
Am 21.5.2012 hielt Peter Lehmann, selbst Psychiatrie-Überlebender und Autor zahlreicher Fachbücher zum Thema Psychopharmaka, in der Offenen Herrberge in Stuttgart Bad Cannstatt einen Vortrag zum Thema Psychopharmaka absetzen.
Ein großer Teil des Vortrags widmete sich dabei dem Thema Nebenwirkungen von Psychopharmaka, vor allem Neuroleptika. Lehmann machte anhand wissenschaftlich fundierter Fakten klar, warum vor allem der Dauerkonsum von Psychopharmaka gefährlich ist. Neben diversen körperlichen und psychischen Dauerschäden sind bei Neuroleptika vor allem durch diese Drogen verursachte, oft irreversible Bewegungsstörungen problematisch.
Lehmann zeigte ausführlich die Komplikationen auf, die bei nicht sachgerechtem Absetzen von Psychopharmaka auftreten können. Mit unter werden von Psychiatern und nicht sachkundigen Laien dann diese Entzugserscheinung fälschlicherweise als Symptome einer psychischen Krankheit gedeutet.
Mit dem Dogma, Menschen mit psychiatrischen Diagnosen müssten ein Leben lang Psychopharmaka konsumieren, räumte Lehmann gründlich auf. Er selbst setze nach seinem Psychiatrieaufenthalt mit Hilfe von Freunden seine psychiatrischen Drogen ab, worauf hin sich sein Gesundheitszustand drastisch verbesserte. Dazu bemerkt Lehmann “Wenn ich damals auf die Ärzte gehört hätte, säße ich heute nicht hier”.
Ferner wies Lehmann auch auf die Problematik hin, daß es für Abhängigkeit von psychiatrischen Drogen – mit Außnahme der Benzodiazepinabhängigkeit – keinen Schlüssel in gängigen Diagnosehandbüchern gibt. Dies hat dann leider zur Folge, daß Ärzte, die einen Patienten beim Absetzen von psychiatrischen Drogen begleiten wollen, dies nicht mit der Krankenkasse abrechnen können. Ihm sei in ganz Deutschland auch nur eine einzige Klinik bekannt, die Patienten zum Entzug von psychiatrischen Drogen stationär aufnehmen würde.
Lehmann wies ausdrücklich darauf hin, daß er niemanden zum Absetzen von Psychopharmaka überreden möchte. Es sei die persönliche Entscheidung eines jeden Betroffenen selbst, ob er seine Psychopharmaka absetzen oder weiterhin konsumieren möchte.
Mehr Informationen zum Thema:
www.peter-lehmann.de
Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag & Versandbuchhandel
Psychopharmakaberatung des Bundesverbands Psychiatrieerfahrener
Stuttgarter Zeitung: Bundesverdienstkreuz für Peter Lehmann
Der Paritätische Berlin: Psychiatriekritiker Peter Lehmann wird Ehrendoktor
Die Wochenzeitung: Don Quijote der Psychiatrie
Esowatch vs. Peter Lehmann
Winston Smith, 22. Mai 2012 |
Tags: Abhängigkeit, absetzen, Antipsychiatrie, Bad Cannstatt, Entzug, Nebenwirkungen, Neuroleptika, Peter Lehmann, Psychiatriekritik, Psychiatrieüberlebender, psychiatrische Drogen, Psychopharmaka, Selbsthilfe, Stuttgart
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Psychiatriekritiker wie z.B. Thomas Szasz und John Breeding behaupten schon lange, daß die Psychiatrie eigentlich nur einem primären Zweck dient: Der sozialen Kontrolle. Zeitgenossen, die irgendwie anecken, sollen gefügig gemacht werden. Die Psychiatrie verstecke sich nur hinter einer medizinischen Maske. Ihre Krankheitsbilder und Diagnosen seien unwissenschaftlich und basierten auf unbewiesenen Hypothesen, so die Kritiker. Außerdem steht der Verdacht im Raum, daß auf Grund von Profitgier Krankheiten erfunden werden, die es garnicht gibt.
Bücher wie “Geisteskrankheit, ein moderner Mythos?” oder “Grausames Mitleid” von Thomas Szasz, “Giftige Psychiatrie” von Peter Breggin, “Der chemische Knebel” von Peter Lehmann oder “Mad in America” von Robert Whitaker zählen schon lange zu den Klassikern der psychiatriekritischen Literatur.
Zum öffentlichen Imageverlust der Psychiatrie tragen nicht nur Antipsychiatrieaktivisten, wie die Berliner Irrenoffensive oder Menschenrechtsanwälte, wie David Schneider-Addae-Mensah, der das sensationelle Urteil gegen psychiatrische Zwangsbehandlung vor dem Bundesverfassungsgericht erstritten hat, bei. Die Psychiatrie macht sich zunehmend auch durch eigene Skandale, die ein breites Medienecho nach sich ziehen, lächerlich. Der Psychiater Hans-Jürgen Möller von der LMU München schrieb lange Zeit in unregelmäßigen Abständen psychiatrische Propagandaartikel für die Süddeutsche. Doch als der Skandal um Möller und seine fremdanamnetische Ferndiagnose des Kunsthändlers Eberhard Herrmann durch alle Medien ging, wurde Möller von der Süddeutschen selbst zerrissen. Seit dem scheint diese Zeitung deutlich kritischer mit dem Thema Psychiatrie umzugehen. Anlässlich der kommenden Neuauflage des DSM – der Bibel der Psychiatrie – hinterfragt auch die Süddeutsche psychiatrische Krankheitsbegriffe. Von “erfundenen Krankheiten” und der “totalen Medikalisierung des Normalen” ist die Rede. Auch der Spiegel berichtete Anfang 2011 unter dem Titel “Seelsorge für die Industrie” über die unheilvolle Beziehung zwischen Pharmaindustrie und Psychiatrie. Pharmafirmen würden Meinungsbildner nicht nur einsetzen, um Werbung für ihre Pillen zu machen, sondern auch, um Krankheiten zu vermarkten, die es oft gar nicht gäbe. Trotz immer flächendeckenderer psychiatrischer “Versorgung” und steigendem Absatz von Psychopharmaka nimmt die Zahl der als psychisch Krank diagnostizierten Menschen immer weiter zu.
Auch im Massenmedium Fernsehen nehmen psychiatriekritische Beiträge immer mehr zu. In den 90er Jahren hatte ein Beitrag der ARD-Sendereihe Ratgeber Recht, in dem unter anderem über den Fall Vera Stein berichtet wurde, für Wirbel gesorgt. Vera Stein wurde als Kind mehrmals ohne richterlichen Beschluß in psychiatrische Anstalten zwangseingewiesen und zwangsweise mit Neuroleptika behandelt, weil sie ein aufmüpfiges Kind war. Heute ist sie in Folge dieser Behandlungen schwerbehindert. In einem aufsehenerregenden Prozeß konnte sie im Jahre 2005 schließlich eine Verurteilung der BRD vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen Menschenrechtsverletzungen erreichen. Ein weiterer, spektakulärer Fall war der des Steuerfahnders Rudolf Schmenger von 2006, der zusammen mit seinen Kollegen von der Frankfurter Steuerfahndung für geisteskrank erklärt und in Rente geschickt wurde, weil er es wagte, gegen deutsche Großbanken wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu ermitteln. Die Diagnose: “paranoid-querulatorischen Entwicklung”. Im Jahre 2010 strahle der deutsch-französiche Fernsehsender Arte den mit dem SRG Preis ausgezeichneten Dokumentarfilm “Alltag in der Psychiatrie” von Ilan Klipper aus. Er hatte mehrere Monate in den Abteilungen 15 und 17 der psychiatrischen Klinik Sainte-Anne in Paris verbracht und dort das Geschehen in Bild und Ton festgehalten, ohne die Szenen zu kommentieren. In diesem Film sind zahlreiche Szenen zu sehen, in denen die Wärter die Insassen der Psychiatrie schikanieren und zwangsweise Verabreichung von Neuroleptika, Fixierung und Elektroschock als Disziplinierungsmittel verwenden.
Angesichts so viel negativer Berichterstattung in den Medien wird die Psychiatrie langsam nervös. Insbesonders die elektronischen Medien, allen voran YouTube, scheinen die Psychiatrie-Verfechter zu Gegenreaktionen zu provozieren. Auf YouTube sind zahlreiche Fernsehmitschnitte und von Psychiatriegegnern erstellte Videos zu sehen. Immer wieder schreiben auch Mitarbeiter von psychiatrischen Einrichtungen Kommentare zu solchen Videos. Doch diese Kommentare erscheinen meist wie eine hilflose Panikreaktion. So schreibt z.B. ein Psychiatriemitarbeiter als Kommentar zu dem Dokumentarfilm “Alltag in der Psychiatrie”, was dort zu sehen ist sei “veraltet”. Doch der Film stammt aus dem Jahre 2010. Mehrere andere User, die dem Anschein nach ebenfalls dem Dunstkreis der Psychiatrie zuzuordnen sind, behaupten, dieser Film würde keinesfalls den Alltag in der Psychiatrie zeigen, sondern sei ein Beispiel für die Unfähigkeit von Ärzten und Pflegern. Von “Hetze gegen die Psychiatrie” ist sogar die Rede. Daß ein Film einfach nur kommentarlos das Geschehen in solch einer Einrichtung zeigt, scheint den Vertretern der Psychiatrie schon zu viel zu sein. Sie würden gerne weiter im Verborgenen operieren. Zahlreiche ehemalige Psychiatrieinsassen berichten, daß sie ganz ähnliche Zustände in Deutschland erlebt haben. Ebenso typisch ist das Beschwichtigen und Rationalisieren. So schreibt beispielsweise eine Psychiaterin im Kommentarfeld des YouTube Kanals von Gedankenverbrecher84 sinngemäß, die tausende Psychiatrietoten jedes Jahr alleine in Deutschland seien kein Grund, die Psychiatrie abzuschaffen, denn schließlich würden ja auch jährlich tausende Menschen durch den Straßenverkehr ums Leben kommen. Doch es gibt auch Psychiatriemitarbeiter, die sich bei YouTube als Wistleblower betätigen und selbst über menschenverachtende Zustände in diversen psychiatrischen Einrichtungen berichten.
Ferner versucht die Psychiatrie auch sogenannte Psychiatrieerfahrenengruppen als verlängerten Arm ihrer Lobbyarbeit einzuspannen. So versuchte beispielsweise der Baden-Württemberger Landesverband des Bundesverbands Psychiatrieerfahrener angesichts des Karlsruher Urteils, in dem die psychiatrische Zwangsbehandlung für verfassungswidrig erklärt wurde, für Zwangsbehandlung zu werben. Dazu verfasste dieser Verein ein entsprechendes Positionspapier. Darin war die Rede davon, daß die Psychiatrie ihrer Meinung nach ihrer Rolle als Schutz- und Ordnungsfunktion ohne Anwendung von Zwang und Gewalt nicht nachkommen könne. Damit gesteht dieser Verein also ein, was Psychiatriekritiker schon lange behaupten: Bei der Psychiatrie handelt es sich nicht um eine medizinische Disziplin, sondern um ein Bestrafungs- und Umerziehungssystem, das außerhalb der Strafgerichtsbarkeit operiert. Wer sich nicht fügt, wird mit hirnschädigenden Drogen vollgepumpt, bekommt Elektroschocks verpasst oder wird ans Bett gefesselt. Ferner soll die sogenannte “Krankheitseinsicht” erzwungen werden. Der Psychiatrieinsasse soll “zugeben”, daß sein vermeintliches Fehlverhalten eine “Krankheit” sei. Viele Menschen brechen angesichts solchen Drucks zusammen, drehen durch oder nehmen sich das Leben. Psychiatrie-Überlebende sind oft schwer traumatisiert oder leiden unter dem, was im Jargon Hospitalismus genannt wird. Die Psychiatrie deutet solche Reaktionen dann wiederum als “Symptome der Krankheit” um.
Ein Dogma der Psychiatrie sind die angeblichen biologischen Ursachen sogenannter psychischer Krankheiten. Angeblich seien Stoffwechselstörungen im Gehirn (das sogenannte “chemische Ungleichgewicht”), sowie genetische Faktoren schuld. Stichwörter wie “Dopaminhypothese” geistern herum. Kritker der Psychiatrie wenden hingegen ein, daß wenn dem so wäre, es doch objektive Testverfahren geben müsse. Doch die gibt es bis heute nicht.
Sogenannte Psychosen sollen von einem Überschuß am Neurotransmitter Dopamin verursacht werden, Depressionen sollen ihre Ursache in einem Mangel von Serotonin haben, so die psychiatrische Lehrmeinung. Deshalb werden bei Psychosen Dopamin-Blocker, sogenannte Neuroleptika und bei Depressionen Serotoninwiederaufnahmememmer verabreicht. Doch diese Neurotransmitterwerte werden in der gängigen Praxis der Psychiatrie nie gemessen. Mit den Mitteln der modernen Medizin lassen sich aber die Spiegel dieser Botenstoffe im Blut und in anderen Körperflüssigkeiten messen. Wenn ein als schizophren oder depressiv diagnostizierter Mensch tatsächlich einmal auf die Idee kommt, diese Werte von einem Arzt messen zu lassen, bleibt dies ohne Befund. Erst die psychiatrischen Drogen, die in die Hirnchemie eingreifen, verursachen Veränderungen dieser Werte.
Das selbe zeigt sich bei Untersuchungen des Gehirns mittels bildgebender Verfahren, wie z.B. der Magnetresonanztomographie (kurz MRT). Bei diversen psychischen Krankheiten sollen nach psychiatrischer Lehrmeinung auch charakteristische Veränderungen in der Hirnanatomie nachweisbar sein. Bei Schizophrenie soll beispielsweise eine Schrumpfung des Gehirns, vor allem der Frontallappen typisch sein. Schaut man als psychisch Krank diagnostizierten Menschen mit diesen Verfahren in den Schädel, bleibt auch dies ohne Befund. Allerdings führen Langzeitbehandlungen mit Neuroleptika nachweislich zu Neurodegeneration, wie zahlreiche Studien belegen. Wenn man also einen Menschen oder einen Versuchstier eine gewisse Zeit mit Neuroleptika behandelt, kann man auf den Bildern tatsächlich eine Schrumpfung gewisser Hirnbereiche beobachten. Diese sind allerdings nicht Ergebnis der “Krankheit”, sondern der psychiatrischen Behandlung.
Seit Ende des 20. Jahrhunderts ist die Semantik des genetischen Codes bekannt. Im Rahmen des Human Genome Project wurde ab 1990 das menschliche Genom vollständig entschlüsselt. Das Genom codiert die Reihenfolge von Aminosäuren, aus denen sich die verschiedenen Proteine zusammensetzen. Eine Abweichung im Code – eine sogenannte Mutation – kann zu fehlerhaften, nicht funktionierenden Proteinen führen. Gridcomputing-Programme, wie Rosetta@Home, ein Ableger des bekannten Projekts Seti@Home, werden eingesetzt, um die Proteinfaltung zu berechnen. Anfang des 21. Jahrhunderts existieren Verfahren zur automatischen Analyse genetischen Materials. Doch die Jagd nach einem “Schizophrenie-Gen” blieb bis weilen die Jagd nach einem Phantom. Immer wieder wurden neue Kandidaten genannt, die sich im Nachhinein als wissenschaftlich unhaltbar erwiesen haben.
Da im menschlichen Genom keine Gene für psychische Krankheiten ausgemacht werden konnten, argumentiert die Psychiatrie nun mit epigenetischen Faktoren. Unter dem Begriff Epigenetik versteht man die Modulation von Genen durch Umwelteinflüsse. So können beispielsweise durch Methylierung einzelne Gensequenzen an- und ausgeschaltet werden. Eine Studie von Prof. Sara Fuchs und der Doktorandin Tal Ilani vom Weizmann Institut aus dem Jahre 2001 will nun einen “Schizophrenie-Schnelltest” auf der Basis epigenetischer Faktoren entwickelt haben. Bei als schizophren diagnostizierten Menschen sei eine erhöhte Zahl von Dopaminrezeptoren nachweisbar. Deshalb müsse man nur nach einer erhöhten Aktivität der mRNA, die die Synthese von Dopaminrezeptoren codiert, suchen. Was die Forscher allerdings verschweigen: Schon lange ist bekannt, daß Behandlung mit Neuroleptika dazu führt, daß der Körper in Folge von Blockierung von Dopaminrezeptoren neue Dopaminrezeptoren bildet. Folglich wird in diesem Falle auch eine erhöhte Aktivität der entsprechenden mRNA messbar sein. Wie so oft versucht auch hier die Psychiatrie wieder das Ergebnis ihrer Behandlungsmethoden als Ursache für die angebliche Krankheit umzudeuten.
Doch warum ist die Psychiatrie so erpicht darauf, genetische Ursachen für sogenannte psychiatrische Krankheiten zu finden? Das hat historische Gründe. Die geistigen Urväter der modernen Psychiatrie, Emil Kraepelin und Eugen Bleuler waren eingefleischte Eugeniker. Sie setzten das Dogma in die Welt, daß Verhalten genetisch bedingt und vererbbar sei. Damit legitimierten Psychiater vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus, aber auch davor und danach, die Sterilisation und Ermordung von angeblich psychisch Kranken. Von dem Dogma der genetischen Ursachen für sogenannte psychische Krankheiten ist die moderne Psychiatrie bis heute nicht abgerückt. Noch heute verleiht die Deutsche Forschungsanstalt für Psychiatrie die Goldene Emil Kraepelin-Medaille für “herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Psychiatrie”.
Wenn sogenannte psychische Krankheiten also laut psychiatrischer Lehrmeinung ihre Ursachen in biologischen Defekten haben sollen, die entsprechenden Untersuchungsmethoden zur Verfügung stehen und diese angeblichen biologischen Defekte trotzdem nicht nachweisbar sind, wie können sich Psychiater bei ihrer Diagnose dann so sicher sein? Diese Frage beantwortete der Heidelberger Demenz-Experte Prof. Dr. Johannes Schröder bei einer Anhörung vor dem Landgericht Stuttgart im Rahmen eines aktuellen Verfahrens gegen das psychiatrische Klinikum Winnenden wie folgt: Die klinische Erfahrung würde zeigen, daß psychisch Kranke sowohl die biologischen Ursachen, als auch die Symptome ihrer Krankheit wegsimulieren. Wenn also bei einem Probanden weder die angeblichen biologischen Ursachen, noch die Symptome einer psychischen Krankheit nachweisbar wären, dann sei der Proband mit sehr großer Wahrscheinlichkeit psychisch krank.
Mehr Informationen zum Thema:
Bluttest für Schizophrenie
Readers Edition: Psychiatrie – wie glaubwürdig sind ihre Diagnosen?
Readers Edition: Psychiatrie – hinter der Maske der Heilung
Psychotherapie.de: Mehr Schein als Sein – Psychiatrie
Beitrag zum Thema Psychiatrie der ARD-Sendereihe “Ratgeber Recht”
Dokumentarfilm: Alltag in der Psychiatrie
Süddeutsche: Bizarres Gutachten – Ich sehe, daß sie Geisteskrank sind
Süddeutsche: Das Buch des Wahnsinns
Süddeutsche: Geldmacherei mit Patienten – Die Krankheitserfinder
Der Spiegel: Seelsorge für die Industrie
TAZ: Kriminelle in weißen Kitteln
Ein Plädoyer für Zwang und Gewalt
Die menschenverachtende Ideologie der Psychiatrie
Psychiatrie – eine Pseudowissenschaft?
Psychiater und Demenz
YouTube Kanal von Gedankenverbrecher84
Winston Smith, 25. Juli 2011 |
Tags: Antipsychiatrie, biologische Ursachen, Bluttest für Schizophrenie, Botenstoffe, chemisches Ungleichgewicht, der chemische Knebel, Diagnosen, Disziplinierungsmittel, Domamin, Dopaminhypothese, ein moderner Mythos, Elektroschock, Emil Kraepelin, Epigenetik, erfundene Krankheiten, Eugen Bleuler, Eugenik, Geisteskrankheit, Gentest, Giftige Psychiatrie, Hans-Jürgen Möller, Hirnanatomie, Hospitalismus, Klinikum Winnenden, Krankheitsbilder, Krankheitserfinder, Mad in America, Menschenrechtsverletzungen, Neuroleptika, Neurotransmitter, paranoid-querulatorischen Entwicklung, Peter Breggin, Peter Lehmann, Pharmaindustrie, Prof. Dr. Johannes Schröder, Pseudowissenschaft, Psychiatrie, Psychiatriekritik, psychische Krankheiten, Robert Whitaker, Schizophrenie, Serotonin, Skandal, soziale Kontrolle, Stoffwechselstörungen, Traumatisierung
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Winston Smith, 21. Juli 2011 |
Tags: Abhängigkeit, Antidepressiva, Antipsychiatrie, Drogen, Entzug, Entzugserscheinungen, Neuroleptika, Peter Lehmann, Psychiatrie, Psychopharmaka, Psychopharmaka absetzen, Psychose, Rebound, Rückfall, Sucht, Zwangsbehandlung
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Esowatch ist eine Internetseite, die sich selbst als Aufklärungsportal in Sachen Esoterik, Scharlatanerie und Pseudowissenschaft darstellt. Zwischen Beiträgen über seltsame Kulte und diversen Verschwörungstheorien finden sich auch Texte, die sich kritisch mit Alternativmedizin, wie z.B. Homöopathie befassen. Außerdem finden sich dort Abhandlungen über diverse Medizinkritiker. Zwischen all dem finden sich auch Texte über den Psychiatrie-Überlebenden Peter Lehmann und dessen Antipsychiatrieverlag. Allerdings findet in diesen Texten über Lehmann und die Antipsychiatrie keine kritische Auseinandersetzung im eigentlichen Sinne statt.
Esowatch schreibt, die Antipsychiatriebewegung würde die Existenz von biologischen Defekten als Ursache für sogenannte “psychische Krankheiten” leugnen. Doch sowohl Esowatch, als auch die moderne Psychiatrie bleibt uns den objektiven Beweis für solche behaupteten biologischen Defekte bis heute schuldig. In der biologischen Psychiatrie gibt es die sogenannte Dopaminhypothese, nach der die Ursache für sogenannte “Psychosen” in einem Überschuß des Neurotransmitters Dopamin liegen würde. Doch den Dopaminspiegel im Blut kann man messen und es werden regelmäßig bei als “psychotisch” diagnostizierten Menschen keine Abweichungen gefunden. Ebenso ist die Jagd nach einem angeblichen “Schizophrenie-Gen” bis heute die Jagd nach einem Phantom. Seit Ende des 20. Jahrhunderts kennen wir sowohl das menschliche Genom, als auch dessen Semantik. Wir haben Supercomputer, die die Biosynthese von Proteinen und die Proteinfaltung berechnen können. Trotzdem konnte bis heute noch niemand irgend eine Gensequenz präsentieren, die für angebliche “Geisteskrankheiten” verantwortlich sein soll. Bis heute gibt es auch keinen objektiven Test für den Nachweis oder Ausschluß sogenannter “psychischer Krankheiten” im Sinne eines biologischen Defekts. Psychiater diagnostizieren weiterhin willkürlich und nach Augenschein, ohne irgendwelche objektiven Testverfahren zu verwenden.
Esowatch führt richtig an, daß die Antipsychiatrie die Psychiatrie eher als ein Mittel der sozialen Kontrolle und nicht als medizinische Disziplin sieht. Aber Esowatch stellt dies als dubios hin und vertritt die These, daß “psychiatrische Krankheiten” eben biologische Defekte seien. Dabei wird aber unterschlagen, daß z.B. Homosexualität bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts noch offiziell als “psychiatrische Krankheit” galt und nach einer Abstimmung der APA aus dem DSM gestrichen wurde. Somit verschwand also eine “psychiatrische Krankheit” alleine dadurch, daß sie nicht mehr länger als solche definiert war. Heute ist der homosexuelle Guido Westerwelle deutscher Außenminister. Ist der etwa auch ein erbkranker Geisteskranker mit Stoffwechselstörungen im Gehirn? Esowatch geht auch nicht darauf ein, daß Psychiatrie auch als politisches Mittel eingesetzt wird, z.B. um Dissidenten auszuschalten. So wurden in den U.S.A. in der Vergangenheit Kommunisten mit Elektroschock, Lobotomie und anderen “Behandlungsmethoden” gegen ihre “Krankheit” zwangsbehandelt.
Anstatt die Argumente von Lehmann und der Antipsychiatrie, die hier kritisiert werden sollen, aufzugreifen und gegebenenfalls mit nachprüfbaren Argumenten zu widerlegen, wird sofort zur Dämonisierung übergegangen. Peter Lehmann kritisiert die Psychiatrie. Auch Scientology kritisiert die Psychiatrie. Und weil Scientology ja “böse” wäre, wäre Peter Lehmann auch “böse”. Wie so oft, wird auch hier als Referenz auf die Pamphlete des bekannten Verschwörungstheoretikers Ingo Heinemann verwiesen.
Hätten sich die Macher von Esowatch die Mühe gemacht, hier ordentlich zu recherchieren und z.B. einmal einen Blick in die Bücher von Lehmann geworfen, dann hätten sie feststellen müssen, daß “Der chemische Knebel” oder auch das zweibändige Werk “Schöne, neue Psychiatrie” im wesentlichen aus einer Sammlung von Zitaten von Psychiatern und deren Forschungsergebnissen, in Packungsbeilagen und wissenschaftlichen Studien genannte “Nebenwirkungen” von Psychopharmaka, wie z.B. Bewegungsstörungen (sogenannte Dyskinesien), sowie zahlreichen Erfahrungsberichten von Psychiatrie-Überlebenden, ergänzt durch Lehmanns Erläuterungen und persönlichen Sichtweisen ist. Es kann also nicht die Rede davon sein, daß sich Peter Lehmann hier irgend etwas aus den Fingern gezogen hat oder Behauptungen auf Grund irgendeiner Ideologie aufstellt. Lehmann beleuchtet und hinterfragt die Psychiatrie nicht philosophisch oder gar ideologisch gefärbt, sondern vom wissenschaftlichen Standpunkt aus. Dabei führt Lehmann die biologische Psychiatrie anhand ihrer eigenen Aussagen vor. Um Lehmanns Aussagen zu widerlegen müssten die Macher von Esowatch daher die Aussagen der von Lehmann zitierten Psychiater selbst widerlegen. Was das ganze natürlich absurd macht, denn Esowatch will ja scheinbar die Psychiatriekritik des Herrn Lehmann als unbegründet und dubios erscheinen lassen und die Position der biologischen Psychiatrie verteidigen.
Hier ein paar Ausschnitte aus Peter Lehmanns Büchern:



Die Abhandlungen über Lehmann und die Antipsychiatrie auf Esowatch zeugen von schlechter journalistischer Arbeit. Die Texte hinterlassen den Eindruck, als ob die Autoren hier einfach nur von Verschwörungstheoretikern wie Ingo Heinemann abgeschrieben und dessen Darstellungen ungeprüft übernommen haben. Leider ist das ungeprüfte Übernehmen von irgendwelchen Behauptungen mittlerweile auch zu einer Unsitte bei professionellen Journalisten geworden. Das ist aber noch lange keine Entschuldigung für die Macher von Esowatch. Wer sich der Aufklärung der Öffentlichkeit mit journalistischen Mitteln verschrieben hat, sollte auch zeigen, daß er seine Arbeit gewissenhafter und besser macht, wie seine Kollegen. Doch diesem Anspruch wird Esowatch hier nicht gerecht. Im Ergebnis hat sich Esowatch hier ein Eigentor geschossen.
Mehr Informationen zum Thema:
Wikipedia über Peter Lehmann
Esowatch Beitrag über Peter Lehmann und den Antipsychiatrieverlag
Peter Lehmanns Antipsychiatrieverlag
Stellungnahme von Peter Lehmann zu den Verschwörungstheorien des Ingo Heinemann
Peter Lehmann über Menschenrechtsverletzungen in der Psychiatrie
Winston Smith, 5. Februar 2011 |
Tags: Antipsychiatrie, Antipsychiatrieverlag, biologischer Defekt, Dämonisierung, der chemische Knebel, Dopaminhypothese, Esoterik, Esowatch, Geisteskrankheit, Ingo Heinemann, Medizinkritik, Nebenwirkungen, Peter Lehmann, Pseudowissenschaft, Psychiatrie, Psychiatriekritik, psychische Krankheit, Psychopharmaka, Psychose, psychotisch, Scharlatanerie, schöne neue Psychiatrie, Scientology, Stoffwechselstörungen im Gehirn, Verschwörungstheorie
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Wer eine etablierte, scheinbar übermächtige Institution angreift, macht sich nicht nur Feinde, sondern wird oftmals als sonderbar angesehen und häufig mit gesellschaftlich geächteten Individuen oder Gruppen assoziiert. Nicht anders ergeht es der Antipsychiatriebewegung, einer gesellschaftlichen Strömung, deren Ursprünge sich ins Jahr 1900 zurückverfolgen lassen. Diese Bewegung zweifelt nicht nur an der Wissenschaftlichkeit der psychiatrischen Forschung und deren Krankheitsbilder, sondern bezeichnet die Psychiatrie auch als menschenverachtendes, faschistoides Terrorsystem. Ihr erklärtes Ziel ist die Abschaffung der Zwangspsychiatrie.
Dabei hat sie es nicht leicht, denn die Psychiatrie ist ein Gewächs, welches auf dem geistigen Dung von Emil Kraepelin, Eugen Bleuler und weiteren, einschlägig bekannten Figuren schnell zu einer gesellschaftlich anerkannten Institution herangewachsen ist. Im Laufe der Zeit hat sich ein regelrechtes Ökosystem rund um die Psychiatrie entwickelt. Da wäre zum einen die Pharmaindustrie zu nennen, welche sehr gut am Verkauf ihrer psychiatrischen Drogen verdient. Als weiterer Mitspieler profitieren die beiden christlichen Großkirchen durch das Betreiben von diversen Einrichtungen im Umfeld der Psychiatrie, wie z.B. dem sozialpsychiatrischen Dienst, Behindertenwerkstätten und Wohnheimen von diesem System. Dann wären da noch die sogenannten “psychisch Kranken”, ohne die dieses System nicht denkbar wäre. Diese sind oft unfreiwillig in diversen Einrichtungen dieses Systems “untergebracht” und konsumieren meist genauso unfreiwillig diverse psychiatrische Drogen. Auch der Staat hat mit der Psychiatrie eine Einrichtung, die es ihm erlaubt, unbequeme Menschen, wie z.B. Dissidenten oder Querulanten durch zwangsweise Umerziehung wieder auf Linie zu bringen, oder falls das nicht fruchtet, wenigstens von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Mit der Psychiatrie ist aber auch ein Kraut gegen lästige Angehörige, Nachbarn oder Arbeitnehmer, Arbeitslose, Obdachlose und sonstige soziale Randgruppen gewachsen. Kurzum: Viele Leute profitieren von der Psychiatrie.
Psychiatrie-Lobbyisten argumentieren häufig, die Antipsychiatrie würde Leuten, die Hilfe benötigen würden, Angst vor der Psychiatrie machen. Sie behaupten, die Schreckensszenarien, die von Psychiatrie-Überlebenden berichtet würden, seien Lügen oder falls doch etwas daran sein sollte, “bedauernswerte Einzelfälle”. Den “Missbrauch der Psychiatrie zu politischen Zwecken” würde es nur in “totalitären Regimen”, wie z.B. der ehemaligen Sowjetunion, Nazi-Deutschland, der DDR, Nordkorea oder China geben. Bei uns wäre dies undenkbar. Doch auch in den angeblich freien und zivilisierten USA wurden in der Vergangenheit Kommunisten und Schwule gegen ihre “Krankheit” mit Lobotomie, Elektroschock und Psychopharmaka zwangsbehandelt. In einem Gehirnwäsche-Programm der CIA Namens “MK Ultra” versuchten Psychiater Menschen zu willenlosen Attentätern umzuprogrammieren. Entsprechende Dokumente, welche unter dem Freedom of Information Act veröffentlicht wurden, belegen die grausamen, menschenverachtenden Methoden, die dabei angewendet wurden. Auch in Deutschland sind Fälle von politischer Psychiatrie bekannt. So ging vor einiger Zeit der Fall des ehemaligen Frankfurter Steuerfahnders Rudolf Schmenger durch die Medien. Ihm und seinen Kollegen wurde eine “querulatorische Störung” angedichtet, weil sie erfolgreich gegen mehrere deutsche Großbanken wegen Steuerhinterziehung ermittelt hatten. Als Folge dieser “Diagnose” wurden sie für arbeitsunfähig erklärt und in Frührente geschickt. Die Bundesrepublik Deutschland ist mitlerweile Dauergast auf der Anklagebank des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg. Mehrfach wurde die BRD wegen Menschenrechtsverletzungen im Bereich der Psychiatrie vom EGMR verurteilt. Trotzdem hat sich an der Menschenrechtssituation in Deutschland nichts verbessert. Deutsche Behörden beteiligen sich nach wie vor flächendeckend an Menschenrechtsverletzungen oder nehmen diese billigend in Kauf. In diesem Licht erscheint es geradezu grotesk, wenn deutsche Politiker Staaten wie China über Menschenrechte belehren wollen.
Auch die Berichte über die Folgen von Neuroleptika, Elektroschock, Fixierung und Isolationshaft seien übertrieben, so die Gegner der Antipsychiatrie. Doch ein Blick in die Beipackzettel oder die psychiatrische Fachliteratur offenbart, daß die Psychiatrie die Folgen ihrer Behandlungsmethoden sehr wohl kennt und billigend in Kauf nimmt, ja sogar als Therapieerfolg verkauft. Daß Neuroleptika oft unheilbare, entstellende Bewegungsstörungen, sogenannte Dyskinesien verursachen, die von der Psychiatrie unter dem Stichwort “neuroleptische Potenz” als Messlatte für die Wirksamkeit ihrer Drogen herangezogen werden, kann man heutzutage sogar auf Wikipedia nachlesen. Sogar manche Psychiater, wie z.B. der Hamburger Dr. Volkmar Aderhold warnen eindringlich vor den verheerenden Folgen von Neuroleptika und anderer psychiatrischer Drogen. Von neurologischen und psychischen Dauerschäden, neurokognitiven Defiziten bis hin zur Demenz, Diabetes und erhöhter Sterblichkeit ist da die Rede. Gleichzeitig warnen Aderhold und andere kritische Kollegen davor, wie schwierig und gefährlich es ist, psychiatrische Drogen abzusetzen, vor allem dann wenn jemand diese schon lange Zeit regelmäßig konsumiert hat. “Schäden muß man eben hinnehmen, wenn einem geholfen wird” ist dann meist die Standardfloskel, die man von Psychiatrie-Befürwortern darauf zu hören bekommt.
Psychiatrie-Verfechter sagen, die Antipsychiatrie würde die Existenz psychischer Krankheiten “leugnen” und die psychiatrischen Krankheitsbilder würden auf wissenschaftlich fundierten Forschungen beruhen. Für viele psychiatrische Krankheitsbilder seien schon biologische Ursachen identifiziert worden. Doch bei näherer Betrachtung fällt dieses Argumentationsgebäude wie ein Kartenhaus in sich zusammen. In der Psychiatrie gibt es die sogenannte Dopaminhypothese. Aber den Dopaminspiegel kann man messen und es werden regelmäßig bei als psychisch krank diagnostizierten Menschen keine Abweichungen festgestellt. Die Psychiatrie begründet dies dann damit, daß psychisch Kranke ihre Krankheit wegsimulieren würden. Es wird auch behauptet, psychiatrische Krankheiten hätten ihre Ursache in genetischen Defekten. Doch das menschliche Genom ist bekannt. Kein einziger Psychiater hat je ein Schizophrenie-Gen oder ähnliches identifiziert. Falls es wirklich psychiatrische Krankheiten im Sinne eines biologischen Defekts geben würde, so müsste es auch objektive Tests zu deren Nachweis geben. Doch diese Tests gibt es bis zum heutigen Tage nicht.
Psychiatrie-Gegner, wie z.B. Dr. Thomas Szasz oder Dr. John Breeding leugnen aber nicht, daß ein Mensch durchaus seelisches Leid durchleben kann. Sie lehnen nur die Pathologisierung dieses Leids und zwangsweise “Behandlung” ab. Trauer beim Verlust einer geliebten Person, Wut über erlittenes Unrecht, Niedergeschlagenheit angesichts von Arbeitslosichkeit und vieles mehr sind Emotionen, die nach Ansicht der Psychiatrie-Gegner eben essentielle Bestandteile des Menschen und keine Krankheiten sind. Psychiatrische Krankheiten seien der Versuch, soziale Konflikte in ein Krankheitsbild zu transzendieren. Für die Behandlung dieser “Krankheiten” gibt es dann Drogen, Elektroschocks und so weiter. Doch mit Drogen und Elektroschocks kann man keine sozialen Konflikte lösen. Dieser Ansicht ist auch der Bochumer Aktivist Matthias Seibt vom Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener.
Wenn den Psychiatrie-Befürwortern in einem Diskurs die Argumente ausgehen, werden sie schnell unsachlich, persönlich beleidigend oder greifen zum sogenannten Strohmann-Angriff.
In diesem Zusammenhang kommen diverse Verschwörungstheorien ins Spiel, die sich rund um die Antipsychiatrie entwickelt haben. Ein Paradebeispiel dafür sind die zahlreichen Abhandlungen des selbsternannten Scientology-Jägers Ingo Heinemann. Er stellt darin zwar zutreffend fest, daß Scientology die Psychiatrie zu einem ihrer Hauptfeinde erklärt hat und diese bei jeder Gelegenheit, auch durch den CCHR bzw KVPM, die er “Tarnorganisationen von Scientology” nennt, angreift. Doch wie für Verschwörungstheoretiker typisch, versucht er nach dem Schema “der eine hat mal was ähnliches wie der gesagt, also muß er zu der großen Verschwörung gehören”, Zusammenhänge zu konstruieren, wo in Wirklichkeit keine sind. Weil auf dem Foucault-Tribunal 1998 auch Thomas Szasz aufgetreten sei und dieser auch in der CCHR aktiv war, würden alle dort anwesenden Aktivisten und deren Sympathisanten mit Scientology unter einer Decke stecken. So kommt Heinemann dann zu der festen Überzeugung, der Berliner Antipsychiatrie-Aktivist René Talbot, Hagai Aviel von der israelischen Vereinigung gegen psychiatrische Übergriffe und weitere Protagonisten der Antipsychiatrie-Szene hätten sich zusammen mit Scientology verschworen, um in Pinky and the Brain-Manier die Weltherrschaft an sich zu reißen. Auch der Psychiatrie-Überlebende und Autor zahlreicher antipsychiatrischer Bücher Peter Lehmann, sei Teil davon, weil er ja einst in der Berliner Irrenoffensive Mitglied gewesen sei, zu der auch René Talbot gehört.
Gruppen oder Einzelpersonen, die sich von der Antipsychiatrie angegriffen fühlen, nehmen dies gerne an. Im Versuch, die Antipsychiatriebewegung zu diskreditieren, wird dann auf die Verschwörungstheorien des Herrn Heinemann verwiesen. So verfährt z.B. auch der rechtskräftig verurteilte Münchener Psychiater Hans-Jürgen Möller. Nachdem er nicht nur wegen seiner Verurteilung wegen eines dubiosen Attests, welches er mit Hilfe von fremdanamnetischer Ferndiagnose angefertigt hatte, in Bedrängnis geriet, sondern auch von der Süddeutsche Zeitung, für die er seinerzeit in unregelmäßigen Abständen als Experte Artikel zum Thema Psychiatrie verfasste, zerrissen wurde, holte er in mehreren Abhandlungen auf seiner Website zum Gegenschlag gegen die Antipsychiatrieszene aus.
Auch beim Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der Angehörigen und Freunde Psychisch Kranker e.V. wird auf Heinemann als Referenz verwiesen, wenn es darum geht, die Antipsychiatrie oder auch gemäßigte Psychiatriekritiker zu diskreditieren. Deren Pamphlet mit dem Titel “Zwischen Psychiatrie und Scientology” aus dem Jahre 2001 baut direkt auf den Thesen des Ingo Heinemann auf und sorgte in der Szene für reichlich Empörung. Darin wurde unter anderem auch Matthias Seibt vom Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener angegriffen, obwohl der BPE kein antipsychiatrischer Verein ist.
Obwohl es die Antipsychiatrie nicht leicht hat, hat sie doch bereits einige beachtliche Erfolge vorzuweisen. So hatte der Protest von verschiedenen Aktivistengruppen, die zusammen mit Rechtsanwälten und Politikwissenschaftlern zahlreiche Protestschreiben, Publikationen und Demonstrationen gegen einen geplanten, neuen Paragraphen 1906a, der die ambulante Zwangsbehandlung mit Psychopharmaka legalisieren sollte, Erfolg. Ein Meilenstein im Kampf gegen die Zwangspsychiatrie stellt das Gesetz zur Patientenverfügung dar. In diesem Gesetz wird der vorher festgelegte Wille als rechtsbindend anerkannt. Immer mehr Autoren trauen sich, Bücher zu schreiben, in denen sie die menschenverachtenden Methoden der Zwangspsychiatrie angreifen. Auch die Massenmedien berichten erfreulicherweise immer öfter über Menschenrechtsverletzungen in der Psychiatrie und deren Umfeld. Daß dieses Thema von Fernsehen, Radio und Zeitungen aufgegriffen wird, haben wir auch der Antipsychiatriebewegung zu verdanken.
Mehr Informationen zum Thema:
Antipsychiatrie bei Wikipedia
www.antipsychiatrie.de
30 Jahre Irrenoffensive
Thomas Szasz
Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener
Antipsychiatrieverlag
Peter Lehmann über Menschenrechtsverletzungen in der Psychiatrie
Ingo Heinemann
Peter Lehmann über Ingo Heinemann
Zwischen Psychiatrie und Scientology
Winston Smith, 22. Januar 2011 |
Tags: Antipsychiatrie, BPE, Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener, Disease Mongering, Dissidenten, Drogen, Elektroschock, Emil Kraepelin, Eugen Bleuler, Foucault-Tribunal, Gegenschlag, Gegner, Hagai Aviel, Hans-Jürgen Möller, IAAPA, Ingo Heinemann, Irrenoffensive, John Breeding, KVPM, Matthias Seibt, Menschenrechtsverletzungen, Mind Control, MK Ultra, Neuroleptika, Patientenverfügung, Peter Lehmann, Pharmaindustrie, Psychiatrie, Querulanten, René Talbot, Rudolf Schmenger, Schizophrenie, Thomas Szasz, Verschwörungstheorie, Volkmar Aderhold, Zwangspsychiatrie
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