In den Fußstapfen von Gert Postel

Gert Postel

Viele Anhänger der Antipsychiatrie-Bewegung sehen in dem Hochstapler Gert Postel einen Kronzeugen. Hat er doch wie kaum ein anderer die Psychiatrie vorgeführt. Ohne entsprechnde Ausbildung arbeitete der gelernte Postbote 2 Jahre lang als Chefarzt in einer Psychiatrie. Nur durch einen Zufall flog er auf. Psychiatrie – das könne auch eine dressierte Ziege, sagt Postel. Er sieht sich selbst als „Hochstapler unter Hochstaplern“.

Jetzt hat Postel offensichtlich eine Nachahmerin gefunden, wie die Berliner Morgenpost berichtet. In Moabit steht die 35-jährige Alexandra B. vor Gericht. Sie soll Urkunden gefälscht und sich als promovierte Psychiaterin ausgegeben haben. Unter anderem habe sie im Berliner Maßregelvollzug gearbeitet.

Besonders bemerkenswert an dieser Geschichte ist auch, dass Frau B. nicht nur wegen Urkundenfälschung, sondern auch wegen Körperverletzung angeklagt wird. Die Psychopharmaka, die die falsche Psychiaterin verordnet hat hätten mit ihrer chemisch-physikalischen Wirkung eine pathologische Veränderung des körperlichen und psychischen Zustandes ihrer Patienten hervorgerufen.

Dies erinnert an einen Fall aus Passau, von dem die Augsburger Allgemeine im Jahr 2008 berichtete. Ein Pfleger einer Psychiatrie habe seinen Kollegen zu einem unfreiwilligen Selbstversuch verholfen, in dem er ihnen heimlich das Neuroleptikum Haldol in die Milch mischte. Auch er wurde wegen Körperverletzung angeklagt.

In §224 des Strafgesetzbuchs wird einem Täter, der Körperverletzung durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen oder mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung begeht eine Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren angedroht.

Mehr Informationen zum Thema:

Berliner Morgenpost: Falsche Psychiaterin arbeitete im Maßregelvollzug

inFranken.de: Falscher Arzt Postel – „Forensik ist Astrologie“

Focus: Gert Postel – „Das kann auch eine dressierte Ziege“

Zwangspsychiatrie.de: Neuigkeiten von Hochstaplern unter Hochstaplern

Doktorspiele: Gert Postel liest in Bayreuth aus seinem Buch

Psychiater im Selbstversuch

Wie Menschen in der Psychiatrie zu Gemüse therapiert werden

Psychiatrie: Die endgültige Bankrotterklärung einer Pseudowissenschaft?

Dr Martin Zinkler tritt dem Kartell gegen §63 StGB bei

Martin Zinkler

Neustes Mitglied des Kartells gegen §63 StGB ist Dr Martin Zinkler. Zinkler ist Chefarzt der Heidenheimer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, sowie Chefredakteur der Fachzeitschrift „Recht und Psychiatrie“.

Zinkler setzt sich schon seit geraumer Zeit gegen psychiatrische Zwangsbehandlung ein. Im Rahmen der Neuregelung der Zwangsbehandlung im Betreuungsrecht schrieb er 2013 der damaligen Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger einen offenen Brief, in dem er sich gegen psychiatrische Zwangsbehandlung aussprach. Er forderte, die Menschenrechtssituation in der Psychiatrie nachhaltig zu verbessern. Menschenrechte dürften nicht auf dem Altar einer scheinbar effizienten Medizin geopfert werden.

Über seine Erfahrungen mit dem Verzicht auf Zwang und Gewalt in der Psychiatrie berichete Zinkler in der SWR-Fernsehsendung Odysso:

Wenn man der Psychiatrie eine Waffe wegnimmt, dann kann sich die Psychiatrie weiterentwickeln. Wir wissen, dass wir selbst in Situationen, in denen wir früher gedacht haben, es geht nur mit Zwang, auch auf freiwilliger Basis weiterkommen.

In seinem Beitrittsgesuch schreibt Zinkler:

Gerne würde ich dem Kartell gegen §63 StGB beitreten. In Italien soll nun nach Abschaffung der forensisch-psychiatrischen Kliniken auch die absolute Unzurechnungsfähigkeit abgeschafft werden. Dies halte ich für einen Fortschritt, um Art 12 der UN BRK zur Geltung zu verhelfen. Insofern hat auch eine Sonderunterbringung in der Psychiatrie nach § 63 statt in Haft keinen Platz mehr.

Selbstverständlich brauchen Haftanstalten mindestens gleich gute psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlungsangebote wie in der Gemeinde; die Bereitschaft von Strafgefangenen, diese Angebote anzunehmen, sollte aber in keiner Weise mit der Dauer der Haftstrafe oder der frühzeitigen Entlassung aus der Haft verbunden werden.

Selbstverständlich soll eine Zwangsbehandlung in Haft ebenso wenig in Frage kommen, wie in Freiheit.

Vielleicht interessiert Sie eine kurze Arbeit zur Zwangsbehandlung in Deutschland, die kürzlich in „laws“ publiziert wurde. http://www.mdpi.com/2075-471X/5/1/15/htm

In dem im September 2015 gegründeten Kartell gegen StGB §63 haben sich namhafte Juristen, wie beispielsweise der Mollath-Verteidiger Gerhard Strate oder der Menschenrechts-Anwalt David Schneider-Addae-Mensah zusammengeschlossen, die diesen Paragraphen als Unrecht betrachten.

Merkmale des Vollzugs des § 63 in der forensischen Psychiatrie seien unter anderem willkürliche und regelmäßig längere Freiheitsberaubung als bei einem vergleichbaren Delikt im Regelvollzug, sowie erzwungene Körperverletzung durch psychiatrische Zwangsbehandlung.

Bereits 2013 forderte der UN-Sonderberichterstatter über Folter und grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung, Juan Méndez einen „absolut Ban“ jeder Zwangsbehandlung legitimierenden Gesetzgebung.

Mehr Informationen zum Thema:

Zwangspsychiatrie.de: Kartell gegen § 63: Neues Mitglied verantwortlicher Redakteur der `Recht & Psychiatrie´

Kartell gegen §63 StGB

Psychosoziale Umschau: Offener Brief zur Neuregelung der Zwangsbehandlung im Betreuungsrecht

Dr Martin Zinkler: Germany without Coercive Treatment in Psychiatry—A 15 Month Real World Experience

SWR Odysso: Psychiatrie – Ohne Zwangsmedikation, bitte

Süddeutsche Zeitung: Psychiatrie – Entwertung hinter verschlossenen Türen

forensikwhistle: Menschenrechte und Massregelvollzug

Dr. med. Martin Zinkler über Zwang und Gewalt in der Psychiatrie

Psychiatrie-Mißbrauch oder Modus Operandi?

Als wahnsinnig abgestempelt – Wie unbequeme Kläger mit fragwürdigen Gutachten mundtot gemacht werden

Report Mainz berichtet von zahlreichen Fällen, bei denen ein berüchtigter Psychiater zweifelfafte Gutachten erstellt und damit Menschen im Rahmen von Gerichtsgutachten als Querulanten diskreditiert hat. Verschiedene Experten berichten über die dubiosen Praktiken psychiatrischer Gutachter. Die Politik schweigt dazu.

Mehr Informationen zum Thema:

Report Mainz: Als wahnsinnig abgestempelt

Urteil: Begleitperson oder Tonaufzeichnungen bei psychologischer Begutachtung gestattet

Eva Schwenk über Menschenrechtsverletzungen durch psychiatrische Gutachten

In der Gutachterfalle

Radio Dreyeckland: ‚VielFalter‘ – Magazin gegen Monokultur und für Inklusion 26.05.2016

Wenn Rüdiger Müller-Isberner sich beleidigt fühlt

Klapsendiktator Müller-Isberner Stop!
Als ärztlicher Direktor der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie im Hessischen Haina trägt Rüdiger Müller-Isberner die Verantwortung für die dort inhaftierten Menschen. Müller-Isberner ist auch Autor des psychiatrischen Lehrbuchs „Praxishandbuch Maßregelvollzug“, welches in vielen Gerichtsverfahren von Juristen zitiert wird. Als Psychiater begutachtet er Menschen. Diese erhalten dann Stempel wie „persönlichkeitsgestört“ oder „schizophren“. Psychiatrische Gutachten sind subjektive Werturteile des expolorierenden Psychiaters über dessen Probanden – mit oft schwerwiegenden Konsequenzen für die Betroffenen wie Zwangseinweisung in eine Psychiatrie inklusive Zwangsbehandlung mit fragwürdigen Medikamenten. Doch Kritik an seiner Person oder seiner Einrichtung duldet er nicht.

2011 warf der Patientenfürsprecher des Landkreises Gießen Hans Fink frustriert das Handtuch. Einem Bericht der Gießener Allgemeinen zur Folge soll Finks Arbeit dadurch behindert worden sein, dass man ihm trotz der Vorlage einer Entbindung von der Schweigepflicht die Einsicht in Patientenakten verweigerte. Einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Januar 2006 zur Folge sei die Einrichtung aber dazu verpflichtet. Die Einrichtung gab gegenüber Vertreter des Kreises zu den Vorwürfen keinerlei Stellung ab. Günther Semmler vom Kreisausschuss für Soziales, Jugend, Frauen, Integration, Gesundheit und Ehrenamt kommentierte dies mit dem Worten

Es ist unakzeptabel, dass Vertreter des Kreises und somit der Öffentlichkeit so abgespeist werden.

Mitunter fällt die Kritik gegen Müller-Isberner und seine Einrichtung auch derber aus. Im Rahmen einer Demonstration auf dem Gelände der Vitos Klinik in Gießen im Juni 2014 wurde er als „Klapsendiktator“ bezeichnet. Nicht selten wird er von seinen Kritikern mit zwielichtigen historischen oder literarischen Figuren verglichen. So forderte im April 2008 Hanswerner K., ein langjähriger Mitarbeiter des Landeswohlfahrtsverbands Hessen in einem Leserbrief an die Frakfurter Rundschau

dass die Richter in Marburg diesen Irrenarzt frankensteinscher Provenienz stoppen

Anstatt dem mit professioneller Distanz zu begegnen und einfach darüber zu stehen, strengte Müller-Isberner ein Gerichtsverfahren wegen Beleidigung gegen Hanswerner K. an. Dieser brachte zu seiner Verteidigung vor, dass Frankenstein ja der Arzt und nicht das Monster sei. Deshalb könne er keine Beleidigung erkennen.

Solch rigeroses Vorgehen gegen seine Kritiker ist bei Müller-Isberner kein Einzelfall. Im Dezember 2015 erhielt Frau Z. einen Strafbefehl wegen Beleidigung und Verleumndung vom Amtsgericht Bad Salzungen. Sie soll 600 Euro bezahlen, weil sie in einem längst gelöschten Blogbeitrag Rüdiger Müller-Isberner als „Drogendealer“ und „Nachfolger von Mengele“ bezeichnet und ihm vorgeworfen hat, er würde in seiner Einrichtung Menschen foltern und quälen, sie zu lebensunfähigen Krüppeln machen und sei herrschsüchtig, machtbesessen und jähzornig.

Dennis Stephan war nach einem Brand in seiner Wohnung als vermeindlich gefährlicher Straftäter vier Monate lang Insasse von Müller-Isberners Anstalt, davon 13 Tage in Isolationshaft. Er berichtete gegenüber der Frankfurter Rundschau, wie er seinerzeit von einem Psychiater begutachtet wurde:

Er hat mich zehn Minuten im Leben gesehen, mich nicht aufgeklärt, und ich habe gesagt, dass ich nicht mit ihm reden will.

Über die Zustände in dieser Einrichtung sagte Stephan

Man wird gequält, die Menschenrechte werden mit Füßen getreten.

Unter dessen berichtet das Presseportal HNA, dass in Müller-Isberners Einrichtung nächstes Jahr 50 Betten wegfielen und eine ganze Station geschlossen werde. Ein geändertes Klima an den Gerichten würde dazu führen, dass Richter weniger dazu tendieren, Rechtsbrecher in einer forensischen Anstalt unterzubringen. Im Rahmen der Verhältnismäßigkeit müssten Rechtsbrecher, die schon sehr lange in einer Forensik einsitzen, entlassen werden – auch dann, wenn die Klinik dies nicht befürworte.

Mehr Informationen zum Thema:

Frankfurter Rundschau: Teufel trifft Frankenstein

Gießener Allgemeine: Patientenfürsprecher hört frustriert auf

Echo: Ein folgenreicher Brief aus der Klinik

Frankfurter Rundschau: Gesetz zum Maßregelvollzug „Ein Gefühl völliger Entmachtung“

HNA: In Hainaer Forensik stehen 50 Betten leer

Demonstration gegen Zwangspsychiatrie in Gießen

Wie Menschen in der Psychiatrie zu Gemüse therapiert werden

Die menschenverachtende Ideologie der Psychiatrie

Urteil: Begleitperson oder Tonaufzeichnungen bei psychologischer Begutachtung gestattet

RecorderAm 3. Februar 2015 fällte das Oberlandesgericht Hamm ein wichtiges Urteil in Sachen psychologischer Begutachtung. Das Gericht urteilte, dass man zu einer familienpsychologischen oder psychiatrischen Begutachtung durch ein Gericht eine Begleitperson mitnehmen oder das Gespräch aufzeichnen darf.

Im Verfahren ging es um eine behauptete, unsachliche Äußerung der Sachverständigen, die der damalige Proband nicht nachweisen konnte. Die Sachverständige verweigerte die Anwesenheit einer Begleitperson und die Anfertigung einer Tonaufnahme.

Eine eindeutige Rechtslage im Sinne einer gefestigten oder gar höchstrichterlichen Rechtsprechung, die regelt ob jemand bei einer psychologischn oder Begutachtung eine Begleitung durch einen Beistand oder eine Tonaufzeichnung beanspruchen könne, existierte bisher nicht.

Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass ein medizinisch oder psychologisch zu begutachtender Beteiligter ansonsten keine Möglichkeit hätte, gegenüber „Wahrnehmungsfehlern“ des Sachverständigen effektiven Rechtsschutz zu erlangen. Im Zweifel würde sich der Sachverständige in der Regel darauf berufen, den Hergang des Explorationsgesprächs nach seiner Überzeugung und Erinnerung richtig aufgezeichnet zu haben.

In jüngster Vergangenheit sind Psycho-Gutachter immer wieder öffentlich für ihre fragwürdigen Methoden kritisiert worden. Fälle wie Gustl Mollath, Ulvi Kulaç oder der hessischen Steuerfahnder, die auf Grund eines psychiatrischen Gutachtens kaltgestellt wurden, werfen unangenehme Fragen auf.

Mehr Informationen zum Thema:

Oberlandesgericht Hamm, 14 UF 135/14

Psycho-Gutachter im Kreuzfeuer der Kritik

Frankfurter Allgemeine: Psychiatrische Gutachten – Zwischen Irrsinn und Verbrechen

Salzburger Nachrichten: Falsche Gutachten erstellt? Richterin sieht sich unzuständig

Lexikon der Psychiatriekritik: Psychiatrische Diagnostik – Die Wissenschaft der schieren Mutmaßung

Doktorspiele: Gert Postel beantwortet Fragen aus dem Publikum

Im Anschluß an eine Lesung aus seinem Buch „Doktorspiele“ stellt sich Gert Postel Fragen aus dem Publikum. Wir erfahren etwas über die Motive des Hochstaplers und sein Verhältnis zu psychiatrischen Koryphäen wie Hans-Ludwig Kröber und der ehemaligen, bayrischen Justizministerin Beate Merk, sowie Praktiken aus dem klinischen Alltag einer geschlossenen Psychiatrie, wie z.B. willkürliche Fixierungen und zwangsweise Verabreichung von Haloperidol.

Mehr Informationen zum Thema:

www.gert-postel.de

InFranken.de: Falscher Arzt Postel – „Forensik ist Astrologie“

focus online: Gert Postel – „Das kann auch eine dressierte Ziege“

Doktorspiele: Gert Postel liest in Bayreuth aus seinem Buch

BGH-Richter führt Psychiater anhand obskurer Begutachtungspraktiken vor

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