Wie Menschen in der Psychiatrie zu Gemüse therapiert werden

Broccoli

In ihrem Blog berichtet Ursula Prem vom Schicksal von Waldemar V., der nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit seiner Frau im BKH Bayreuth einsaß und sich schließlich das Leben nahm. In einem verzweifelten Brief an seine Mutter beschreibt er die Zustände in dieser Einrichtung:

Hier im Krankenhaus werden die Menschen und ihr Wille gebrochen. Aus den Menschen werden hier Pflanzen gemacht, ihnen werden starke Medikamente jahrelang verabreicht. Glaub mir, glaub mir bitte.

Waldemar V. bekam das Neuroleptikum Zyprexa. Neuroleptika sind persönlichkeitsverändernde Drogen, die schwere und irreversible, neurologische Dauerschäden, Gehirnschwund, Verminderung der kognitiven Fähigkeiten und entstellende Bewegungsstörungen, sogenannte Dyskinesien zur Folge haben. Verschiedene wissenschaftliche Studien haben gezeigt: Je höher die Neuroleptika-Dosis, desto höher der Verlust an Gehirnsubstanz. Am stärksten wird der Frontallappen – der Teil des Gehirns, der als Sitz der Persönlichkeit gilt – von Neuroleptika geschädigt. Als Folgen einer Schädigung des Frontallappens sind neben Aufmerksamkeits-, Konzentrationsstörungen, Verlust an Kreativität, motorischer Unruhe und vielem mehr auch ungenügende Berücksichtigung von Handlungskonsequenzen, verminderte Selbstkontrolle und erhöhte Impulsivität, sowie ungenügende Regelbeachtung und Regelverstöße bekannt – also ganau das, was die Psychiater angeblich therapieren wollen.

Damit wird das gezüchtet, was man im Jargon „Drehtür-Patienten“ nennt: Einen Stammkunden, der gleich wieder kommt, nach dem er entlassen wurde. Schlecht für die Patienten aber ein wahnsinns-Geschäft für die Psychiatrie und die angegliederte Helfer-Industrie.

Die Schweizer Psychiaterin Regina Möckli berichtet in einem Video sehr anschaulich, wie die Psychiatrie mittels Psychopharmaka aus einem Menschen ein sabberndes Häufchen Elend mit dem Intelligenzquotienten eines Broccoli machen kann:

Die gehen da rein, dann kriegen sie diese Medikamente und dann geifern sie und wissen nicht mehr wo oben und unten ist.

In diesem desolaten Zustand sind Psychiatrie-Insassen für die Wärter leichter handhabbar. Neuroleptika, Elektroschocks, Isolationshaft und Fesselungen (euphemistisch Fixierung genannt) werden aber auch gerne als Disziplinierungsmaßnahme eingesetzt: Wer sich dem Willen der Psychiater oder der Wärter nicht fügt, muss mit einer qualvollen „Behandlung“ rechnen, von der er möglicherweise ernsthafte bleibende körperliche und geistige Schäden davonträgt. Die Einschüchterung der Insassen erfolgt dabei meist verbal oder mittels Drohgebärden. Der schockierende Anblick eines Mitinsassen, der gerade eine psychiatrische „Behandlung“ über sich ergehen lassen musste und die Gewissheit, dass einem niemand helfen wird, reicht jedoch oftmals schon als nonverbale Drohung aus, um den Rest der Insassen einzuschüchtern. Auf diese Weise wird Menschen in der Psychiatrie der Wille gebrochen. Sie werden abgerichtet wie Ratten in einer Skinner-Box.

Manchmal bearbeitet die Psychiatrie auch Menschen derart, dass sie überhaupt nicht mehr in der Lage sind, ein eigenständiges Leben zu führen. Das wird dann im ultra-zynistischen Jargon heimfähig machen genannt.

Psychiatrie-Überlebende und auch die Vereinten Nationen bezeichnen psychiatrische Zwangsbehandlung als Folter. Wozu moderne Folter dient, beschreibt Prof. Dr. med. Volker Faust auf seiner Homepage unter der Überschrift „Die Folter und ihre Folgen„:

Den Begriff Folter kennt jeder. Auch hört man immer wieder von den unterschiedlichsten Foltermethoden. Aber was man sich nur schwer konkret vorstellen kann sind die Langzeitfolgen: seelisch, körperlich, psychosozial. Und das ist das eigentliche Problem. Denn das Leben geht – wenn man es trotz Folter retten konnte – weiter, oftmals kaum weniger qualvoll wie während der Foltertortur. Denn das Ziel der „modernen“ Folter ist nicht nur das Erzwingen von Geständnissen, sondern auch die Zerstörung der Persönlichkeit, die Vernichtung der Identität. Denn dadurch verliert man jegliche Fähigkeit zum Widerstand.

Methoden, wie sie in der Psychiatrie angewendet werden, werden als sogenannte Weiße Folter bezeichnet, weil sie meistens kaum äußere Spuren hinterlassen, dafür jedoch massiv auf die Psyche des Opfers wirken.

In einem höchstrichterlichen Urteil (Aktenzeichen 2 BvR 882/09) stellte das Bundesverfassungsgericht im März 2011 fest, dass Psychopharmaka auf die Veränderung seelischer Abläufe gerichtet sind:

Ihre Verabreichung gegen den natürlichen Willen des Betroffenen berührt daher, auch unabhängig davon, ob sie mit körperlichem Zwang durchgesetzt wird, in besonderem Maße den Kern der Persönlichkeit.

Der Blog BrandZeilen berichtet vom Fall des 18-jährigen Stephan D., der erst Opfer eines Überfalls wurde und als ihn seine Angehörigen in die Psychiatrie gebracht hatten, um ihn wegen einer „posttraumatische Belastungsstörung“ behandeln zu lassen, nochmals zum Opfer wurde. Wie die Aufnahme im Asklepios Fachklinikum Teupitz verlief berichtet seine Schwester:

Schon das erste Gespräch mit der diensthabenden Ärztin kam uns sehr, sehr merkwürdig vor.

Erst fragte sie meinen Bruder, ob er Stimmen hören würde oder gewalttätig sei. Als sie ihm dann ohne einen für ihn ersichtlichen Grund Blut abnehmen lassen wollte, hatte er keinerlei Vertrauen mehr. Er machte der Ärztin unmissverständlich klar, dass er sich von ihr nicht behandeln lassen und die Klinik sofort verlassen möchte.

Was sich im Anschluß abspielte, bezeichnet die Schwester als „blanken Horror“:

Die Ärztin versperrte Stephan einfach den Weg und rief über ihr schnurloses Telefon ihre Pfleger. Im nächsten Augenblick standen etwa fünf Männer im Raum. Sie packten sich meinen Bruder und brachten ihn mit Gewalt aus dem Ärztezimmer. Ich musste tatenlos mit ansehen, wie sie ihn in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie schleppten und die schweren Türen hinter ihm ins Schloss fielen. Man hatte ihn auf die berüchtigte Station H1. gebracht.

Stephan D. wurde gewaltsam mit Faustan und Haldol vollgepumpt. Als ein Richter schließlich die Freilassung anordnete, wurden weder der Betroffene, noch dessen Angehörige über mögliche Folgen eines plötzlichen Entzugs aufgeklärt. Nach seiner Entlassung fand Stefan D., der noch immer unter dem Einfluss der starken Psychopharmaka stand, den Tod auf den Gleisen.

Die Mutter von Stefan D. erhebt schwere Vorwürfe gegen die Psychiater des Asklepios Fachklinikums Teupitz:

Skrupellose Psychiatrieärzte haben mein Kind in den Tod geschickt.

Den Tod auf den Gleisen fand auch Angelika Albrecht, nachdem sie sich im Klinikum Weinsberg in psychiatrischen Behandlung begeben hatte. Ihr wurde das Antidepressivum Cipralex und später das Neuroleptikum Seroquel verabreicht. Die persönlichkeitszerstörende Wirkung der Psychopharmaka konnte Margit Woelky an ihrer Schwester beobachten:

Das ist nur das Medikament gewesen. Also das war nicht mehr unsere Schwester. Viele, die sie besucht haben in der Klinik, Bekannte, Verwandte, die haben alle gesagt: „Oh Gott! So haben wir die Geli noch nie gesehen.“ Und dieses Medikament hat sie völlig verändert.

Auch Margit Woelky erhebt schwere Vorwürfe gegen die Psychiater, die ihre Schwester behandelt haben:

Meine Schwester ist freiwillig in die Klinik, wollte Hilfe und hat in Weinsberg nur den Tod gefunden. Also diese Medikamente haben sie praktisch in den Tod getrieben.

Nicht selten kommt es vor, dass Menschen einen Angehörigen oder Freund in guter Absicht in die Psychiatrie bringen. Dabei verkennen sie jedoch, was die Psychiatrie in Wirklichkeit ist: Eine Institution der sozialen Kontrolle, die sich als medizinische Disziplin tarnt. Diplom-Psychologe Hans Ulrich Gresch fasst dies in eine Faustformel:

Wer gegen Gesetze verstößt, kommt in den Knast. Wer stört, ohne gegen Gesetze zu verstoßen, verschwindet in der Psychiatrie. Wer stört und gegen Gesetze verstößt, wird in den Maßregelvollzug verfrachtet.

Manch einer ist dann entsetzt, wenn er sieht, was Psychiater mit ihren Familienmitgliedern oder Freunden anstellen. Aber all die hier beschriebenen Methoden der Psychiater sind, wie es im Jargon heißt lege artis, also nach Regeln der Kunst.

Alleine in Deutschland sterben jährlich Tausende in direkter Folge der zweifelhaften, psychiatrischen Behandlungsmethoden oder begehen Suizid, weil sie die schrecklichen Folgen nicht mehr ertragen können. Der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE) hat deshalb den 2. Oktober zum Gedenktag der Psychiatrie-Toten erklärt.

Mehr Informationen zum Thema:

BKH Bayreuth: »Aus den Menschen werden hier Pflanzen gemacht« – in memoriam Waldemar V.

BrandZeilen: „Skrupellose Psychiatrieärzte haben mein Kind in den Tod geschickt“

Neuroleptika lassen das Gehirn in kürzester Zeit schrumpfen

UN-Hochkommissar für Menschenrechte Juan E Méndez: Psychiatrische Zwangsbehandlung ist Folter

Die forensische Psychiatrie ist irrsinnig geworden!

Margit Woelky über den Tod ihrer Schwester

Taz: Stiller Tod in der Psychiatrie

Die forensische Psychiatrie ist irrsinnig geworden!

Die Schweizer Psychiaterin Regina Möckli sieht in der forensischen Psychiatrie ein Instrument der sozialen Kontrolle:

Jetzt ist es so, dass die Psychiatrie leider immer instrumentalisiert wurde, um unerwünschte Menschen wegzuschaffen. Sie ist ein Instrument nicht nur der Folter, sondern der Umorganisation.

Möckli erklärt, warum Neuroleptika und andere Psychopharmaka in der Psychiatrie eingesetzt werden:

Die gehen da rein, dann kriegen sie diese Medikamente und dann geifern sie und wissen nicht mehr wo oben und unten ist. Und dann kann man sie wieder rauslassen. Wieso? Weil dann sind sie stigmatisiert.

Die Psychiaterin setzt darauf, die Öffentlichkeit über die Zustände in solchen Einrichtungen zu informieren:

Die Öffentlichkeit muss wissen, was geschieht in diesen Gebilden, die da abgesperrt, überwacht sind. Was geschieht da drin? Das sind unsere modernen Vernichtungslager!

Mehr informationen zum Thema:

Opablog: Die F o r e n s i k ein Teufelskreis ! Für unschuldig Untergebrachte ein Horror !

Eva Schwenk über Menschenrechtsverletzungen durch psychiatrische Gutachten

Psychiatrie-Mißbrauch oder Modus Operandi?

Psychopolitische Ontologie

UN-Hochkommissar für Menschenrechte Juan E Méndez: Psychiatrische Zwangsbehandlung ist Folter

Im Bermuda-Dreieck zwischen Justiz, Forensik und mangelnden Außenkontakten

Vorerst keine strafrechtlichen Konsequenzen aus 60 Tage langer Fixierung

Fixierbett

Die 60-tägige Dauerfixierung einer Patientin in der Forensik im Bayrischen Taufkirchen wird vorerst ohne strafrechtliche Konsequenzen für die Täter bleiben. Zwei Jahre nachdem der Antipsychiatrie-Aktivist Martin Heidingsfelder zusammen mit Gustl Mollath und anderen Strafanzeige erstattet hatte, teilte die Staatsanwaltschaft mit, sie würde keine Anklage gegen die Täter erheben.

Zeugenberichten zur Folge habe man die Patientin an ihr Bett gefesselt und in ihren eigenen Exkrementen liegen lassen. Der Gestank sei dabei so unerträglich gewesen, dass eine richterliche Anhörung am Bett der Patientin nur eine Minute gedauert habe. Zur Anordnung der Fixierungen seien schon im Vorfeld Blanko-Formulare vom zuständigen Führungspersonal der Einrichtung unterschrieben worden. Dies ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft „im Rahmen ärtzlichen Ermessens“ rechtens.

Der Sonderberichterstatter über Folter des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Juan E Méndez bezeichnete in der Vergangenheit psychiatrische Zwangsbehandlung jeder Art als Folter. Die Verpflichtung, erzwungene psychiatrische Behandlung zu beenden, sei sofort zu verwirklichen.

Die BRD hat am 1. Oktober 1990 das Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe der Vereinten Nationen ratifiziert und sich somit völkerrechtlich bindend verpflichtet, derartige Straftaten zu verfolgen und zu sanktionieren.

Das dies in diesem Fall bis jetzt nicht geschehen ist, straft Rolf Schmachtenberg vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales lügen. Er leugnete am 27.3.2015 vor einem UN-Komitee die Existenz von Folter in psychiatrischen Einrichtungen der BRD.

Heidingsfelder hat angekündigt, gegen die Nichtverfolgung der Taten durch die Staatsanwaltschaft rechtliche Schritte einzuleiten.

Mehr Informationen zum Thema:

TAZ: Ermittlungen gegen Ärzte in Bayern – Dauerfixierung ist rechtmäßig

Abendzeitung: 60 Tage in Fesseln: Kein Prozess gegen Ärzte

Beck Blog: Patient 60 Tage lang ununterbrochen ans Bett fixiert – Psychiatrie in der Kritik

Strafanzeige gegen Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen

BRD-Abgesandter leugnet vor UN-Komitee Folter

BRD-Abgesandter leugnet vor UN-Komitee Folter


Am 27.3.2015 leugnete Rolf Schmachtenberg vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales vor einem UN-Komitee die Existenz von Folter in psychiatrischen Einrichtungen der BRD. In Deutschland gäbe es keine vom Staat ausgeübte Folter. Die Bundesregierung teile die Auffassung des Sonderberichterstatters nicht.

In der 22. Sitzung des “Human Rights Council” des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte erklärte der Sonderberichterstatter über Folter Juan E Méndez Zwangsbehandlung in der Psychiatrie zu Folter, bzw. grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung. Er forderte von allen Vertragsstaaten der UN-Antifolterkonvention ein absolutes Verbot aller medizinischen nicht einvernehmlichen bzw. Zwangsbehandlungen zu verhängen, einschließlich nicht-einvernehmlicher Psychochirurgie, Elektroschocks und Verabreichung bewusstseinsverändernder Drogen, sowohl in lang- wie kurzfristiger Anwendung.

Die BRD hatte sich am 1. Oktober 1990 durch Ratifizierung der UN-Antifolterkonvention völkerrechtlich bindend zur Unterbindung von Folter in ihrem Hoheitsgebiet verpflichtet. Doch die Realität sieht leider anders aus.

Im Januar 2014 brachte Martin Heidingsfelder zusammen mit anderen Antipsychiatrie-Aktivisten einen Fall einer 60-tägigen Dauerfesselung einer Insassin einer psychiatrischen Einrichtung in Taufkirchen zur Anzeige. Bis zum heutigen Tage hat die zuständige Staatsanwaltschaft keine ernsthaften Bemühungen zur Aufklärung des Falles unternommen. Fälle wie dieser sind leider keine Seltenheit, wie zahlreiche Berichte von Psychiatrie-Überlebenden zeigen.

Ferner verabschiedet die Regierung der BRD entgegen ihrer völkerrechtlichen Verbindungen weiterhin auf Bundes-, sowie auf Länderebene Gesetze zur Legalisierung psychiatrischer Zwangsbehandlung. So verabschiedete beispielsweise der Deutsche Bundestag am 17. Januar 2013 ein Gesetz zur Legalisierung psychiatrischer Zwangsbehandlung auf Basis von Betreuungsrecht. Am 20.6.2013 hat das Kabinett von Baden-Württemberg ebenfalls ein Gesetz zur Legalisierung psychiatrischer Zwangsbehandlung beschlossen.

Mehr Informationen zum Thema:

Psychiatrische Zwangsbehandlung ist Folter

UN-Hochkommissar für Menschenrechte Juan E Méndez: Psychiatrische Zwangsbehandlung ist Folter

Strafanzeige gegen Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen

BRD bietet Mutter eines Psychiatrietoten 20000€ an

Bundestag stimmt über Gesetz zur psychiatrischen Zwangsbehandlung ab

Baden-Württemberger Landtag beschließt Foltergesetz

Telepolis: Zwangspsychiatrie und Zwangsbetreuung sind mit der UN-Behindertenkonvention unvereinbar

Der Freitag: Verstößt BRD gegen UN-Behindertenkonvention?

Psychiatrische Zwangsbehandlung ist Folter

Bei der 13. Sitzung des Committee on Rights of Persons with Disabilities erläutert Tina Minkowitz vom Center for the Human Rights of Users and Survivors of Psychiatry (CHRUSP), warum psychiatrische Zwangsbehandlung Folter ist.

Auch der UN-Sonderberichterstatter über Folter, Juan E. Méndez bezeichnete auf Sitzungen der Vereinten Nationen psychiatrische Zwangsbehandlung als Folter und forderte alle Staaten, die sich völkerrechtlich zur Einhaltung der UN-Antifolterkonvention verpflichtet haben, zur sofortigen Abschaffung entsprechender Gesetze zu deren Legitimation auf.

Mehr Informationen zum Thema:

www.chrusp.org

UN-Sonderberichterstatter über Folter, Juan E. Méndez in Berlin

UN-Hochkommissar für Menschenrechte Juan E Méndez: Psychiatrische Zwangsbehandlung ist Folter

Warum psychiatrische Zwangsbehandlung Folter ist

Ilona Haslbauer über die Zwangspsychiatrie: Entmenschlicht und zur Verfügungsmasse degradiert

Ilona Haslbauer hielt nach ihrer Entlassung aus dem Maßregelvollzug in Taufkirchen am 14. August 2014 eine Rede, in der sie die Zustände in dieser Einrichtung anprangerte und ihren Unterstützern dankte:

Es geht hier nicht um Hilfe, es geht hier nicht um Behandlung es geht hier nicht um Therapie, es geht hier nicht um Besserung. Es geht um Mißbrauch und Ausbeutung Abhängiger durch private Kliniken. Es geht um Macht und Profit mit Hilfe von Sklaverei und Menschenhandel. Es ist eine in sich geschlossene, kriminelle Mafia, in der alle mit verstrickt sind. Ärzte, Psychologen, Gutachter, Betreuer, Richter, Staatsanwälte, auch Rechtsanwälte, Minister und die Politik.

Im Grundgesetz Artikel 1 heißt es zwar „die Würde des Menschen ist unantastbar“. Das gilt aber nicht für Patienten im Maßregelvollzug. Diese werden hier entmenschlicht und zur Verfügungsmasse degradiert. Hier herrschen auf Grund des Nazi-Paragraphen 63 StGB und auf Grund fehlender Kontrolle in diesem rechtsfreien Raum Gewalt, Willkür, Freiheitsberaubung, Einsperren ins Zimmer, Isolation, weiße Folter, Zwangsfixierungen, Zwangsmedikation, Nötigung bis zu sexuellen Übergriffen durch das Pflegepersonal und alle Arten von Menschenrechtsverletzungen.

Zwangsfixierungen werden immernoch ohne Beisein eines Arztes und nur auf Anordnung des Pflegepersonals und ohne Gefahr für Sicherheit und Ordnung der Station nur aus Sadismus und Machtgier gemacht. Die Mindestfixierungszeit war dabei drei Tage, oft aber mehrere Wochen ohne daß die Patientinen selbständig Essen oder auf die Toilette gehen konnten. Sie wurden gefüttert und mußten in einer Bettpfanne ihre Notdurft verrichten.

Ich hatte damals das Glück, daß ich nach mehr als 25 Stunden abfixiert wurde, weil mein Anwalt zu Besuch kam.

Es wurden von Fritz Schuster, Martin Heidingsfelder und Roland Reimann mehr als 650 dokumentierte Vergehen zur Anzeige gebracht. Bisher ist nichts geschehen. An den Foltermethoden hat sich nichts geändert.

Es ist eine gnadenlose Ausbeutungsmaschinerie auf Kosten der Menschlichkeit, auf Kosten der Menschenwürde, auf Kosten der Freiheit, der Gesundheit und des Lebens der Untergepfärchten. Man kann hier wirklich nicht von Artgerechter Haltung sprechen.

Dieses Euthanasie-Syndrom hat sich seit Ende des 2. Weltkrieges suchtartig ausgebreitet. In dieser Anstalt wurden schon Euthanasie-Opfer umgebracht. Dieser Saustall muß endlich ausgemistet werden. Es ist eine Schande für unseren demokratischen Staat.

Es ändert sich erst etwas, wenn dieser Paragraph 63 StGB endlich abgeschafft wird. Abgeschafft und nicht reformiert, denn jede Reform ist nur Kosmetik durch diejenigen, die gegen diese Auswüchse bis heute nichts gemacht haben. Das Übel muß an der Wurzel gepackt und ausgerissen werden. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel.

Gustl Mollath und ich sind nur die Spitze der Spitze des Eisberges in diesem Freibeutermeer. Liebe Freunde und Unterstütze und Pressevertreter, ich bitte Euch auch im Namen aller zum Teil über Jahre und Jahrzehnte Eingesperrten und Mißhandelten und im Namen aller durch unterlassener Hilfeleistung und vorsätzlich Getöteten und durch Selbstmord sich aus der Folter-Hölle Entzogenen, weil sie keinen anderen Ausweg mehr wußten. Kämpft weiter! Macht Druck! Sorgt darüf, daß diese undurchdringlichen Mauern Risse bekommen und einstürzen.

Ich selber habe hier auf der Station F3 zwei Todesfälle miterlebt. Tote werden billigend in Kauf genommen und ihr Tod wird vertuscht.

Ein Anfang ist gemacht. Es bewegt sich etwas. Dafür möchte ich Euch danken.

Mehr Informationen zum Thema:

Es tun sich Abgründe auf…

UN-Hochkommissar für Menschenrechte Juan E Méndez: Psychiatrische Zwangsbehandlung ist Folter

Demonstration gegen Zwangspsychiatrie in Gießen

regensburg-digital: Freiheit nach sieben Jahren Forensik – Nina Hagen und die zweite Mollath

merkur-online: Vor dem Landgericht – Nina Hagen kämpft für Psychiatrie-Insassin

TAZ: Neue Vorwürfe in der Haderthauer-Affäre – 143.000 Euro blieben geheim

Augsburger Allgemeine: Fall Haderthauer – Wachmann der Psychiatrie spricht von „Saustall“

Nachdenkseiten: Wann ist der Mensch ein Mensch?

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