Ärztliche Holzwege

E-Book Ärztliche Holzwege
Der Diplom-Psychologe Hans-Ulrich Gresch setzt sich schon sein Jahren kritisch mit dem Thema Psychiatrie auseinander. Jetzt hat er ein E-Book mit dem Titel „Holzwege der Psychiatrie“ veröffentlicht.

In dem Buch geht Gresch vor allem der Frage nach der Validität psychiatrischer Diagnostik nach. Welche psychiatrischen Krankheitsbilder gibt es und welche Untersuchungsmethoden wenden Psychiater an? Können Psychiater sogenannte psychisch Kranke von Gesunden sicher unterscheiden? Gibt es in Zeiten von Gehirnscans und DNA-Analyse nicht objektive Untersuchungsmethoden, mit denen man feststellen kann, ob jemand eine psychiatrische Krankheit hat oder nicht? Kann die forensische Psychiatrie die Gefährlichkeit von Straftätern sicher prognostizieren und so die Gesellschaft vor ihnen schützen? Wie kann es sein, dass Homosexualität einst als Geisteskrankheit galt und jetzt nicht mehr?

1968 schickte David Rosenhan im Rahmen eines Experiments gesunde Probanden in zwölf verschiedene psychiatrische Anstalten, um zu sehen, ob die Psychiater in der Lage wären, diese von den „echten“ Kranken zu unterscheiden. Keine der Testpersonen wurde von den Psychiatern als gesund erkannt. Später kündigte Rosenhan an, weitere Pseudopatienten in die Psychiatrien zu schicken. Dies tat er jedoch nicht. Trotzdem waren die dort beschäftigten Psychiater der festen Überzeugung, sie hätten einige von Rosenhans Pseudopatienten entlarvt.

Sogenannte psychische Krankheiten hätten biologische Ursachen, wie z.B. Stoffwechselstörungen im Gehirn – so jedenfalls das Mantra, das man allerorts hört. Doch steht diese Behauptung auf einem soliden, wissenschaftlichen Fundament? Was sagen führende Wissenschaftler, wie Thomas Insel vom NIMH zu diesem Thema?

Die in der Psychiatrie üblichen Behandlungsmethoden sind Anwendung von Zwang, physischer Gewalt, Drohungen und ähnlichen, Erzeugung von extremem, traumatisierendem Stress, Beeinflussung des Nervensystems durch chemische Substanzen, Elektroschocks, sensorische Deprivation, soziale Isolierung und Fesselung. Durch Suggestion soll das Denken und Fühlen beeinflusst werden, um eine Veränderung des Verhaltens und Erlebens zu bewirken. Ist dies nicht Gehirnwäsche in ihrer schwersten Form?

Ferner beleuchtet Gresch das Thema Stigmatisierung: In wie fern führen Psycho-Diagnosen, die er als „strategische Etiketten“ bezeichnet, die sogenannten Betroffenen in Sackgassen?

Wenn das wissenschaftliche Fundament der Psychiatrie fragwürdig ist, ihre Behandlungsmethoden den Betroffenen, sowie der Gesellschaft insgesamt mehr Schaden als Nutzen bringt, warum ändert sich dann nichts? Welche sozialen, politischen und ökonomischen Verflechtungen verhindern einen Wandel?

In vorliegendem E-Book fasst Gresch sehr fundiert und mit vielen Quellenangaben den derzeitigen Stand der Psychiatrie zusammen. Trotz der Tiefe des vermittelten Wissens bleibt der Text halbwegs laienkompatibel. Ein guter Einstiegspunkt für Menschen, die sich zum ersten mal mit dem Thema Psychiatriekritik beschäftigen.

Mehr Informationen zum Thema:

Psychiatrie: Die endgültige Bankrotterklärung einer Pseudowissenschaft?

Evidenzbasierte Psychiatrie – ein Oxymoron

NIMH dreht der Psychiatrie den Geldhahn zu

Gehirnscans – was uns die bunten Bildchen sagen

APA gesteht ein: Psychiatrie ist ein Glaubenssystem

Psycho-Gutachter im Kreuzfeuer der Kritik

psychiatrisches GutachtenBundesweit bekannt gewordene Fälle fragwürdiger, psychiatrischer Begutachtung haben in der Öffentlichkeit erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit psychologischer und psychiatrischer Gutachten aufkommen lassen. Da wurde z.B. hessischen Steuerfahndern ein „querulatorischer Wahn“ attestiert, weil sie in den Augen ihrer Vorgesetzten zu übereifrig ermittelten. Der Münchener Kunsthändler Eberhart Herrmann mußte vor der Psychiatrie ins Ausland fliehen, weil ihm der Psychiater Dr Hans-Jürgen Möller per fremdanamnetischer Ferndiagnose eine Geisteskrankheit attestiert hatte und ihm deshalb eine Zwangseinweisung drohte. Gustl Mollath saß über 7 Jahre in der Forensik ein, weil er angeblich seine Frau geschlagen und Autoreifen zerstochen haben soll, ihn die psychiatrischen Gutachter aber für schuldunfähig erklärten.

Solche Fälle werden von Vertretern der Psycho-Branche gerne als „bedauernswerte Einzelfälle“ abgetan. Doch wer sich die Mühe macht, etwas genauer hinzuschauen, wird schnell feststellen, daß hier etwas grundlegendes im Argen liegt.

Das Ärzteblatt berichtet in seiner aktuellen Ausgabe von einer Studie der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität, die ergeben hat, daß psychologische und psychiatrische Gutachter häufig eine Tendenz vom Gericht signalisiert bekommen. Dies sei bei 45% der psychologischen und 28% der psychiatrischen Gutachtern der Fall.

Angesichts dessen, daß bei 48,8% der befragten Psychologen und 29,2% der befragten Psychiater mehr als die Hälfte der Einnahmen aus Gutachtertätigkeiten stammen, sieht die Studie die Neutralität gefährdet.

Damit bestätigt die Studie das, was die Psychiaterin Dr. Hanna Ziegert im August 2013 bei Beckmann ausgesprochen hat. Damals sagte Ziegert, jeder Gutachter hätte einen Ruf und nach diesem Ruf würde er von der Staatsanwaltschaft und den Richtern gewählt. Je nach dem, welches Ergebnis erreicht werden solle, würde der Gutachter danach ausgewählt. Auch wären viele psychiatrische Gutachter finanziell davon abhängig von den Gerichten und Staatsanwaltschaften Aufträge zu bekommen, da dies ihr einziges Einkommen sei. Deshalb würden solche Gutachter darauf achten, nicht in Ungnade zu fallen.

Für sogenannte psychische Krankheiten gibt es keinerlei objektive Tests. Es gibt kein Bluttest, Hirnscan oder der gleichen, anhand dem man festmachen könnte, ob ein Proband psychisch krank ist oder nicht und welche psychische Krankheit er gegebenenfalls hat. Das Ergebnis einer psychologischen oder psychiatrischen Begutachtung hängt rein von der subjektiven Meinung des explorierenden Psychologen oder Psychiaters ab. Häufig führen Psychologen und Psychiater nicht ein mal ein Anamnesegespräch mit dem vermeindlichen Patienten, sondern übernehmen Dinge, die Dritte über diesen behaupten ungeprüft in ihre Gutachten. Diese Vorgehensweise wird im Jargon Fremdanamnese genannt.

toter Lachs im fMRTZu was dann bildgebende Verfahren in der forensischen Psychiatrie gut sind, erklärte der Psychiater Hans-Ludwig Kröber von der Berliner Charité am Rande eines Workshops mit Titel „Gefährliche Gehirne„: „Erstens, zum Einwerben von Drittmitteln, zweitens, zur Erhöhung des Impact Factors“.
Mit anderen Worten: Die forensische Psychiatrie bedient sich bildgebender Verfahren, um die Scharlatanerie, die sie feilbietet, wie echte Wissenschaft aussehen zu lassen.
Der Neuropsychologe Craig Bennett von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara erhielt den Ig-Nobelpreis für ein Experiment, bei dem er einen toten Lachs in ein fMRT schob. Als er dem toten Tier Aufgaben stellte, zeigte das Gerät Hirnaktivität an.

Kritik an der gängigen Praxis der Psycho-Diagnostik kommt auch aus den eigenen Reihen. Thomas Insel, Direktor des National Institute of Mental Health (NIMH) bezeichnete in einem Blogbeitrag mit dem Titel Transforming Diagnosis die im DSM aufgeführten, psychiatrischen Krankheitsbilder als nicht valide. Im Gegensatz zu den Definitionen von ischämischer Herzkrankheit, Lymphom oder AIDS würden die Krankheitsbilder des DSM auf einem Konsens zu Clustern der klinischen Symptome basieren und nicht auf etwas, was man objektiv im Labor messen könne. Sein Institut hat die Unterstützung für die 5. Auflage des DSM wegen dessen Unwissenschaftlichkeit fallen gelassen.

Das DSM (auch bekannt als die Bibel der Psychiatrie) ist ein von der American Psychiatric Association (APA) herausgegebenes, psychiatrisches Diagnosehandbuch. Die darin enthaltenen Krankheitsbilder werden jedoch nicht, wie bei körperlichen Krankheiten entdeckt. Bei jeder Revision des Buchs treffen sich Vertreter der APA und stimmen darüber ab, welches Verhalten nun als psychisch Krank pathologisiert werden soll und welches nicht. Das DSM dient auch als Referenz für das Kapitel F des in Europa gebräuchlichen, von der WHO herausgegebenen Diagnosehandbuchs ICD. Dort finden wir dann z.B. unter dem Diagnoseschlüssel ICD-10 F99 die Psychische Störung ohne nähere Angabe. Mit solchen schwammigen Krankheitsbildern können Psychologen und Psychiater wirklich jeden nach belieben pathologisieren.

Das wäre alles noch nicht so schlimm, wenn nicht psychologische oder psychiatrische Gutachten, wie z.B. im Fall Mollath über das Schicksal eines Menschen entscheiden würden. Mollath saß über 7 Jahre in der Forensik ein, weil ihn Psychiater für geisteskrank und gemeingefährlich erklärt hatten. Dabei hatte er noch Glück, denn er wurde nicht wie viele seiner Leidensgenossen mit persönlichkeitsverändernden Psychopharmaka, Elektroschocks oder Psychochirurgie zwangsbehandelt. Für solche Praktiken hat Diplom-Psychologe Dr Rudolf Sponsel nur noch Hohn übrig:

Wenn forensische PsychiaterInnen in verhältnisblödsinniger Manier sich anmaßen, ohne persönliche Untersuchung, ohne Exploration und ohne entsprechende Datengrundlage „Gutachten“ über Menschen zu verfassen, die dann für Jahre oder Jahrzehnte auf dieser okkulten Basis des Nichts im Maßregelvollzug verschwinden, so müssen sie offensichtlich über geheime und verborgene Erkenntnisquellen verfügen. […] Es wäre sehr wünschenswert, wenn die DGPPN einmal erklären würde, wie man mit ihrem Zertifikat solche okkulten Fähigkeiten erwerben kann: Gutachten auf der Basis des informativen Nichts.

Der Diplom-Psychologe Dr Hans-Ulrich Gresch meint deshalb

Psychiater haben vor Gericht nichts zu suchen. Es sei denn als Angeklagte

Mehr Informationen zum Thema:

Deutsches Ärzteblatt: Medizinische Gutachten- Nicht selten geben Gerichte Tendenz vor

Süddeutsche Zeitung: Die Befangenen – Gutachter bei Gericht urteilen häufig im Sinne der Richter

Telepolis: Kritische Gutachterin kaltgestellt – falsche innere Grundhaltung zur bayerischen Justiz

Süddeutsche Zeitung: Bizarres Gutachten „Ich sehe, dass Sie geisteskrank sind“

Pflasterritzenflora: Gute und schlechte Gutachten

SciLogs: Gefährliche Gehirne – ein Phänomen des Zeitgeists

Süddeutsche Zeitung: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gerichtsgutachter

Psychiatrie: Die endgültige Bankrotterklärung einer Pseudowissenschaft?

Ex-Polizist Dirk Lauer über seine fragwürdige psychiatrische Begutachtung

Gutachten des Wahnsinns

‚Koo Koo‘ – Sendung gegen Zwangspsychiatrie (Ausgabe vom 23. Januar 2014)

Radio Deyeckland 102.3 mhz

Diesmal im Interview Dr. Hans Ulrich Gresch, Psychologe und Autor des psychiatriekritischen Blogs Pflasterritzenflora, aufgelockert durch drei Lieder des Musikkollektivs Früchte des Zorns.

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Mehr Informationen zum Thema:

Radio Dreyeckland: Koo Koo – Sendung gegen Zwangspsychiatrie

Pflasterritzenflora – Kritik der Psychologie, Psychiatrie und Psychokratie

„Koo Koo“ – Magazin gegen Zwangspsychiatrie (Sendung vom 28.11.2013)

Radio Deyeckland 102.3 mhz
In der Sendung vom 28.11.2013 wird das Buch „Made in Auschwitz. Psychiatrie: Der unsichtbare Krieg“ von Andrzej Skulskis, Joanna Skulskis und Caroline Skulskis vorgestellt. Die zweite Buchvorstellung ist „Irrsinn Psychiatrie“ des Schweizer Arzt und Therapeuten Mark Rufer. Darin hinterfragt der Autor den psychiatrischen Krankheitsbegriff. Psychisches Leiden und abweichendes Verhalten seien keine Krankheiten. Durch psychiatrische Zwangsbehandlung würden den Opfern verheerende körperliche und psychische Schäden zugefügt.

Im Interview diesmal Raimund Barkam aus Münster, der bei Change.org eine Petition für einen Mindestlohn in Behindertenwerkstätten eingereicht hat.

Ein weiteres Thema der Sendung ist die Psychiatrisierung der Linken-Politiker Julia Bonk und Dennis Stephan. Darüber hat sich Diplom-Psychologe Dr. Hans-Ulrich Gresch in seinem Blog Pflasterritzenflora Gedanken gemacht.

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Mehr Informationen zum Thema:

Radio Dreyeckland: Koo Koo – Magazin gegen Zwangspsychiatrie (Sendung vom 28.11.2013)

Made in Auschwitz. Psychiatrie: Der unsichtbare Krieg

Antipsychiatrieverlag: Irrsinn Psychiatrie. Psychisches Leiden ist keine Krankheit. Die Medizinalisierung abweichenden Verhaltens – ein Irrweg

change.org: Ausweitung der Machtbefugnisse der Gewerkschaften und Mindestlohn in den WfBM!

Pflasterritzenflora: Dennis Stephan, Julia Bonk, Gustl Mollath und der Rest

Baden-Württemberger Landtag beschließt Foltergesetz

Der Landtag von Baden-Württemberg hat am 20.6.2013 ein Gesetz zur Legalisierung psychiatrischer Zwangsbehandlung beschlossen. Rechtsexperten hatten die Parlamentarier im Vorfeld eindringlich gewarnt: Der vorliegende Gesetzentwurf ist nicht nur verfassungswidrig, sondern verstößt auch gegen völkerrechtliche Vereinbarungen.

Bei psychiatrischen Zwangsbehandlungen werden persönlichkeitsverändernde, psychiatrische Drogen, vor allem sogenannte Neuroleptika, gewaltsam verabreicht. Dies geschieht nicht nur dann, wenn jemand ausrastet und randaliert, sondern auch, wenn er sich weigert, diese Drogen freiwillig einzunehmen. Für die Verweigerung psychiatrischer Drogen gibt es viele gute Gründe. Neuroleptika verursachen, vor allem bei Dauerkonsum, unheilbare psychische und körperliche Dauerschäden. Gefürchtet sind vor allem sogenannte Spätdyskinesien – unheilbare, entstellende Bewegungsstörungen. Laut verschiedenen wissenschaftlichen Studien verkürzt sich die Lebenserwartung von Neuroleptikakonsumenten um bis zu 32 Jahre. Einer Hochrechnung des Bundesverbands Psychiatrieerfahrener (BPE) zur Folge sterben jährlich alleine in Deutschland bis zu 10000 Menschen an den Folgen psychiatrischer Behandlung. Laut psychiatrischer Lehrmeinung sind sogenannte „psychische Krankheiten“ auf neurodegenerative Prozesse zurückzuführen. Gleichzeitig verordnen Psychiater aber zur „Behandlung“ sogenannter „psychischer Krankheiten“ Substanzen, die erwiesener Maßen eben genau diese neurodegenerativen Prozesse hervorrufen.

Rückblick: Am 23.3.2011 hatte das Bundesverfassungsgericht psychiatrische Zwangsbehandlung in einem bahnbrechenden Urteil für verfassungswidrig erklärt. Sie sei nicht mit dem im Artikel 2 Absatz 2 garantierten Recht auf körperliche Unversehrtheit vereinbar. In Folge dessen wurde auch §8 des Baden-Württemberger Unterbringungsgesetzes für verfassungswidrig und nichtig erklärt. Somit gab es in Baden-Württemberg seit dem 23.3.2011 keine Rechtsgrundlage für psychiatrische Zwangsbehandlung mehr. Die von Befürwortern psychiatrischer Zwangsbehandlung heraufbeschworenen Zustände blieben aus. Dr. Martin Zinkler, Chefarzt der Heidenheimer Psychiatrie berichtete sogar davon, daß er ohne Zwangsbehandlung positive Erfahrungen gemacht hätte. In einem offenen Brief wandte er sich deshalb an Politiker. Diplom-Psychologe Dr. Hans-Ulrich Gresch schrieb ebenfalls einen offenen Brief an die Abgeordneten des Baden-Württemberger Landtags. Sein Haupargument: Psychiatrische Diagnosen seien nicht valide. Obwohl laut psychiatrischer Lehrmeinung medizinisch-biologische Defekte, wie z.B. Stoffewechselstörungen im Gehirn oder anatomische Hirnanomalien für sogenannte „psychische Krankheiten“ verantwortlich sein sollen, bleiben entsprechende Untersuchungen bei psychiatrisch diagnostizierten Menschen stets ohne Befund. Professor Dr. Johannes Schröder von der Universitätsklinik Heidelberg erklärt dies mit „Dissimulation“. Die „klinische Erfahrung“ würde zeigen, daß psychisch Kranke ihre Krankheit wegsimulieren.

Dissimulation

In der Tat hatte sich in der Zwischenzeit in der wissenschaftlichen Fachwelt herumgesprochen, daß psychiatrische Diagnostik und Behandlung pseudowissenschaftlicher Humbug ist. Das NIMH, die amerikanische Behörde, die für den Bereich seelische Gesundheit zuständig ist, hatte die 5. Neuauflage des DSM – der Bibel der Psychiatrie abgelehnt. Der amerikanische Psychiater Allan Frances, der an der 4. Revision des DSM mitgearbeitet hatte, zog durch die Medienlandschaft und warnte vor einem Pathologisierungswahn und den daraus resultierenden verheerenden, gesellschaftlichen Folgen. So wird nach DSM-5 bereits ein Mensch, der länger als 2 Wochen nach dem Verlust einer geliebten Person trauert, für psychisch krank erklärt. Dies kann dann auch eine psychiatrische Zwangsbehandlung mit all ihren Folgen nach sich ziehen.

Psychiatrieerfahrenenverbände wie der BPE kämpfen seit Jahren für ein Verbot psychiatrischer Zwangsbehandlung, die sie als Folter bezeichnen. In zahlreichen Demonstrationen machten sie auf ihr Anliegen aufmerksam. Laut Artikel 1 der UN-Antifolterkonvention ist Folter definiert als

jede Handlung, durch die einer Person vorsätzlich große körperliche oder seelische Schmerzen oder Leiden zugefügt werden, zum Beispiel um von ihr oder einem Dritten eine Aussage oder ein Geständnis zu erlangen, um sie für eine tatsächlich oder mutmaßlich von ihr oder einem Dritten begangene Tat zu bestrafen oder um sie oder einen Dritten einzuschüchtern oder zu nötigen, oder aus einem anderen, auf irgendeiner Art von Diskriminierung beruhenden Grund, wenn diese Schmerzen oder Leiden von einem Angehörigen des öffentlichen Dienstes oder einer anderen in amtlicher Eigenschaft handelnden Person, auf deren Veranlassung oder mit deren ausdrücklichem oder stillschweigendem Einverständnis verursacht werden.

Die BRD hat diesen völkerrechtlich bindenden Vertrag am 1. Oktober 1990 ratifiziert. Laut Grundgesetz Artikel 25 sind die allgemeinen Regeln des Völkerrechtes Bestandteil des Bundesrechtes. Sie gehen den Gesetzen vor. In der 22. Sitzung des „Human Rights Council“ am 4. März 2013 bestätigte der Sonderberichterstatter über Folter des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Juan E. Méndez, daß Zwangsbehandlung in der Psychiatrie Folter, bzw. grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung ist.

Der grün-roten Landesregierung von Baden-Württemberg ist dies offensichtlich egal. Sie bestehet weiterhin auf psychiatrischer Zwangsbehandlung und nimmt damit billigend in Kauf, daß Menschenleben ruiniert werden. Offensichtlich bewahrheitet sich, was Psychiatriekritiker, wie beispielsweise der kürzlich verstorbene, amerikanische Psychiater Dr. Thomas Szasz schon lange behaupten: Psychiatrie ist eine Institution zur sozialen Kontrolle, die sich als medizinische Disziplin tarnt. Mit Hilfe der Psychiatrie soll unerwünschtes Verhalten sanktioniert werden, wo die Strafjustiz nicht greift.

Mehr Informationen zum Thema:

Zwangspsychiatrie.de: Der Landtag von Baden-Württemberg hat nun bewiesen, dass er eine Menschenrechts-Verbrecherbande ist!

Pflasterritzenflora: Zwangsbehandlung – Alles Banane?

Dr. Volkmar Aderhold über Neuroleptika

NIMH läßt Unterstützung für DSM-5 fallen

Gehirnscans – was uns die bunten Bildchen sagen

Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.: Psychiatrische Zwangsbehandlung abschaffen!

Zwischen Selbstbestimmung und Schutz: Anhörung der Grünen im Landtag Baden-Württemberg

Demonstration gegen Zwangspsychiatrie in Emmendingen

Bündnis gegen Folter in der Psychiatrie

Die Maske der Psychiatrie fällt

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