Eva Schwenk über Menschenrechtsverletzungen durch psychiatrische Gutachten

Die Diplom-Psychologin Eva Schenk, Autorin des Buchs Fehldiagnose Rechtsstaat – die ungezählten Psychiatrieopfer, berichtet auf einer Veranstaltung der Humanistischen Union im Marburg über willkürliche psychiatrische Gutachten und fatale psychiatrische Behandlungsmethoden.

Schwenk hatte als Berufsbetreuuerin Insassen der Psychiatrie im Hessischen Alzey betreut. Als sie die zuständige Aufsichtsbehörde auf zahlreiche Menschenrechtsverletzungen in dieser Anstalt hinwies, wurde ihr gekündigt. Nachdem sich kein Journalist für die Geschichte interessierte, hat sie ihr Buch geschrieben.

Im Rahmen des Vortrags zitiert Schwenk auch aus einem Leserbrief eines ärztlichen Direktors einer Psychiatrie an die ARD, der nicht wahrhaben will, welches Bild die Öffentlichkeit über das Personal solcher Einrichtungen hat: In der Psychiatrie arbeitet eine Negativauslese von Sadisten, Gefühllosen, im Grunde seelisch Kranken.

Am einem Fallbeispiel zeigt die Psychologin auf, wie ein Mensch in den Mühlen von Psychiatrie und Justiz zerrieben werden kann. Mittels unwissenschaftlicher Gutachten wird ein Mensch entrechtet. Zweifelhafte Behandlungen mit Neuroleptika erzeugen neurologische Störungen im Gehirn, die vor der Behandlung nicht da waren. Entzugserscheinungen beim Absetzen lassen Psychopharmaka-Konsumenten glauben, ihre angebliche Krankheit sei wieder ausgebrochen.

Mehr Informationen zum Thema:

www.psychiatrieopfer.de

Humanistische Union: Menschenrechtsverletzungen durch psychiatrische Gutachten

Psycho-Gutachter im Kreuzfeuer der Kritik

Im Bermuda-Dreieck zwischen Justiz, Forensik und mangelnden Außenkontakten

Schmerzensgeld für Zwangsbehandlung und Fixierung

Schmerzensgeld für Zwangsbehandlung und Fixierung

Am 12.2.2009 wurde in der Berliner Vivantes Klinik ein Mann gewaltsam 16 Stunden lang an ein Bett gefesselt und mit dem Neuroleptikum Haldol zwangsbehandelt. Dies führte bei dem Opfer unter anderem zu starker Übelkeit, Krämpfen sowie Antriebs- und Konzentrationsstörungen. Im weiteren Verlauf wurde dem Mann die Medikamente Solian, Zyprexa und Akineton verabreicht, was bei ihm zu Nebenwirkungen wie ständigem Umherlaufen (sogenannte Akathisie), Krämpfen und Stoffwechselstörungen geführt hat. Dies „Behandlung“ führte zu negativen körperlichen und psychischen Veränderungen, unter denen er teilweise noch jahrelang litt.

Dafür wurde das Land Berlin am 28.3.2015 vom Landgericht Berlin zu einer Zahlung von 5000 € Schmerzensgeld an das Opfer verurteilt. Das Gericht sah eine Amtshaftung gemäß Artikel 34 des Grundgesetzes für gegeben. Die Behandlung in einer geschlossenen Abteilung eines sogenannten psychiatrischen Landeskrankenhauses sei öffentlich-rechtlicher Natur. Damit hafte der Staat und nicht die Einrichtung. Auch die Fehldiagnose im Rahmen eines Unterbringungsverfahrens würde zur Amtshaftung führen. Dies würde nicht nur für die Unterbringung nach öffentlichem Recht, sondern auch für eine zivilrechtliche Unterbringung nach § 1906 BGB gelten – selbst dann, wenn die „Behandlung“ im Einverständnis des Patienten erfolge.

Ferner erhob das Gericht erhebliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Berliner PsychKG. In einem Urteil vom 23.3.2011 erklärte das Bundesverfassungsgericht die bis dahin bestehenden gesetzlichen Regelungen zur psychiatrischen Zwangsbehandlung für verfassungswidrig und nichtig. Das Bundesverfassungsgericht stellte seinerzeit fest, dass die Gabe von Neuroleptika gegen den natürlichen Willen eines Patienten einen besonders schweren Grundrechtseingriff darstellt – auch im Hinblick auf die Wirkung dieser Medikamente. Nicht auszuschließende, lebensbedrohliche Nebenwirkungen von Psychopharmaka und Veränderung seelischer Abläufe würden unabhängig davon, ob ihre Verabreichung mit körperlichem Zwang durchgesetzt wird, den Kern der Persönlichkeit in besonderem Maße berühren.

Dieser Einschätzung des Bundesverfassungsgerichts schloss sich das Landgericht Berlin an. Jeder Amtsträger müsse die zur Führung seines Amts notwendigen Rechtskenntnisse haben oder sie sich verschaffen. Auch hätten die Psychiater die Gefährlichkeit der Psychopharmaka gekannt.

Mehr Informationen zum Thema:

zwangspsychiatrie.de: Schmerzensgeld für Fixierung und Zwangsbehandlung

Neuroleptika lassen das Gehirn in kürzester Zeit schrumpfen

Es tun sich Abgründe auf…

UN-Hochkommissar für Menschenrechte Juan E Méndez: Psychiatrische Zwangsbehandlung ist Folter

Kriminelle in weißen Kitteln

Im Bermuda-Dreieck zwischen Justiz, Forensik und mangelnden Außenkontakten

Am 25.3.2015 las Rechtsanwalt Gerhard Strate in Stuttgart aus seinem Buch „der Fall Mollath“. Zu der gut besuchten Veranstaltung in den Räumlichkeiten des Anwaltsvereins Stuttgart waren vor allem Juristen gekommen. Strate zeigte dem Publikum am Beispiel Mollath exemplarisch auf, wie viele Menschen in unserem Rechtsstaat auf Grund von leichten oder mittelschweren Straftaten oder gar Falschbeschuldigungen im Bermuda-Dreieck zwischen Justiz, Forensik und mangelnden Außenkontakten für unbestimmte Zeit im Maßregelvollzug verschwinden.

Zur forensischen Psychiatrie zitierte Strate aus seinem Buch:

Da bezeichnen weder Wesen noch Inhalt der forensischen Psychiatrie sie als ein zu den Wissenschaften gehöriges Metier aus. Auf Grund ihres amorphen Wesens fungiert sie ohne wirksame Abgrenzung irgendwo zwischen Medizin, Justiz und Vollzug, ohne auch nur in einem der drei Bereiche ihre absonderlichen Verheißungen wirklich einlösen zu können. Klebrige Sprachfäden, zweifelhafte Psychopharmaka mit schwersten Nebenwirkungen, sowie die optionale Anwendung von körperlichem Zwang lassen sie allenfalls als eine Schmuddelecke der Medizin erscheinen.

Bayern sei für jeden denkenden Juristen ein Kulturschock. Beschwerden werden nicht bearbeitet, sondern einfach zu den Akten gelegt. Höchstrichterliche Rechtssprechung wird einfach ignoriert. Die juristische Fachzeitschrift „Strafverteidiger Forum“ bestätigte: „Rechtskenntnis bei einem bayrischen Richter nicht vorauszusetzen“.

Die Ärztliche Direktorin im LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt, Nahlah Saimeh bezeichnete Strates Buch in der DGPPN-Zeitschrift „Psyche im Fokus“ als „Pflichtlektüre für Forensische Psychiater“.

Mehr Informationen zum Thema:

Psyche im Fokus: Pflichtlektüre für forensische Psychiater

Legal Tribune online: Rezension zu Gerhard Strates – „Der Fall Mollath“Natürlich kein neutrales Buch

zwangspsychiatrie.de: Der Fall Mollath von Gerhard Strate – unsere Rezension

Süddeutsche Zeitung: Die Psychiatrie, der dunkle Ort des Rechts

Gerhard Strate: „Der Fall Mollath“ – Lesung in Stuttgart

Gerhard Strate: Der Fall MollathAm Mittwoch den 25. März 2015 kommt Rechtsanwalt Gerhard Strate nach Stuttgart, um aus seinem Buch „Der Fall Mollath“ zu lesen. Die Veranstaltung findet um 19 Uhr in den Räumlichkeiten des Anwaltsvereins Stuttgart in der Olgastraße 57A statt. Gerhard Strate gilt als einer der renomiertesten Strafverteidiger Deutschlands.

Der Fall des Gustl Mollath hatte letztes Jahr bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und den Glaube vieler Bürger in die Justiz erschüttert. Fragwürdige psychiatrische Gutachten sorgten dafür, dass Strates Mandant über 7 Jahre in der forensischen Psychiatrie einsaß. Erst durch öffentlichen Druck wurde ein Wiederaufnahmeverfahren erwirkt, was letztendlich zu Mollaths Freilassung führte.

In einem Interview mit der Neuen Juristischen Wochenschrift sagte Strate über psychiatrische Sachverständige folgendes:

Seit rund 150 Jahren versuchen Nervenheilkundler, den Ursachen psychischer Erkrankungen auf die Spur zu kommen. Das Ergebnis dieser Bemühungen geht gen Null. Stattdessen begnügt sich die heutige Psychiatrie mit Klassifikationssystemen wie dem ICD 10, die im Grunde keine Diagnosen darstellen, sondern die Zuordnung bestimmter Verhaltenssymptome zu bestimmten Krankheitsbildern sind. Mehr nicht. Kein Arzt ist daran gehindert, trotz mangelnder Kenntnis über die eigentlichen Ursachen psychischer Erkrankungen sich um die beschädigte Seele eines Patienten zu bemühen. Schlimm wird es aber, wenn die Psychiatrie, obwohl sie über die Erfassung von Symptomen nicht hinauskommt und im Grunde nichts weiß, als so genannte forensische Psychiatrie über Schuld oder Unschuld, über Freiheit oder Unfreiheit eines Menschen oder gar über vermeintliche Therapien unter Anwendung körperlichen Zwangs (mit-)entscheidet. Die Arbeitsergebnisse der forensischen Psychiatrie erfüllen mehrheitlich nicht ansatzweise die Mindestanforderungen, die man an jedes andere Beweismittel stellen würde, sondern spinnen ihre Opfer in ein dichtes Gewirk aus halbgaren Mutmaßungen und übergriffigen Feststellungen ein. Ältere Damen, die den Kaffeesatz lesen, arbeiten auf gleichem Niveau…

Mehr Informationen zum Thema:

Schweitzer Fachinformation: Gerhard Strate – Der Fall Mollath

Legal Tribune online: Rezension zu Gerhard Strates „Der Fall Mollath“ – Natürlich kein neutrales Buch

Hamburger Abendblatt: Gerhard Strate rechnet mit der Psychiatrie ab

Telepolis: Affäre Mollath

zwangspsychiatrie.de: NJW Interview mit Gerhard Strate

Psycho-Gutachter im Kreuzfeuer der Kritik

Psychiatrie-Mißbrauch oder Modus Operandi?

Gustl Mollath: Wir sind alle von Psychiatrisierung bedroht

ZDF Politmagazin Frontal 21 berichtet über Psychiatrieopfer

In der Sendung vom 11. November 2014 berichtete das ZDF Politmagazin Frontal21 über Psychiatrieopfer. 7 Jahre war Ilona Haslbauer in der geschlossenen Psychiatrie in Taufkirchen gefangen. Der Grund: Sie soll eine Nachbarin mit einem Einkaufswagen angerempelt haben. Darauf hin attestierte ihr ein psychiatrischer Gutachter eine wahnhafte Störung. Mit Hilfe von Unterstützern, darunter die Sängerin Nina Hagen, kam Haslbauer frei.

In einem anderen Fall soll eine Insassin der Psychiatrie Taufkirchen 60 Tage am Stück fixiert worden sein. Der zuständige Chefpsychiater Prof. Matthias Dose versucht dies zu rechtfertigen.

In der Sendung kommt auch die psychiatrische Gutachterin Dr. Hanna Ziegert zu Wort. Sie kritisiert ihren Berufsstand seit langem. Gutachter und Justiz hätten eine unheilige Allianz gebildet.

Der Richter oder Staatsanwalt kann immer den Gutachter auswählen. Und er wird vereinzelt nach dem zu erwartenden Ergebnis auswählen. Außerdem ist der Gutachter finanziell überwiegend abhängig von Aufträgen der Justiz. Das heißt also er wird immer bewußt oder unbewußt darauf achten, daß das Ergebnis so ist, daß er weiterhin mit Aufträgen rechnen kann.

Immer mehr Menschen werden für immer längere Zeiträume in die geschlossene Psychiatrie verbracht – das zeigen auch offizielle Statistiken der zuständigen Ministerien.

Die Aufsicht über die geschlossenen Psychiatrien in Bayern hat Sozialministerin Emilia Müller. Sie verweigerte den ZDF-Reportern jedoch ein Interview.

Mehr Informationen zum Thema:

Frontal21: Weggesperrt und vergessen – Psychiatrieopfer in Deutschland

Zwangspsychiatrie.de: ZDF berichtet über die Zwangspsychiatrie

Ilona Haslbauer über die Zwangspsychiatrie: Entmenschlicht und zur Verfügungsmasse degradiert

Es tun sich Abgründe auf…

Demonstration gegen Zwangspsychiatrie in Gießen

Gustl Mollath: Wir sind alle von Psychiatrisierung bedroht

Jede Seifenblase soll für einen entlassen Psychiatrieinsassen stehen

Ein sehr bewegendes Video, das nach der Entlassung von Ilona Haslbauer aus der Horror-Anstalt in Taufkirchen aufgenommen wurde. Jede Seifenblase soll für einen entlassen Psychiatrieinsassen stehen.

Mehr Informationen zum Thema:

Es tun sich Abgründe auf…

Demonstration gegen Zwangspsychiatrie in Gießen

UN-Hochkommissar für Menschenrechte Juan E Méndez: Psychiatrische Zwangsbehandlung ist Folter

regensburg-digital: Schreie in der Forensik – Chefärztin nimmt Stellung

regensburg-digital: Forensik Taufkirchen – Statt sechs Monate Haft, Psychiatrie auf Dauer?

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