Mord, Suizid, Raub: Die Doku “Gefährliche Glückspillen” zeigt anhand von Einzelschicksalen die eschütternden Nebenwirkungen gängiger Antidepressiva auf.
Folter, Tyrannei oder auch Pharmaabsatzförderungsgesetz bezeichnen Betroffenenverbände die Neuregelung der Zwangsbehandlung im Betreuungsrecht, die gestern am 17. Januar 2013 vom Bundestag abgenickt wurde. Ohne gesellschaftliche Debatte und ohne Einbeziehung der Betroffenen setzt dieses Gesetz die Grund- und Menschenrechte von Menschen mit psychiatrischen Diagnosen ausser Kraft. Radio Dreyeckland sprach mit Johannes Georg Bischoff vom Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener.
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Ein Psychiatrie-Überlebender klagt vor dem Landgericht Stuttgart auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Unter dessen stimmen etwa 30 Abgeordnete im Bundestag für die Legalisierung psychiatrischer Zwangsbehandlung, nachdem das Bundesverfassungsgericht und der Bundesgerichtshof entsprechende Gesetze für verfassungswidrig und nichtig erklärt haben. Rechtsanwalt David Schneider-Addae-Mensah erstattet Strafanzeige gegen Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger wegen Körperverletzung. Dr. Martin Zinkler, Chefarzt der Psychiatrie in Heidenheim lehnt ein neues Gesetz zur Legalisierung psychiatrischer Zwangsbehandlung ab, während Dr. Tilman Steinert meint, Psychiatrie könne nicht ohne Zwang und Gewalt auskommen.
Am 21.5.2012 hielt Peter Lehmann, selbst Psychiatrie-Überlebender und Autor zahlreicher Fachbücher zum Thema Psychopharmaka, in der Offenen Herrberge in Stuttgart Bad Cannstatt einen Vortrag zum Thema Psychopharmaka absetzen.
Ein großer Teil des Vortrags widmete sich dabei dem Thema Nebenwirkungen von Psychopharmaka, vor allem Neuroleptika. Lehmann machte anhand wissenschaftlich fundierter Fakten klar, warum vor allem der Dauerkonsum von Psychopharmaka gefährlich ist. Neben diversen körperlichen und psychischen Dauerschäden sind bei Neuroleptika vor allem durch diese Drogen verursachte, oft irreversible Bewegungsstörungen problematisch.
Lehmann zeigte ausführlich die Komplikationen auf, die bei nicht sachgerechtem Absetzen von Psychopharmaka auftreten können. Mit unter werden von Psychiatern und nicht sachkundigen Laien dann diese Entzugserscheinung fälschlicherweise als Symptome einer psychischen Krankheit gedeutet.
Mit dem Dogma, Menschen mit psychiatrischen Diagnosen müssten ein Leben lang Psychopharmaka konsumieren, räumte Lehmann gründlich auf. Er selbst setze nach seinem Psychiatrieaufenthalt mit Hilfe von Freunden seine psychiatrischen Drogen ab, worauf hin sich sein Gesundheitszustand drastisch verbesserte. Dazu bemerkt Lehmann “Wenn ich damals auf die Ärzte gehört hätte, säße ich heute nicht hier”.
Ferner wies Lehmann auch auf die Problematik hin, daß es für Abhängigkeit von psychiatrischen Drogen – mit Außnahme der Benzodiazepinabhängigkeit – keinen Schlüssel in gängigen Diagnosehandbüchern gibt. Dies hat dann leider zur Folge, daß Ärzte, die einen Patienten beim Absetzen von psychiatrischen Drogen begleiten wollen, dies nicht mit der Krankenkasse abrechnen können. Ihm sei in ganz Deutschland auch nur eine einzige Klinik bekannt, die Patienten zum Entzug von psychiatrischen Drogen stationär aufnehmen würde.
Lehmann wies ausdrücklich darauf hin, daß er niemanden zum Absetzen von Psychopharmaka überreden möchte. Es sei die persönliche Entscheidung eines jeden Betroffenen selbst, ob er seine Psychopharmaka absetzen oder weiterhin konsumieren möchte.