Dr Martin Zinkler tritt dem Kartell gegen §63 StGB bei

Martin Zinkler

Neustes Mitglied des Kartells gegen §63 StGB ist Dr Martin Zinkler. Zinkler ist Chefarzt der Heidenheimer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, sowie Chefredakteur der Fachzeitschrift „Recht und Psychiatrie“.

Zinkler setzt sich schon seit geraumer Zeit gegen psychiatrische Zwangsbehandlung ein. Im Rahmen der Neuregelung der Zwangsbehandlung im Betreuungsrecht schrieb er 2013 der damaligen Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger einen offenen Brief, in dem er sich gegen psychiatrische Zwangsbehandlung aussprach. Er forderte, die Menschenrechtssituation in der Psychiatrie nachhaltig zu verbessern. Menschenrechte dürften nicht auf dem Altar einer scheinbar effizienten Medizin geopfert werden.

Über seine Erfahrungen mit dem Verzicht auf Zwang und Gewalt in der Psychiatrie berichete Zinkler in der SWR-Fernsehsendung Odysso:

Wenn man der Psychiatrie eine Waffe wegnimmt, dann kann sich die Psychiatrie weiterentwickeln. Wir wissen, dass wir selbst in Situationen, in denen wir früher gedacht haben, es geht nur mit Zwang, auch auf freiwilliger Basis weiterkommen.

In seinem Beitrittsgesuch schreibt Zinkler:

Gerne würde ich dem Kartell gegen §63 StGB beitreten. In Italien soll nun nach Abschaffung der forensisch-psychiatrischen Kliniken auch die absolute Unzurechnungsfähigkeit abgeschafft werden. Dies halte ich für einen Fortschritt, um Art 12 der UN BRK zur Geltung zu verhelfen. Insofern hat auch eine Sonderunterbringung in der Psychiatrie nach § 63 statt in Haft keinen Platz mehr.

Selbstverständlich brauchen Haftanstalten mindestens gleich gute psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlungsangebote wie in der Gemeinde; die Bereitschaft von Strafgefangenen, diese Angebote anzunehmen, sollte aber in keiner Weise mit der Dauer der Haftstrafe oder der frühzeitigen Entlassung aus der Haft verbunden werden.

Selbstverständlich soll eine Zwangsbehandlung in Haft ebenso wenig in Frage kommen, wie in Freiheit.

Vielleicht interessiert Sie eine kurze Arbeit zur Zwangsbehandlung in Deutschland, die kürzlich in „laws“ publiziert wurde. http://www.mdpi.com/2075-471X/5/1/15/htm

In dem im September 2015 gegründeten Kartell gegen StGB §63 haben sich namhafte Juristen, wie beispielsweise der Mollath-Verteidiger Gerhard Strate oder der Menschenrechts-Anwalt David Schneider-Addae-Mensah zusammengeschlossen, die diesen Paragraphen als Unrecht betrachten.

Merkmale des Vollzugs des § 63 in der forensischen Psychiatrie seien unter anderem willkürliche und regelmäßig längere Freiheitsberaubung als bei einem vergleichbaren Delikt im Regelvollzug, sowie erzwungene Körperverletzung durch psychiatrische Zwangsbehandlung.

Bereits 2013 forderte der UN-Sonderberichterstatter über Folter und grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung, Juan Méndez einen „absolut Ban“ jeder Zwangsbehandlung legitimierenden Gesetzgebung.

Mehr Informationen zum Thema:

Zwangspsychiatrie.de: Kartell gegen § 63: Neues Mitglied verantwortlicher Redakteur der `Recht & Psychiatrie´

Kartell gegen §63 StGB

Psychosoziale Umschau: Offener Brief zur Neuregelung der Zwangsbehandlung im Betreuungsrecht

Dr Martin Zinkler: Germany without Coercive Treatment in Psychiatry—A 15 Month Real World Experience

SWR Odysso: Psychiatrie – Ohne Zwangsmedikation, bitte

Süddeutsche Zeitung: Psychiatrie – Entwertung hinter verschlossenen Türen

forensikwhistle: Menschenrechte und Massregelvollzug

Dr. med. Martin Zinkler über Zwang und Gewalt in der Psychiatrie

Psychiatrie-Mißbrauch oder Modus Operandi?

Psychiater Volkmar Aderhold im Gespräch: Schäden und verkürzte Lebenserwartung durch Neuroleptika

Volkmar AderholdMirko Olostiak Brahms im Gespräch mit Prof. Dr. Volkmar Aderhold, der in Deutschland nicht nur die Debatte über Schäden und verkürzte Lebenserwartung durch Neuroleptika angestoßen hat, sondern hierzulande auch durch Seminare, Fortbildungen und Vorträge die Konzepte der Bedürfnisangepassten Behandlung und des Offenen Dialog voranbringen will.

Über das Geschäftsmodell der Psychiatrie ist Aderhold desillusioniert

Als ich in die Psychiatrie ging – war irgendwie noch, das war so 1982, war klar: Die Psychiatrie ist ein Kostenfaktor und man kann sich gesellschaftlich einbilden wenn´s weniger kostet und besser wird, dann freuen sich alle. Und es war ne ziemliche Ernüchterung, dass ich erst im Laufe der letzten 15 Jahre langsam gemerkt habe: Das hat sich längst gedreht. Krankheit ist zur Ware geworden. Kliniken rechnen sich. Das wusste ich zwar vorher schon, aber die rechnen sich so kräftig, dass man dass man sie echt am Netz halten will. Und auch Chronifizierungen sind ein Geschäft.

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Mehr Informationen zum Thema:

VielFalter Magazin gegen Monokultur: Sendung vom 28. Juli 2016

Volkmar Aderhold über Neuroleptika

FAZ: Neuroleptika Wenn Psychopillen das Gehirn schrumpfen lassen

Der Nervenarzt: Frontale Hirnvolumenminderung durch Antipsychotika?

Deutsche Apotheker Zeitung: „Pharmaindustrie schlimmer als die Mafia“

Neuroleptika lassen das Gehirn in kürzester Zeit schrumpfen

Peter Gøtzsche: Vortrag zu Übermedikalisierung und Überdosierung

Gehirnscans – was uns die bunten Bildchen sagen

Fall Ulvi Kulaç: Axel Springer muss Falschbehauptungen unterlassen

Ulvi Kulac

Im Rahmen der Berichterstattung zum Fall Peggy hatte der Axel Springer Verlag in der Bild-Zeitung unter anderem wahrheitswidrig behauptet, Kulaç sei 2014 aus „Mangel an Beweisen“ freigesprochen worden und er würde ein einer Einrichtung für betreutes Wohnen leben, die er nicht verlassen dürfe, weil er 15 Kinder sexuell belästigt habe.

Gudrun Rödel, die Betreuerin von Ulvi Kulaç hat den Frankfurter Medienanwalt Dr. Müller-Riemenschneider damit beauftragt, eine Unterlassungserklärung zu erwirken. Über die Höhe der Schadensersatzforderungen werde noch verhandelt, so Rödel.

Sie nennt die Berichterstattung der Bild „skandalös“. Ulvi lebe und arbeite in einer Einrichtung für Behinderte und fühle sich dort sehr wohl. Er könne sehr wohl das Haus verlassen, wann er will. Er habe dafür seine eigenen Schlüssel. Er lebe nicht in der Einrichtung, weil er 15 Kinder missbraucht hat, sondern einzig und allein, weil er auf Grund seiner geistigen Behinderung Betreuung benötige und nicht in der Lage sei, alleine zu leben.

Die Einrichtung, in der Kulaç lebt hat sich in der Zwischenzeit mit einer Beschwerde gegen die Berichterstattung von Bild an den Deutschen Presserat gewandt.

Mehr Informationen zum Thema:

Augsburger Allgemeine: Der Fall Peggy ist ein Polizeiskandal

inFranken.de: Das totale Versagen im Fall Peggy

Frankenpost: Peggy wird Thema im Landtag

Opposition24: Pilze sammeln im Juli? Warum führt die Versager „SOKO Peggy“ die Ermittlungen weiter?

Ulvi Kulaç kommt frei

Ulvi Kulaç: Pressekonferenz nach Anhörung in Bayreuth

Zu Unrecht eingesperrt, behandelt und mit Neuroleptika geschädigt – Gespräch mit Herr W.

Auf Betreiben der Großmutter, bei der damals lebte, wurde Herr W. in einer psychiatrischen Klinik eingesperrt und zwangsbehandelt – obwohl keinerlei Anzeichen für eine ‚psychiatrische Erkrankung‘ vorlagen. (siehe auch: http://gabriel-schaufelberger.de/w/ oder http://www.aerzte-pfusch.de/Opfer/07/20070703_Der_Fall_des_Herrn_W.html) Herr W. möchte gegen das Unrecht, das ihm angetan wurde, gerichtlich vorgehen und eine Entschädigung einklagen, für die gesundheitlichen Schäden, die durch die Behandlung verursacht wurden. Er prozessiert schon seit Jahren – bisher ohne Erfolg. Erst kürzlich wurde seine Klage auch vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen. Die Frage, seit wann er die Prozesse führt, stand am Anfang des Gesprächs:

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Mehr Informationen zum Thema:

‚VielFalter‘ – Magazin gegen Monokultur und für Inklusion 26.05.2016

GEP Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V.: Omas Diagnose und die Folgen

Kritik an psychiatrischer Zwangsbehandlung

Infektiöser Wahn in der Baden-Württembergischen Justiz

Als wahnsinnig abgestempelt – Wie unbequeme Kläger mit fragwürdigen Gutachten mundtot gemacht werden

Report Mainz berichtet von zahlreichen Fällen, bei denen ein berüchtigter Psychiater zweifelfafte Gutachten erstellt und damit Menschen im Rahmen von Gerichtsgutachten als Querulanten diskreditiert hat. Verschiedene Experten berichten über die dubiosen Praktiken psychiatrischer Gutachter. Die Politik schweigt dazu.

Mehr Informationen zum Thema:

Report Mainz: Als wahnsinnig abgestempelt

Urteil: Begleitperson oder Tonaufzeichnungen bei psychologischer Begutachtung gestattet

Eva Schwenk über Menschenrechtsverletzungen durch psychiatrische Gutachten

In der Gutachterfalle

Radio Dreyeckland: ‚VielFalter‘ – Magazin gegen Monokultur und für Inklusion 26.05.2016

Der Fall Mollath und andere: staatlicher Mißbrauch der Psychiatrie in Deutschland. Steckt dahinter System?

Psychiatrische Diagnosehandbücher, die immer dicker werden, inflationäre Verwendung von psychiatrischen Diagnosen, zweifelhafte Gutachten und Zwangspsychiatrisierung. In den letzten Jahren wurden immer wieder Fälle wie z.B. die von Gustl Mollath oder den hessischen Steuerfahndern bekannt. Steckt dahinter ein System? Darüber redet Michael Vogt von Quer-Denken.tv mit Dr. med. Friedrich Weinberger von der Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V.

Mehr Informationen zum Thema:

Quer-Denken.tv: Der Fall Mollath und andere: staatlicher Mißbrauch der Psychiatrie in Deutschland. Steckt dahinter System?

GEP – Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V.

Politische Psychiatrie in Deutschland

Die dunklen Seiten von Justiz und Psychiatrie

Psychiatrie-Mißbrauch oder Modus Operandi?

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