Demonstration gegen Zwangspsychiatrie in Wiesbaden

Am 12. März 2015 fand in Wiesbaden eine Demonstration gegen Zwangspsychiatrie statt. Anlaß war eine Anhörung im Hessischen Landtag zu einem Gesetzentwurf der Schwarz-Grünen Regierung zur psychiatrischen Zwangsbehandlung.

Der Linken-Politiker Dennis Stephan, der selbst schon einmal 4 Monate in der forensischen Psychiatrie in Gießen und Haina verbrachte berichtet gegenüber der Frankfurter Rundschau: „Man wird gequält, die Menschenrechte werden mit Füßen getreten.“

Der Organisator der Demonstration Jörg Bergstedt findet, dass der Gesetzentwurf nicht nur unmenschlich, sondern illegal sei.

Das sieht auch der UN-Sonderberichterstatter über Folter, Juan E. Méndez so. Im Jahr 2013 Jahr forderte Méndez in einer Stellungnahme vor dem UN-Menschenrechtsrat alle Staaten dazu auf, ein absolutes Verbot aller medizinischen nicht einvernehmlichen bzw. Zwangsbehandlungen zu verhängen, einschließlich nicht-einvernehmlicher Psychochirurgie, Elektroschocks und Verabreichung bewusstseinsverändernder Drogen, sowohl in lang- wie kurzfristiger Anwendung.

Die BRD hat sich im Jahre 1990 durch Ratifizierung des Übereinkommens der Vereinten Nationen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe völkerrechtlich verbindlich dazu verpflichtet, Menschenrechtsverletzungen wirksam zu unterbinden. In Artikel 1 dieser Konvention ist der Begriff Folter definiert als

jede Handlung, durch die einer Person vorsätzlich große körperliche oder seelische Schmerzen oder Leiden zugefügt werden, zum Beispiel um von ihr oder einem Dritten eine Aussage oder ein Geständnis zu erlangen, um sie für eine tatsächlich oder mutmaßlich von ihr oder einem Dritten begangene Tat zu bestrafen oder um sie oder einen Dritten einzuschüchtern oder zu nötigen, oder aus einem anderen, auf irgendeiner Art von Diskriminierung beruhenden Grund, wenn diese Schmerzen oder Leiden von einem Angehörigen des öffentlichen Dienstes oder einer anderen in amtlicher Eigenschaft handelnden Person, auf deren Veranlassung oder mit deren ausdrücklichem oder stillschweigendem Einverständnis verursacht werden.

Gustl Mollath, Deutschlands prominentester Ex-Psychiatrieinsasse warnt:

Bisher konnte ein Bürger, vielleicht Lieschen Müller, in Deutschland glauben, sowas passiert mir nicht. Das sind ja relativ seltene Einzelfälle, die hier erscheinen und auftreten. So ist es leider Gottes nicht. Jeder Einzelfall ist schlimm genug und dürfte nicht passieren dieser Unglaublichkeiten. Und mittlerweile ist die ganze, angeblich zivilisierte Welt von Psychiatrisierung bedroht.

Dennis Stephan empfiehlt deshalb jedem, sich mit einer Patientenverfügung gegen psychiatrische Willkür rechtlich abzusichern.

Mehr Informationen zum Thema:

zwangspsychiatrie.de: Demonstration in Wiesbaden

Frankfurter Rundschau: Gesetz zum Maßregelvollzug „Ein Gefühl völliger Entmachtung“

Junge Welt: Der Entwurf ist nicht nur unmenschlich, sondern illegal

Psychiatrie-Mißbrauch oder Modus Operandi?

Gustl Mollath: Wir sind alle von Psychiatrisierung bedroht

Demonstration gegen Zwangspsychiatrie in Gießen

Am 7.6.2014 fand auf dem Gelände der Vitos Klinik in Gießen eine Demonstration gegen psychiatrische Zwangsbehandlung statt. Redner waren Jörg Bergstedt, Dennis Stephan und Martin Heidingsfelder.

Mehr Informationen zum Thema:

Indymedia: Demo gegen Zwangspsychiatrie in Gießen

Zwangspsychiatrie.de: Prozeß gegen Dennis Stephan wird zur Farce

Psychiatrie: Strafanzeige wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit

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