Ulvi Kulaç: Pressekonferenz nach Anhörung in Bayreuth

Trotz Freispruch sitzt Ulvi Kulaç noch immer im Maßregelvollzug.
Am 9.1.2015 fand vor dem Amtsgericht in Bayreuth eine Anhörung statt. Anschließend gab es eine Pressekonferenz, in dem sein Anwalt Thomas Saschenbrecker und seine Betreuerin Gudrun Rödel über den Stand des Verfahrens und das weitere Vorgehen berichteten.

Mehr Informationen zum Thema:

BR: Nach Anhörung – Ulvi Kulac bleibt wahrscheinlich in Psychiatrie

Radio Euroherz: Freiheit für Ulvi Kulac – Alljährlicher Anhörungstermin

Neue Presse: Kulac-Betreuerin sauer auf Justiz

Süddeutsche Zeitung: Fall Peggy – Gericht prüft Ulvi K.s Unterbringung in Psychiatrie

www.ulvi-kulac.de

Fall Peggy: Wo die Leiche ist weiß nicht einmal der Geier

Fall Peggy: Wo die Leiche ist weiß nicht einmal der Geier

Peggy Knobloch verpixeltMit einem verpixelten Foto suchte die tz Mitte März 2014 nach der seit dem 7. Mai 2001 verschwundenen, damals neunjährigen Peggy Knobloch aus dem oberfränkischen Lichtenberg. Das Blatt wirft die Frage in den Raum, ob Peggy damals entführt wurde und noch am Leben ist. Unter zweifelhaften Umständen ist Ulvi Kulaç wegen Mordes an Peggy verurteilt worden. Seit dem sitzt er in der Forensik ein. Doch von einer Leiche fehlt bis heute jede Spur. Angeblich soll Kulaç damals ein Geständnis abgelegt haben, als gerade kein Tonband mitlief. Kulaçs Verteidiger Rechtsanwalt Michael Euler wirft der Polizei vor, dieses angebliche Geständnis habe sein Mandant unter Folter, in der Hoffnung daß man dann von ihm ablasse, abgegeben. Aber selbst der damalige Chef der „Soko Peggy II“ Wolfgang Geier weiß nicht, wo die Leiche von Peggy ist. Es gibt nicht einmal einen handfesten Beweis dafür, daß Peggy überhaupt ermordet wurde. Der als Gutachter bestellte Psychiater Hans-Ludwig Kröber hielt jedoch das angebliche, auf dem Gedächtnisprotokoll eines Ermittlers beruhende Geständnis für plausibel. Ein spekulatives, psychiatrisches Gutachten wurde in diesem Fall höher bewertet wie objektiv nachprüfbare Tatsachen und der Rechtsgrundsatz in dubio pro reo ad absurdum geführt. Kröber ist schon im Fall Mollath durch zweifelhafte Gutachten negativ aufgefallen.

Kulac und MollathWährend Kulaç durchgehend als „geistig behindert“, „minderbemittelt“ und „geistig zurückgeblieben“ bezeichnet wird, fragt sich kaum jemand, wie geistig minderbemittelt wohl ein Gutachter sein muß, der die von der Justiz präsentierte Version des vermeintlichen Tathergangs für plausibel hält. Wie geistig umnachtet müssen wohl die Richter gewesen sein, die Kulaç wegen Mordes verurteilt haben? Hätte Kulaç tatsächlich ein Geständnis abgelegt, dann wäre doch auch der Ort bekannt, wo die Leiche von Peggy liegt. Zu dieser einfachen, logischen Schlußfolgerung waren aber offensichtlich weder die Polizei, noch die Justiz und auch nicht der psychiatrische Gutachter fähig.

Einige, die sich mit dem Fall Peggy befasst haben mutmaßen, die Justiz habe in Kulaç ein Bauernopfer gefunden, dem sie leicht einen Mord hätten anhängen können, um die Akten endlich schließen und der Öffentlichkeit einen Schuldigen präsentieren zu können. Angesichts der unterstellten Straftat – einem Sexualdelikt und Mord an einem Kind – klingt dies durchaus nachvollziehbar, weil erfahrungsgemäß in solchen Fällen die Volksseele kocht.

Es wird behauptet, Kulaç hätte sich in der Vergangenheit schon mehrfach vor Kindern entblöst. Jedoch wurde er nicht deswegen, sondern wegen Mordes verurteilt. Je mehr Details aus diesem Fall ans Licht kommen, destomehr ist es die deutsche Justiz, die mit heruntergelassenen Hosen dasteht. Wäre das Verfahren gegen Kulaç nur eine Verfehlung eines Amtsgerichts gewesen, hätten sicher viele vollkommen zu Recht gesagt, daß Polizisten, Richter und Staatsanwälte eben auch nur Menschen sind und Fehler machen. Allerdings ging das Verfahren gegen Kulaç bis zum Bundesgerichtshof, der die Verurteilung wegen Mordes bestätigte. Ob man nun an einen großen Komplott oder eher an die komplette, geistige Umnachtung der deutschen Justiz glauben mag – beide Vorstellungen sind gleichermaßen erschreckend. Jeder könnte der nächste Ulvi Kulaç sein.

Gudrun RödelMenschen mit Zivilcourage wie Gudrun Rödel von der Bürgerinitiative Gerechtigkeit für Ulvi ist es zu verdanken, daß dieser Fall nun neu aufgerollt wird. Die Tatsache, daß erst eine Bürgerinitiative gegründet werden muß, die mittels der Medien die dubiosen Umstände dieses Falles ans Licht bringen mußte, um so durch öffentlichen Druck ein Wiederaufnahmeverfahren zu erwirken, zeigt, daß es in der deutschen Justiz offensichtlich keine wirksamen Kontrollen gibt. Gleichzeitig ermahnt uns dieser Fall einmal mehr, daß wir Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit nicht als gegeben hinnehmen können. Wenn wir nicht bereit sind, jeden Tag aufs neue für diese Werte zu kämpfen, laufen wir in Gefahr, sie zu verlieren.

Mehr Informationen zum Thema:

tz: Wurde Peggy entführt und ist am Leben?

Bitterlemmer: Warum sich der Fall Peggy zum Debakel für Psychiatrie-Gutachter Kröber entwickelt

Frankenpost: Die Vernehmung

Hamburger Abendblatt: Verteidigung wirft Ermittlern im Fall Peggy Folter von Ulvi K. vor

nordbayern.de: Peggy-Prozess – Wurde Ulvi Kulac gefoltert?

Spiegel Online: Fall Peggy Knobloch – Das Versagen des Verteidigers von Ulvi K.

Psycho-Gutachter im Kreuzfeuer der Kritik

Podiumsdiskussion: Justizopfer in Bayern

Podiumsdiskussion: Justizopfer in Bayern

Am 6.3.2014 fand in Bayreuth die Podiumsdiskussion „Justizopfer in Bayern“ statt. Redner waren Gudrun Rödel vom Unterstützerkreis Ulvi, Manfred Riebe von Nürnberg-Wiki, Gustl Mollath und Rudolf Frey.

Mehr Informationen zum Thema:

www.ulvi-kulac.de

BR: Mordfall Peggy – Unterstützer von Ulvi erheben schwere Vorwürfe

BR: Gustl Mollath spricht in Bayreuth – Podiumsdiskussion „Justizopfer in Bayern“

Oberpfalz TV: “Justizopfer in Bayern” mit Gustl Mollath

Frankenpost: Jeder kann der nächste Mollath sein

eigentümlich frei: Psychiatrie – Das Verbrechen an Mollath ist kein Einzelfall

|