn”. Die Bundesdirektorenkonferenz des Verbands leitender Ärztinnen und Ärzte der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie (BDK), vertreten duch Vorstandsmitglied Dr. Iris Hauth, schloß sich mit einer Stellungnahme dem Protestschreiben des ZfP Südwürttemberg an.

Nacktes PärchenNach kurzer Recherche konnte auch diese Behauptung der Psychiater vom Blog Psychiatrienogo widerlegt werden. Mehrere Presseberichte aus jüngster Vergangenheit zeigten, daß sehr wohl Menschen, die sich nackt in der Öffentlichkeit zeigen, zwangsweise in psychiatrische Anstalten verbracht werden. So berichtete der Trierer Volksfreund am 3. Juni 2011 von einem 44 jährigen, der nackt durch die Gegend spazierte, und dem genau dies passiert ist, obwohl keine Gefahr von ihm ausging. Ebenso erging es einem 23 jährigen Mann aus Plauen, wie die Leipziger Volkszeitung berichtet. Auch im Südschwarzwald landete ein Mann in der Psychiatrie nach dem er nachts nackt durch die Straße marschierte wie der Südkurier berichtete.

Bis weilen sieht es so aus, als ob jeder Angriff der Befürworter psychiatrischer Zwangsbehandlung gegen die Argumente der Kritiker nur noch mehr dazu beiträgt, daß das Gedankengebäude, mit dem psychiatrische Zwangsmaßnahmen gerechtfertigt werden sollen, an Substanz verliert.

Mehr Informationen zum Thema:

Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (Aktenzeichen 2 BvR 633/11)

Prof. Tilman Steinert und das Bundesseuchengesetz

Anmerkungen zu Prof. Tilman Steinerts Vortrag bei der Expertenanhörung zur Zwangsmedikation am 14.05.12

Zwangspsychiater reden und keiner hört zu

Zwischen Selbstbestimmung und Schutz: Anhörung der Grünen im Landtag Baden-Württemberg

Schreiben des ZfP Süd-Württemberg an Aktion Mensch wegen Nina Hagen Spot zur PatVerfü widerspricht Realitiät

Die Gewaltfantasien der DGPPN

Dr. med. Martin Zinkler über Zwang und Gewalt in der Psychiatrie

Recht auf Krankheit – Ein Kommentar von Rechtsanwalt Schneider-Addae-Mensah

Der Spiegel: Seelsorge für die Industrie

FAZ: Da zappelt die Seele

Dr. Volkmar Aderhold über Neuroleptika

Die menschenverachtende Ideologie der Psychiatrie

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