Der Nürnberger Kodex ist Makulatur

Justizpalast Nürnberg
Nach Ende des 2. Weltkriegs wurden im Rahmen der Nürnberger Ärzteprozesse ehemalige KZ-Ärzte von einem US-Amerikanischen Militärgericht angeklagt. Die Anklagepunkte umfassten unter anderem unfreiwillige Menschenversuche, sowie Massentötungen im Rahmen der Aktion T4. Sieben der 23 Angeklagten wurden freigesprochen, weitere sieben zum Tode verurteilt, andere erhielten lange Haftstrafen.

Um solche Gräultaten in Zukunft zu verhindern, wurde 1947 der Nürnberger Kodex formuliert. In 10 Punkten wurden ethische Richtlinien für Ärzte zur Durchführung von Menschenversuchen bestimmt:

  1. Die freiwillige Zustimmung der Versuchsperson ist unbedingt erforderlich. Das heißt, dass die betreffende Person im juristischen Sinne fähig sein muss, ihre Einwilligung zu geben; dass sie in der Lage sein muss, unbeeinflusst durch Gewalt, Betrug, List, Druck, Vortäuschung oder irgendeine andere Form der Überredung oder des Zwanges, von ihrem Urteilsvermögen Gebrauch zu machen; dass sie das betreffende Gebiet in seinen Einzelheiten hinreichend kennen und verstehen muss, um eine verständige und informierte Entscheidung treffen zu können. Diese letzte Bedingung macht es notwendig, dass der Versuchsperson vor der Einholung ihrer Zustimmung das Wesen, die Länge und der Zweck des Versuches klargemacht werden; sowie die Methode und die Mittel, welche angewendet werden sollen, alle Unannehmlichkeiten und Gefahren, welche mit Fug zu erwarten sind, und die Folgen für ihre Gesundheit oder ihre Person, welche sich aus der Teilnahme ergeben mögen. Die Pflicht und Verantwortlichkeit, den Wert der Zustimmung festzustellen, obliegt jedem, der den Versuch anordnet, leitet oder ihn durchführt. Dies ist eine persönliche Pflicht und Verantwortlichkeit, welche nicht straflos an andere weitergegeben werden kann.
  2. Der Versuch muss so gestaltet sein, dass fruchtbare Ergebnisse für das Wohl der Gesellschaft zu erwarten sind, welche nicht durch andere Forschungsmittel oder Methoden zu erlangen sind. Er darf seiner Natur nach nicht willkürlich oder überflüssig sein.
  3. Der Versuch ist so zu planen und auf Ergebnissen von Tierversuchen und naturkundlichem Wissen über die Krankheit oder das Forschungsproblem aufzubauen, dass die zu erwartenden Ergebnisse die Durchführung des Versuchs rechtfertigen werden.
  4. Der Versuch ist so auszuführen, dass alles unnötige körperliche und seelische Leiden und Schädigungen vermieden werden.
  5. Kein Versuch darf durchgeführt werden, wenn von vornherein mit Fug angenommen werden kann, dass es zum Tod oder einem dauernden Schaden führen wird, höchstens jene Versuche ausgenommen, bei welchen der Versuchsleiter gleichzeitig als Versuchsperson dient.
  6. Die Gefährdung darf niemals über jene Grenzen hinausgehen, die durch die humanitäre Bedeutung des zu lösenden Problems vorgegeben sind.
  7. Es ist für ausreichende Vorbereitung und geeignete Vorrichtungen Sorge zu tragen, um die Versuchsperson auch vor der geringsten Möglichkeit von Verletzung, bleibendem Schaden oder Tod zu schützen.
  8. Der Versuch darf nur von wissenschaftlich qualifizierten Personen durchgeführt werden. Größte Geschicklichkeit und Vorsicht sind auf allen Stufen des Versuchs von denjenigen zu verlangen, die den Versuch leiten oder durchführen.
  9. Während des Versuches muss der Versuchsperson freigestellt bleiben, den Versuch zu beenden, wenn sie körperlich oder psychisch einen Punkt erreicht hat, an dem ihr seine Fortsetzung unmöglich erscheint.
  10. Im Verlauf des Versuchs muss der Versuchsleiter jederzeit darauf vorbereitet sein, den Versuch abzubrechen, wenn er auf Grund des von ihm verlangten guten Glaubens, seiner besonderen Erfahrung und seines sorgfältigen Urteils vermuten muss, daß eine Fortsetzung des Versuches eine Verletzung, eine bleibende Schädigung oder den Tod der Versuchsperson zur Folge haben könnte.

Haben sich Ärzte in der Nachkriegszeit an diesen Kodex gehalten?

Nach Recherchen in den Archiven des Pharmakonzerns Merk stellte die Pharmazeutin Sylvia Wagner fest, dass auch nach 1945 Heimkinder und Kinder, die Insassen von Psychiatrien waren, für unfreiwillige Medikamententests benutzt wurden. Einem Bericht der Zeit zur Folge habe man in dem für seine Grausamkeit bekannten katholische Franz-Sales-Haus in Essen Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 13 Jahren das Neuroleptikum Decentan verabreicht.

Die Ergebnisse seiner Versuche hat der Arzt Dr. Waldemar Strehl dokumentiert:

Starrkrampf im Bereich der Rückenmuskulatur. Blickkrampf nach links oben. Plötzlich Schreikrämpfe. Die linke Seite war wie gelähmt, der Mund schief. Die Zunge war wie gelähmt. Steht apathisch herum. Das Gesicht ist mimikarm völlig verändert. Taumelt.

Wagner kommentiert dies mit den Worten

Es war erschreckend zu lesen. Hier hat jemand ohne Unrechtsbewusstsein gehandelt.

Die beschriebenen Symptome sind im medizinischen Jargon unter dem Sammelbegriff Dyskinesien bekannt. Sie sind die unmittelbaren, neurotoxischen Wirkungen der Neuroleptika. Quälende Bewegungsstörungen, die dadurch verursacht werden, dass die Neuroleptika das Gehirn massiv schädigen.

Der Pharma-Experte Prof. Gerd Glaeske bestätigt dies:

Bei Kindern, deren Gehirne sich noch entwickeln, muss man vermuten, dass sie dauerhafte Schäden davongetragen haben.

Die Ärztezeitung zitiert einen Betroffenen:

Nach dem Mittagessen mussten wir uns hintereinander aufstellen, die Hand aufhalten und bekamen eine Tablette. Die mussten wir schlucken und hinterher den Mund aufmachen und zeigen, dass sie weg ist.

Sylvia Wagner hat durch Recherchen in historischen Archiven und Fachzeitschriften herausgefunden, dass es in Deutschland etwa 50 derartiger Versuchsreihen gab.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, wiegelt der Merck-Sprecher Gangolf Schrimpf ab:

Die derzeit diskutierten Tests liegen mehr als 50 Jahre zurück und die Gesetzeslage war damals eine andere. Nach unserer Kenntnis hat Merck nicht rechtswidrig gehandelt. Daher stellt sich die Frage nach Wiedergutmachung nicht.

Auch aus der Schweiz wurden ähnliche Fälle bekannt. Der Schweizer Psychiater Roland Kuhn missbrauchte einem Bericht des Tagesanzeigers zur Folge bei seinen zweifelhaften Forschungen unschuldige Kinder für illegale Medikamentenversuche. Von 1950 bis in die Mitte der 60er Jahre führte er in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen an über 1600 ahnungslosen Probanden Klinische Psychopharmaka-Tests ohne deren Einwilligung durch.

Unter dessen verabschiedete der Deutsche Bundestag ein Gesetz, welches Arzneimitteltest an nicht-einwilligungsfähigen Personen erlaubt. Doch zur nicht-einwilligungsfähigen Person kann jeder per psychiatrischem Gutachten erklärt werden. Spätestens damit wird der Nürnberger Kodex zur Makulatur.

Weitere Informationen zum Thema:

Deutsches Ärzteblatt: Ethische Kodizes in Medizin und Biotechnologie – Schutz vor ärztlichen Verfehlungen

Zeit Online: Missbrauch von Heimkindern – „Plötzlich Schreikrämpfe. Der Mund schief“

Stern: Heimkinder in Deutschland für Medikamententests missbraucht

Spiegel Online: Medikamententests – Heimkinder waren Versuchskaninchen

Ärzte Zeitung: Medikamententests im Heim? – Ein Betroffener erzählt.

WDR: Bethel räumt Medikamenten-Versuche ein

Ärzte Zeitung: Bundestag lässt gruppennützige Arzneitests zu

Der Tagesspiegel: Bundestag setzt sich über Bedenken hinweg – Mehr Arzneitests an Demenzkranken

dieDatenschützer Rhein Main: Medikamententests an Demenzkranken und geistig Behinderten – ein Verstoß gegen das informationelle Selbstbestimmungsrecht

Mengeles geistige Erben: Illegale Medikamententests an Schweizer Kindern

Psychiater Volkmar Aderhold im Gespräch: Schäden und verkürzte Lebenserwartung durch Neuroleptika

Volkmar AderholdMirko Olostiak Brahms im Gespräch mit Prof. Dr. Volkmar Aderhold, der in Deutschland nicht nur die Debatte über Schäden und verkürzte Lebenserwartung durch Neuroleptika angestoßen hat, sondern hierzulande auch durch Seminare, Fortbildungen und Vorträge die Konzepte der Bedürfnisangepassten Behandlung und des Offenen Dialog voranbringen will.

Über das Geschäftsmodell der Psychiatrie ist Aderhold desillusioniert

Als ich in die Psychiatrie ging – war irgendwie noch, das war so 1982, war klar: Die Psychiatrie ist ein Kostenfaktor und man kann sich gesellschaftlich einbilden wenn´s weniger kostet und besser wird, dann freuen sich alle. Und es war ne ziemliche Ernüchterung, dass ich erst im Laufe der letzten 15 Jahre langsam gemerkt habe: Das hat sich längst gedreht. Krankheit ist zur Ware geworden. Kliniken rechnen sich. Das wusste ich zwar vorher schon, aber die rechnen sich so kräftig, dass man dass man sie echt am Netz halten will. Und auch Chronifizierungen sind ein Geschäft.

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Mehr Informationen zum Thema:

VielFalter Magazin gegen Monokultur: Sendung vom 28. Juli 2016

Volkmar Aderhold über Neuroleptika

FAZ: Neuroleptika Wenn Psychopillen das Gehirn schrumpfen lassen

Der Nervenarzt: Frontale Hirnvolumenminderung durch Antipsychotika?

Deutsche Apotheker Zeitung: „Pharmaindustrie schlimmer als die Mafia“

Neuroleptika lassen das Gehirn in kürzester Zeit schrumpfen

Peter Gøtzsche: Vortrag zu Übermedikalisierung und Überdosierung

Gehirnscans – was uns die bunten Bildchen sagen

Zu Unrecht eingesperrt, behandelt und mit Neuroleptika geschädigt – Gespräch mit Herr W.

Auf Betreiben der Großmutter, bei der damals lebte, wurde Herr W. in einer psychiatrischen Klinik eingesperrt und zwangsbehandelt – obwohl keinerlei Anzeichen für eine ‚psychiatrische Erkrankung‘ vorlagen. (siehe auch: http://gabriel-schaufelberger.de/w/ oder http://www.aerzte-pfusch.de/Opfer/07/20070703_Der_Fall_des_Herrn_W.html) Herr W. möchte gegen das Unrecht, das ihm angetan wurde, gerichtlich vorgehen und eine Entschädigung einklagen, für die gesundheitlichen Schäden, die durch die Behandlung verursacht wurden. Er prozessiert schon seit Jahren – bisher ohne Erfolg. Erst kürzlich wurde seine Klage auch vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen. Die Frage, seit wann er die Prozesse führt, stand am Anfang des Gesprächs:

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Mehr Informationen zum Thema:

‚VielFalter‘ – Magazin gegen Monokultur und für Inklusion 26.05.2016

GEP Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V.: Omas Diagnose und die Folgen

Kritik an psychiatrischer Zwangsbehandlung

Infektiöser Wahn in der Baden-Württembergischen Justiz

Peter Gøtzsche: Vortrag zu Übermedikalisierung und Überdosierung

Am 11. Februar 2015 hielt Peter Gøtzsche einen Vortrag zum Thema Überdiagnostizierung und Übermedikalisierung in Melbourne. Gøtzsche arbeitete als Wissenschaftler in der Pharmaindustrie und hat sich so viel Insiderwissen angeeignet. Sein Buch Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität ist absolut lesenswert.

Gleich am Anfang seines Vortrags stellt er klar:

Die meisten Patienten haben von ihrem Psychiater gehört, dass sie unter einem chemischen Ungleichgewicht leiden und dass sie ein Medikament bekommen, dass dieses chemische Ungleichgewicht korrigiert. Das ist falsch. Es konnte noch nie nachgewiesen werden, dass es in Sachen gestörte Hirnfunktionen einen Unterschied zwischen psychiatrischen Patienten und normalen Leuten gibt. Stephen Hyman, der ehemalige Direktor des National Institute of Mental Health und viele andere Leute, die darüber bescheid wissen bestätigen, was diese Medikamente tatsächlich machen: Sie erzeugen tatsächlich das, was man ein chemisches Ungleichgewicht nennen könnte. Das ist der einzige Grund, warum sie eingesetzt werden. Sie erzeugen Störungen in Neurotransmitterfunktionen. Als Reaktion nimmt das Gehirn dann eine Reihe von Anpassungen vor, um dies auszugleichen.

Der Langzeitkonsum von Psychopharmaka erzeugt substantielle und langandauernde Veränderungen in neuralen Funktionen. Dies ist der Hinweis, dass sie ein chemisches Ungleichgeicht erzeugen. Und es gibt tatsächlich Befunde die darauf hinweisen, dass diese Veränderungen langandauernd oder vielleicht sogar dauerhaft sein können. Dies bestätigt fast jede Studie. Es scheint so, dass die meisten Psychopharmaka wahrscheinlich langanhaltende oder bleibende Gehirnschäden erzeugen. Davon hört man nicht allzuviel. Aber dies ist eine traurige Tatsache. Das Gehirn ist ein sehr empfindliches Organ. Und man kann das Gehirn nicht ohne Konsequenzen stören.

Die Tatsache, dass die Zahl der diagnostizierten Fälle von Depression in den letzten Jahren explosionsartig gestiegen ist, führt Gøtzsche darauf zurück, dass die Kriterien für diese Diagnose herabgesetzt wurde. Schuld daran seien vor allem amerikanische Psychiater, die von der Pharmaindustrie finanziert würden. Je mehr Menschen als depressiv bezeichnet werden, desto mehr gibt es zu verdienen. Das klassische Beispiel sei ein Junge, der von einem Mädchen verlassen wird und sich lausig fühlt. Er kann nicht schlafen, er isst nicht viel. Und schon sind die Kriterien für eine Depression erfüllt. Es sei kompletter Unsinn, wie diese Diagnosen von der gegenwärtigen Psychiatrie benutzt würden. Wenn man diese offiziele Art, wie in der Psychiatrie diagnostiziert wird, auf gesunde Menschen anwenden würde, wie es Gøtzsche getan hat, würde niemand ohne mindestens eine psychiatrische Diagnose davonkommen. Gøtzsche nennt nur drei: Manie, ADHS oder Depression. Wir alle hätten mindestens eine dieser Diagnosen. Und wir alle würden für verrückt erklärt.

Die Inflation der psychiatrischen Diagnostik macht Gøtzsche an Hand der Kriterien für Depression, wie sie im Diagnosehandbuch DSM (auch als die Bibel der Psychiatrie bekannt) genannt werden fest: Während im DSM III aus dem Jahre 1980 jemand noch 2 Jahre um den Verlust seines Ehepartners trauern konnte, bevor er die Kriterien für eine Depresion erfüllte, waren es im DSM IV, welches im Jahr 1994 erschien, nurnoch 2 Monate. In der aktuellen Ausgabe, dem DSM V aus dem Jahre 2013 waren es nur noch 2 Wochen. Gøtzsche ist der Meinung, dass Psychiater den Hals nicht voll bekommen können. Er fragt sich warum gewöhnliche Lebensumstände zur psychiatrischen Diagnose erklärt werden sollen. Das sei falsch. Durch Psychopharmaka würden akute Zustände chronifiziert werden. Auf diese Weise würden mehr Konsumenten erzeugt.

Auch an der Wirksamkeint von Psychopharmaka hat Gøtzsche erhebliche Zweifel. Placebokontrollierte Studien der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zeigen, dass über 40% der Probanden bei Depressionen auf Placebo reagierten. Das wird im Jargon Spontanremission genannt. Der französiche Philosph Volaire drückte das mit den Worten aus:

Die Natur heilt, aber der Arzt nimmt das Geld.

Manche Patienten sagen, diese Antidepressiva hätten ihr Leben gerettet. Gøtzsche sagt, sie hätten Glück gehabt, dass sie dadurch nicht gestorben sind, denn tatsächlich würden diese Medikamente bei manchen Menschen dazu führen, dass sie sowohl Suizid als auch Mord begehen. Er glaubt auch nicht, dass Antidepressiva dazu beitragen können, Beziehungen zu retten, denn sie verursachen bei der Hälfte der Konsumenten sexuelle Störungen.

Diese Psychopharmaka machen abhängig. Beim Absetzen können ernsthafte Entzugserscheinungen auftreten. Deshalb sollten sie langsam ausgeschlichen werden. Wenn man Antidepressiva schlagartig absetzt, kann man depressiv werden. Aber das ist keine echte Depression, sondern eine medikamenteninduzierte Entzugsdepression. Doch die meisten Psychiater würden die Entzugserscheinungen als Symptome der Krankheit interpretieren, so Gøtzsche. Deshalb würden sie in manchen Fällen diese Medikamente ihren Patienten lebenslang verschreiben. Das chemische Ungleichgewicht sei ein Schwindel, der von Ärzten dazu benutzt würde, ihre Patienten davon abzuhalten, ihre Medikamente abzusetzen.

Sie sagen sogar, es sei wie einem Diabetiker Insulin zu geben. Sie würden doch nicht aufhören, einem Diabetiker Insulin zu geben, oder? Ein Psychiatrie-Professor fragte mich dies. Und ich antwortete ihm, das sei nicht das selbe. Patienten mit Diabetes haben einen Insulinmangel. Patienten mit einer Depression mangelt es nicht an Antidepressiva. Wenn Sie sich traurig sind und dann Alkohol trinken, um sich besser zu fühlen, ist das nicht, weil Ihr Gehirn einen Alkoholmangel hatte.

Den Arzneimittelbehörden, die für die Zulassung von Medikamenten zuständig sind, traut Gøtzsche ebensowenig. Sie würden eher die Pharmaindustrie, als die Patienten schützen. So hätte die FDA bei einer Studie über Antidepressiva nur die Suizide berücksichtigt, die innerhalb von 24 Stunden nach dem Absetzen des Medikaments aufgetreten sind.

Wenn man einen kalten Entzug von Antidepressiva macht, was am Ende solcher Versuche der Fall ist, erzeugt man dadurch Entzugserscheinungen. Eines dieser Symptome ist extreme Ruhelosigkeit, die als „ich möchte aus meiner Haut springen“ beschrieben werden. Dies treibt die Menschen zu Suizid und Mord.

Viele dieser Suizide würden als etwas anderes deklariert. Dabei würden für solche Versuche Probanden mit einem besonders niedrigen Suizidrisiko ausgewählt. Die Vorgehensweise bei klinischen Versuchen zu Psychopharmaka sei fast immer die selbe:

Man nimmt Patienten, die schon in Behandlung sind, z.B. wegen Depression oder Schizophrenie. Dann hat man eine Absetzphase von ein bis zwei Wochen, wo sie wo sie nichts oder ein Placebo bekommen. Dann randomisiert man. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass man jetzt Schäden in der Placebogruppe einführt, weil sich einige der Entzugserscheinungen nicht in der ersten Woche der Absetzphase zeigen. Diese zeigen sich erst später. Und das kann Depression oder Psychose sein, wenn es sich um ein Antipsychotikum handelt. Und dann sieht das Medikament viel besser aus, als es ist.

Eine Studie des Pharmakonzerns Pfizer, bei dem Probanden 30 Tage nach dem Absetzen beobachtet wurden hatte ergeben, dass das Suizidrisiko durch das Medikament Zoloft um 50% gesteigert wurde. Britische Wissenschaftler, die Zugriff auf Daten hatten, die auch Vorfälle mit einbezogen, die nach mehr als 24 Stunden auftraten, haben sogar ein verdoppeltes Suizidrisiko in allen Altersgruppen festgestellt. Der britische Psychiater David Healy, der sich an einigen Klagen in den USA beteiligte, hatte Zugriff auf unveröffentlichte Daten der Pharmakonzerne. Er berichtete, dass alle großen Firmen, wie GlaxoSmithKline, Eli Lilly und Pfizer Ergebnisse von Studien manipulierten. Wenn jemand im Rahmen einer Studie nach dem Absetzen des Medikaments suizidal wurde, hätten sie diesen Probanden im Nachhinein einfach der Placebogruppe zugeordnet, um so die Statistik zu ihren Gunsten zu verfälschen.

Im Rahmen seines Vortrags zitiert Gøtzsche auch eine australische Psychiaterin, die verschiedene Fälle von Unverträglichkeit von Antidepressiva untersucht hat. Bei diesen forensischen Fällen handelt es sich um Menschen, die auf Grund einer Genmutation das ihnen verabreichte Antidepressivum nicht metabolisieren konnten. Einer 35-jährige Frau, die wegen des Alkoholismus ihres Ehemanns besort war, wurde mit dem Antidepressivum Nortriptylin behandelt. Nach 3 Tagen tötete sie ihre minderjährige Tochter im toxischen Delirium. Ein 18-jähriger Mann, der mit Fluoxetin behandelt wurde, weil seine Schwester nach einem Autounfall ins Koma gefallen war, entwickelte eine Akathisie. 4 Tage, nachdem seine Medikamente zu Ende gegangen waren, tötete er seinen Vater. Ein 35-jähriger Mann, der unter der On-Off-Beziehungen mit der Mutter seines Kindes litt, wurde mit Paroxetin behandelt. 11 Wochen später stach er über 30 mal auf seine Partnerin ein, nachdem er durch das Medikament eine Akathisie entwickelte. Ein 46-jähriger Mann, der ebenfalls unter Paroxetin gesetzt wurde, weil er Angst hatte, nicht genug Geld zu verdienen, um den Lebensunterhalt seiner Familie sichern zu können, entwickelte manische Phasen und Akathisie. 42 Tage später, nachdem seine Dosis vor 20 Tagen erhöht wurde, tötete er seinen Sohn im Delirium.

Über die Behandlung von sogenannten Psychosen mit Neuroleptika berichtet Gøtzsche, was Insidern schon lange bekannt ist: Wissenschaftliche Langzeitstudien bestätigen, dass diejenigen, die ihre Medikamente absetzen, ein besseres Outcome haben, als diejenigen, die sie weiterhin einnehmen. Daraus zieht Gøtzsche den Schluss:

Wir müssen Patienten von diesen Medikamenten weg bekommen und nicht für immer weitermachen. Denn das ist der Hauptgrund, warum wir so viele behinderte Patienten erzeugt haben, nachdem wir anfingen so viele antipsychotischen Medikamente zu verwenden, wie wir es tun. Die heilen überhaupt nichts. Die machen Dinge nur noch schlimmer.

Zum Thema ADHS sagt Gøtzsche folgendes:

Es gibt Giraffen in Afrika. Ich habe sie gesehen. Sie existieren. AHDS existiert nicht wie eine Giraffe. Es ist nur ein Name. Wir haben Kinder, die schwiriger sind als andere, mehr aufgeweckt. Und dann haben wir Leute, die zu ruhig sind. Denken sie an die Körpergröße von Menschen. Wir können nicht alle gleich groß sein. Es gibt einige Leute, die klein sind, manche sind groß. Nehmen wir die Großen und sagen „Wir geben Dir jetzt eine Diagnose. Du hast eine Krankheit. Du brauchst eine Behandlung.“? Das ist genau das, was Leute mit ADHS gemacht haben: Sie haben die Kinder genommen, die nicht in der Mitte sind. Und dann sagen sie Du hast ADHS.

Viele Eltern lieben das, weil es ihnen eine Pseudo-Erklärung gibt. Der kleine Klaus benimmt sich so, weil er ADHS hat. Ok. Das kann man nicht machen, weil das ein Zirkelschluss ist. Es ist eine Tautologie. Man kann nicht erst sagen wir haben ihn! Er verhält sich so. Wir geben diesem Verhalten einen Namen. Jetzt erklärt der Name das Verhalten. Können Sie erkennen, wie dumm das ist? Ich denke schon.

Mehr Informationen zum Thema:

Peter Gøtzsche: Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität – Die Verbrechen der Pharmaindustrie

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Psychiater im Selbstversuch

Fresst Euer Gift selbst!

Für gewöhnlich leugnen Psychiater die fatale Wirkung von Neuroleptika. Gerne werden Symptome, wie z.B. Dyskinesien, kognitive Störungen, sowie Persönlichkeitsveränderungen auf die angebliche „Grunderkrankung“ geschoben. Nur wenige Psychiater, wie z.B. Peter Breggin, Volkmar Aderhold oder Josef Zehentbauer warnen öffentlich vor den Gefahren dieser Psychopharmaka. Seit dem Aufkommen der ersten Neuroleptika in der Mitte des letzten Jahrhunderts zeigten zahlreiche wissenschaftliche Studien, wie schädlich diese Nervengifte sind.

Weit weniger bekannt sind Selbstversuche, bei denen Psychiater sich selbst Neuroleptika verabreicht und deren Wirkung auf Körper und Geist dokumentiert haben. In seinem Buch der chemische Knebel hat der Psychiatrie-Überlebende Peter Lehmann einige bekannte Selbstversuche von Psychiatern mit Neuroleptika aufgelistet. So probierte am 9. November 1951 die Psychiaterin Cornelia Quarti die Wirkung von Chlorpromazin am eigenen Leibe aus. In den Aufzeichnungen ihres Versuchs beschreibt sie die Wirkung des Neuroleptikums:

Bis 12 Uhr fühlte ich keine subjektive Änderungen, dann hatte ich den Eindruck, schwächer zu werden und zu sterben. Es war sehr anstrengend und quälend.

Ich fühlte mich unfähig, mich über irgend etwas aufzuregen.

Von der Wirkung von Chlorpromazin auf einen Kollegen im Rahmen eines Selbstversuchs aus dem Jahre 1954 berichtet der Psychiater Gerhard Orzechowski:

Bald nach der Injektion eine psycho-motorische Unstetigkeit, Fahrigkeit, herabgesetzte Aufmerksamkeit und Konzentration, Gedankenleere; dann eine länger anhaltende Verlangsamung, ja Hemmung, dazu flüchtige Sprachschwierigkeiten, müder, leerer Gesichtsausdruck mit verengten Lidspalten, gerötete Augenlieder; unzweckmäßige Ziellosigkeit, überschießend verzettelte Gestik auf äußeren Anstoß hin; eine apathische Teilnahmslosigkeit, Uninteressiertheit und Abgesperrtheit gegenüber Vorgängen und Einwirkungen aus der Umgebung; zunehmendes Ruhebedürfnis mit kurzandauerndem Schlaf bei leichter Erweckbarkeit. Im weiteren Verlauf (bei fortgesetzter oraler Megaphen-Einnahme) wird beobachtet vorwiegend eine ausgesprochene Müdigkeit, kaum überwindbare Antriebsschwäche bei Verwirklichung vorgefaßter Entschlüsse, teilnahmslose Schlaffheit, die Stimmung sorglos gehoben, Lichtreize werden verstärkt empfunden, Gehörseindrücke kommen ‚gar nicht so recht heran‘.

Im Rahmen seiner Dissertation machte der schweizer Psychiater Klaus Ernst im Jahr 1954 ebenfalls einen Selbstversuch. Er und seine Frau verabreichten sich gegenseitig Largacitil und beobachteten sich dabei. Beide waren nicht mehr im Stande, Texte zu lesen. Über die Auswirkungen auf das Gefühlsleben seiner Frau schreibt Ernst:

Es lag über Gebärde, Mimik und Wort etwas wie ein Schleier, der alle Farben dämpft und alle Konturen leise verwischt.

Das Gefühl glich demjenigen des ‚Kaltgestelltseins‘ durch Abwendung des Partners und erzeugte das Bedürfnis, diesen immer wieder affektiv anzugehen, um ihn zur Erwiederung des Gefühls zu bewegen.

Frau Ernst schilderte ihre Neuroleptika-Erfahrungen selbst:

Der ganze Versuch war für mich ein eigentümlich unangenehmes Erlebnis.

Zu einer eigentlichen Furcht kam es freilich nicht, es reichte nur zu einer durch Apathie und Hilflosigkeit halb verdeckten Ängstlichkeit. Alle Beziehungen zur Umwelt schienen mir, besonders rückblickend, abgebaut gewesen zu sein. Ich wollte von nichts wissen und konnte mich auch deshalb weder für Lektüre, noch für meinen Besuch, noch für meine Schlüssel interessieren.

Eigentümlich verändert waren auch die Träume und Einschlafphantasien.

Die Wirkung der Droge auf ihren Mann beschrieb Frau Ernst mit dem Worten

Ich erhielt den Eindruck eines Abbaus des Schicklichkeitsgefühls, der mich ohne Kenntnis der Medikamentenwirkung bedenklich gestimmt hätte, aber gleichzeitig eine komische Note hatte.

Die Mißlaunigkeit, die Stumpfheit gegenüber allen menschlichen Gefühlswerten, die Pedanterie und nicht zuletzt der völlige Verlust des Humors ließen mich an das Bild eines dysphorisch verstimmten Greises denken.

Ein Jahr nach Ernst publizierten die beiden Schweizer Psychiater Hans Heimann und Peter Nikolaus Witt die Ergebnisse eines Selbstversuchs, der ebenfalls bestätigte, wie Neuroleptika apathisch, dysphorisch und stumpfsinnig machen. Eine Versuchsperson berichtete:

Ich fühlte mich regelrecht körperlich und seelisch krank. Auf einmal erschien mir meine ganze Situation hoffnungslos und schwierig. Vor allem war die Tatsache quälend, dass man überhaupt so elend und preisgegeben sein kann, so leer und überflüssig, weder von Wünschen, noch anderem erfüllt.

Von einem Selbstversuch der eher unfreiwilligen Art berichtete die Augsburger Allgemeine im Jahre 2008. Ein Pfleger hatte aus Rache das Neuroleptikum Haldol in Milchtüten im Kühlschrank der Station geträufelt. Im Zeitraum eines Jahres habe er die Dosis gesteigert. Trotz der wohl eher homöopathischen Dosierung zeigten die Kollegen im Laufe der Zeit verschiedene Beschwerden. Sie fühlten sich schlapp und müde. Die Staatsanwaltschaft berichtete, dass es bei einigen der Opfern zu Gesichtslähmungen und Kiefersperren gekommen sei. Insgesamt 14 Betroffene, darunter auch ein Arzt, wurden gegen die Folgen der Neuroleptika-Behandlung behandelt, drei davon stationär. Auch dauerhafte Schäden zog die Staatsanwaltschaft in Betracht. Für gefährliche Körperverletzung würde es zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Gefängnis geben. Laut Strafgesetzbuch §224 begeht gefährliche Körperverletzung, wer jemanden Gift oder andere gesundheitsschädliche Stoffe beibringt oder jemanden einer lebensgefährlichen Behandlung unterzieht.

Mehr Informationen zum Thema:

Peter Lehmann: Der chemische Knebel – Warum Psychiater Neuroleptika verabreichen

Klaus Ernst: Psychopathologische Wirkungen des Phenothiazinderivates „Largactil“ (=„Megaphen“) im Selbstversuch und bei Kranken

Hans Heimann und Peter Nikolaus Witt: Die Wirkung einer einmaligen Largactilgabe bei Gesunden

Augsburger Allgemeine: Medikamente ins Getränk gemischt

Wie Menschen in der Psychiatrie zu Gemüse therapiert werden

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Wie Menschen in der Psychiatrie zu Gemüse therapiert werden

Broccoli

In ihrem Blog berichtet Ursula Prem vom Schicksal von Waldemar V., der nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit seiner Frau im BKH Bayreuth einsaß und sich schließlich das Leben nahm. In einem verzweifelten Brief an seine Mutter beschreibt er die Zustände in dieser Einrichtung:

Hier im Krankenhaus werden die Menschen und ihr Wille gebrochen. Aus den Menschen werden hier Pflanzen gemacht, ihnen werden starke Medikamente jahrelang verabreicht. Glaub mir, glaub mir bitte.

Waldemar V. bekam das Neuroleptikum Zyprexa. Neuroleptika sind persönlichkeitsverändernde Drogen, die schwere und irreversible, neurologische Dauerschäden, Gehirnschwund, Verminderung der kognitiven Fähigkeiten und entstellende Bewegungsstörungen, sogenannte Dyskinesien zur Folge haben. Verschiedene wissenschaftliche Studien haben gezeigt: Je höher die Neuroleptika-Dosis, desto höher der Verlust an Gehirnsubstanz. Am stärksten wird der Frontallappen – der Teil des Gehirns, der als Sitz der Persönlichkeit gilt – von Neuroleptika geschädigt. Als Folgen einer Schädigung des Frontallappens sind neben Aufmerksamkeits-, Konzentrationsstörungen, Verlust an Kreativität, motorischer Unruhe und vielem mehr auch ungenügende Berücksichtigung von Handlungskonsequenzen, verminderte Selbstkontrolle und erhöhte Impulsivität, sowie ungenügende Regelbeachtung und Regelverstöße bekannt – also ganau das, was die Psychiater angeblich therapieren wollen.

Damit wird das gezüchtet, was man im Jargon „Drehtür-Patienten“ nennt: Einen Stammkunden, der gleich wieder kommt, nach dem er entlassen wurde. Schlecht für die Patienten aber ein wahnsinns-Geschäft für die Psychiatrie und die angegliederte Helfer-Industrie.

Die Schweizer Psychiaterin Regina Möckli berichtet in einem Video sehr anschaulich, wie die Psychiatrie mittels Psychopharmaka aus einem Menschen ein sabberndes Häufchen Elend mit dem Intelligenzquotienten eines Broccoli machen kann:

Die gehen da rein, dann kriegen sie diese Medikamente und dann geifern sie und wissen nicht mehr wo oben und unten ist.

In diesem desolaten Zustand sind Psychiatrie-Insassen für die Wärter leichter handhabbar. Neuroleptika, Elektroschocks, Isolationshaft und Fesselungen (euphemistisch Fixierung genannt) werden aber auch gerne als Disziplinierungsmaßnahme eingesetzt: Wer sich dem Willen der Psychiater oder der Wärter nicht fügt, muss mit einer qualvollen „Behandlung“ rechnen, von der er möglicherweise ernsthafte bleibende körperliche und geistige Schäden davonträgt. Die Einschüchterung der Insassen erfolgt dabei meist verbal oder mittels Drohgebärden. Der schockierende Anblick eines Mitinsassen, der gerade eine psychiatrische „Behandlung“ über sich ergehen lassen musste und die Gewissheit, dass einem niemand helfen wird, reicht jedoch oftmals schon als nonverbale Drohung aus, um den Rest der Insassen einzuschüchtern. Auf diese Weise wird Menschen in der Psychiatrie der Wille gebrochen. Sie werden abgerichtet wie Ratten in einer Skinner-Box.

Manchmal bearbeitet die Psychiatrie auch Menschen derart, dass sie überhaupt nicht mehr in der Lage sind, ein eigenständiges Leben zu führen. Das wird dann im ultra-zynistischen Jargon heimfähig machen genannt.

Psychiatrie-Überlebende und auch die Vereinten Nationen bezeichnen psychiatrische Zwangsbehandlung als Folter. Wozu moderne Folter dient, beschreibt Prof. Dr. med. Volker Faust auf seiner Homepage unter der Überschrift „Die Folter und ihre Folgen„:

Den Begriff Folter kennt jeder. Auch hört man immer wieder von den unterschiedlichsten Foltermethoden. Aber was man sich nur schwer konkret vorstellen kann sind die Langzeitfolgen: seelisch, körperlich, psychosozial. Und das ist das eigentliche Problem. Denn das Leben geht – wenn man es trotz Folter retten konnte – weiter, oftmals kaum weniger qualvoll wie während der Foltertortur. Denn das Ziel der „modernen“ Folter ist nicht nur das Erzwingen von Geständnissen, sondern auch die Zerstörung der Persönlichkeit, die Vernichtung der Identität. Denn dadurch verliert man jegliche Fähigkeit zum Widerstand.

Methoden, wie sie in der Psychiatrie angewendet werden, werden als sogenannte Weiße Folter bezeichnet, weil sie meistens kaum äußere Spuren hinterlassen, dafür jedoch massiv auf die Psyche des Opfers wirken.

In einem höchstrichterlichen Urteil (Aktenzeichen 2 BvR 882/09) stellte das Bundesverfassungsgericht im März 2011 fest, dass Psychopharmaka auf die Veränderung seelischer Abläufe gerichtet sind:

Ihre Verabreichung gegen den natürlichen Willen des Betroffenen berührt daher, auch unabhängig davon, ob sie mit körperlichem Zwang durchgesetzt wird, in besonderem Maße den Kern der Persönlichkeit.

Der Blog BrandZeilen berichtet vom Fall des 18-jährigen Stephan D., der erst Opfer eines Überfalls wurde und als ihn seine Angehörigen in die Psychiatrie gebracht hatten, um ihn wegen einer „posttraumatische Belastungsstörung“ behandeln zu lassen, nochmals zum Opfer wurde. Wie die Aufnahme im Asklepios Fachklinikum Teupitz verlief berichtet seine Schwester:

Schon das erste Gespräch mit der diensthabenden Ärztin kam uns sehr, sehr merkwürdig vor.

Erst fragte sie meinen Bruder, ob er Stimmen hören würde oder gewalttätig sei. Als sie ihm dann ohne einen für ihn ersichtlichen Grund Blut abnehmen lassen wollte, hatte er keinerlei Vertrauen mehr. Er machte der Ärztin unmissverständlich klar, dass er sich von ihr nicht behandeln lassen und die Klinik sofort verlassen möchte.

Was sich im Anschluß abspielte, bezeichnet die Schwester als „blanken Horror“:

Die Ärztin versperrte Stephan einfach den Weg und rief über ihr schnurloses Telefon ihre Pfleger. Im nächsten Augenblick standen etwa fünf Männer im Raum. Sie packten sich meinen Bruder und brachten ihn mit Gewalt aus dem Ärztezimmer. Ich musste tatenlos mit ansehen, wie sie ihn in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie schleppten und die schweren Türen hinter ihm ins Schloss fielen. Man hatte ihn auf die berüchtigte Station H1. gebracht.

Stephan D. wurde gewaltsam mit Faustan und Haldol vollgepumpt. Als ein Richter schließlich die Freilassung anordnete, wurden weder der Betroffene, noch dessen Angehörige über mögliche Folgen eines plötzlichen Entzugs aufgeklärt. Nach seiner Entlassung fand Stefan D., der noch immer unter dem Einfluss der starken Psychopharmaka stand, den Tod auf den Gleisen.

Die Mutter von Stefan D. erhebt schwere Vorwürfe gegen die Psychiater des Asklepios Fachklinikums Teupitz:

Skrupellose Psychiatrieärzte haben mein Kind in den Tod geschickt.

Den Tod auf den Gleisen fand auch Angelika Albrecht, nachdem sie sich im Klinikum Weinsberg in psychiatrischen Behandlung begeben hatte. Ihr wurde das Antidepressivum Cipralex und später das Neuroleptikum Seroquel verabreicht. Die persönlichkeitszerstörende Wirkung der Psychopharmaka konnte Margit Woelky an ihrer Schwester beobachten:

Das ist nur das Medikament gewesen. Also das war nicht mehr unsere Schwester. Viele, die sie besucht haben in der Klinik, Bekannte, Verwandte, die haben alle gesagt: „Oh Gott! So haben wir die Geli noch nie gesehen.“ Und dieses Medikament hat sie völlig verändert.

Auch Margit Woelky erhebt schwere Vorwürfe gegen die Psychiater, die ihre Schwester behandelt haben:

Meine Schwester ist freiwillig in die Klinik, wollte Hilfe und hat in Weinsberg nur den Tod gefunden. Also diese Medikamente haben sie praktisch in den Tod getrieben.

Nicht selten kommt es vor, dass Menschen einen Angehörigen oder Freund in guter Absicht in die Psychiatrie bringen. Dabei verkennen sie jedoch, was die Psychiatrie in Wirklichkeit ist: Eine Institution der sozialen Kontrolle, die sich als medizinische Disziplin tarnt. Diplom-Psychologe Hans Ulrich Gresch fasst dies in eine Faustformel:

Wer gegen Gesetze verstößt, kommt in den Knast. Wer stört, ohne gegen Gesetze zu verstoßen, verschwindet in der Psychiatrie. Wer stört und gegen Gesetze verstößt, wird in den Maßregelvollzug verfrachtet.

Manch einer ist dann entsetzt, wenn er sieht, was Psychiater mit ihren Familienmitgliedern oder Freunden anstellen. Aber all die hier beschriebenen Methoden der Psychiater sind, wie es im Jargon heißt lege artis, also nach Regeln der Kunst.

Alleine in Deutschland sterben jährlich Tausende in direkter Folge der zweifelhaften, psychiatrischen Behandlungsmethoden oder begehen Suizid, weil sie die schrecklichen Folgen nicht mehr ertragen können. Der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE) hat deshalb den 2. Oktober zum Gedenktag der Psychiatrie-Toten erklärt.

Mehr Informationen zum Thema:

BKH Bayreuth: »Aus den Menschen werden hier Pflanzen gemacht« – in memoriam Waldemar V.

BrandZeilen: „Skrupellose Psychiatrieärzte haben mein Kind in den Tod geschickt“

Neuroleptika lassen das Gehirn in kürzester Zeit schrumpfen

UN-Hochkommissar für Menschenrechte Juan E Méndez: Psychiatrische Zwangsbehandlung ist Folter

Die forensische Psychiatrie ist irrsinnig geworden!

Margit Woelky über den Tod ihrer Schwester

Taz: Stiller Tod in der Psychiatrie

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