Esowatch vs. Peter Lehmann

Erstellt am 05.02.2011 von Winston Smith

Peter LehmannEsowatch ist eine Internetseite, die sich selbst als Aufklärungsportal in Sachen Esoterik, Scharlatanerie und Pseudowissenschaft darstellt. Zwischen Beiträgen über seltsame Kulte und diversen Verschwörungstheorien finden sich auch Texte, die sich kritisch mit Alternativmedizin, wie z.B. Homöopathie befassen. Außerdem finden sich dort Abhandlungen über diverse Medizinkritiker. Zwischen all dem finden sich auch Texte über den Psychiatrie-Überlebenden Peter Lehmann und dessen Antipsychiatrieverlag. Allerdings findet in diesen Texten über Lehmann und die Antipsychiatrie keine kritische Auseinandersetzung im eigentlichen Sinne statt.

Esowatch schreibt, die Antipsychiatriebewegung würde die Existenz von biologischen Defekten als Ursache für sogenannte “psychische Krankheiten” leugnen. Doch sowohl Esowatch, als auch die moderne Psychiatrie bleibt uns den objektiven Beweis für solche behaupteten biologischen Defekte bis heute schuldig. In der biologischen Psychiatrie gibt es die sogenannte Dopaminhypothese, nach der die Ursache für sogenannte “Psychosen” in einem Überschuß des Neurotransmitters Dopamin liegen würde. Doch den Dopaminspiegel im Blut kann man messen und es werden regelmäßig bei als “psychotisch” diagnostizierten Menschen keine Abweichungen gefunden. Ebenso ist die Jagd nach einem angeblichen “Schizophrenie-Gen” bis heute die Jagd nach einem Phantom. Seit Ende des 20. Jahrhunderts kennen wir sowohl das menschliche Genom, als auch dessen Semantik. Wir haben Supercomputer, die die Biosynthese von Proteinen und die Proteinfaltung berechnen können. Trotzdem konnte bis heute noch niemand irgend eine Gensequenz präsentieren, die für angebliche “Geisteskrankheiten” verantwortlich sein soll. Bis heute gibt es auch keinen objektiven Test für den Nachweis oder Ausschluß sogenannter “psychischer Krankheiten” im Sinne eines biologischen Defekts. Psychiater diagnostizieren weiterhin willkürlich und nach Augenschein, ohne irgendwelche objektiven Testverfahren zu verwenden.

Esowatch führt richtig an, daß die Antipsychiatrie die Psychiatrie eher als ein Mittel der sozialen Kontrolle und nicht als medizinische Disziplin sieht. Aber Esowatch stellt dies als dubios hin und vertritt die These, daß “psychiatrische Krankheiten” eben biologische Defekte seien. Dabei wird aber unterschlagen, daß z.B. Homosexualität bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts noch offiziell als “psychiatrische Krankheit” galt und nach einer Abstimmung der APA aus dem DSM gestrichen wurde. Somit verschwand also eine “psychiatrische Krankheit” alleine dadurch, daß sie nicht mehr länger als solche definiert war. Heute ist der homosexuelle Guido Westerwelle deutscher Außenminister. Ist der etwa auch ein erbkranker Geisteskranker mit Stoffwechselstörungen im Gehirn? Esowatch geht auch nicht darauf ein, daß Psychiatrie auch als politisches Mittel eingesetzt wird, z.B. um Dissidenten auszuschalten. So wurden in den U.S.A. in der Vergangenheit Kommunisten mit Elektroschock, Lobotomie und anderen “Behandlungsmethoden” gegen ihre “Krankheit” zwangsbehandelt.

Anstatt die Argumente von Lehmann und der Antipsychiatrie, die hier kritisiert werden sollen, aufzugreifen und gegebenenfalls mit nachprüfbaren Argumenten zu widerlegen, wird sofort zur Dämonisierung übergegangen. Peter Lehmann kritisiert die Psychiatrie. Auch Scientology kritisiert die Psychiatrie. Und weil Scientology ja “böse” wäre, wäre Peter Lehmann auch “böse”. Wie so oft, wird auch hier als Referenz auf die Pamphlete des bekannten Verschwörungstheoretikers Ingo Heinemann verwiesen.

Lehmann BücherHätten sich die Macher von Esowatch die Mühe gemacht, hier ordentlich zu recherchieren und z.B. einmal einen Blick in die Bücher von Lehmann geworfen, dann hätten sie feststellen müssen, daß “Der chemische Knebel” oder auch das zweibändige Werk “Schöne, neue Psychiatrie” im wesentlichen aus einer Sammlung von Zitaten von Psychiatern und deren Forschungsergebnissen, in Packungsbeilagen und wissenschaftlichen Studien genannte “Nebenwirkungen” von Psychopharmaka, wie z.B. Bewegungsstörungen (sogenannte Dyskinesien), sowie zahlreichen Erfahrungsberichten von Psychiatrie-Überlebenden, ergänzt durch Lehmanns Erläuterungen und persönlichen Sichtweisen ist. Es kann also nicht die Rede davon sein, daß sich Peter Lehmann hier irgend etwas aus den Fingern gezogen hat oder Behauptungen auf Grund irgendeiner Ideologie aufstellt. Lehmann beleuchtet und hinterfragt die Psychiatrie nicht philosophisch oder gar ideologisch gefärbt, sondern vom wissenschaftlichen Standpunkt aus. Dabei führt Lehmann die biologische Psychiatrie anhand ihrer eigenen Aussagen vor. Um Lehmanns Aussagen zu widerlegen müssten die Macher von Esowatch daher die Aussagen der von Lehmann zitierten Psychiater selbst widerlegen. Was das ganze natürlich absurd macht, denn Esowatch will ja scheinbar die Psychiatriekritik des Herrn Lehmann als unbegründet und dubios erscheinen lassen und die Position der biologischen Psychiatrie verteidigen.

Hier ein paar Ausschnitte aus Peter Lehmanns Büchern:

Bockierung der Empfangsstellen

Hirnhautentzündung

Neuroleptika Nebenwirkungen

Die Abhandlungen über Lehmann und die Antipsychiatrie auf Esowatch zeugen von schlechter journalistischer Arbeit. Die Texte hinterlassen den Eindruck, als ob die Autoren hier einfach nur von Verschwörungstheoretikern wie Ingo Heinemann abgeschrieben und dessen Darstellungen ungeprüft übernommen haben.  Leider ist das ungeprüfte Übernehmen von irgendwelchen Behauptungen mittlerweile auch zu einer Unsitte bei professionellen Journalisten geworden. Das ist aber noch lange keine Entschuldigung für die Macher von Esowatch. Wer sich der Aufklärung der Öffentlichkeit mit journalistischen Mitteln verschrieben hat, sollte auch zeigen, daß er seine Arbeit gewissenhafter und besser macht, wie seine Kollegen. Doch diesem Anspruch wird Esowatch hier nicht gerecht. Im Ergebnis hat sich Esowatch hier ein Eigentor geschossen.

Mehr Informationen zum Thema:

Wikipedia über Peter Lehmann

Esowatch Beitrag über Peter Lehmann und den Antipsychiatrieverlag

Peter Lehmanns Antipsychiatrieverlag

Stellungnahme von Peter Lehmann zu den Verschwörungstheorien des Ingo Heinemann

Peter Lehmann über Menschenrechtsverletzungen in der Psychiatrie

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Kommentar

Esowatch ist auch sonst sehr kritisch und ungerecht zu andere “Nichtmainstream” Ansichten und der Esoterik insgesamt,
insbesondere was Alternativen zur Psychiatrie und Kritik daran betrifft. Da oft Leute davon leben, ist es sehr schwierig.
Meiner Ansisht nach liegt es “wissenschafstheoretisch” an der Unwilligkeit unserer Neurologen, auch nur halbwegs so tiefsinnig an Gehirn und Geist und Krisen in ihrem Zusammnhang heranzugehn, wie es fast alle früheren stark ins phslosophische Traditionen getan haben.
Die Ausgliederugn der Neurolgie aus der Psychologie hat fast wie bei einem Kondensator die Isolierschicht die Psychopahrmakapsychiatrie hervorgebracht.Das wird explizit im Anti-Ödipus, der Psychoanalyse Krtik, als Hauptkritikpunkt eingebracht. Vom Psychiater Guattari.
Und die Geisteswissenschaften einschliesslich Philosophie kommen plötzlich zu ihren “Idee” wie die “Jungfrau zum Kinde”. Also, die Trennung in Natur/Sozial/Geisteswissesnchaften spielt da auch eine Rolle.
Allerdings geben sie in einem Artikel über Lichtessen, extremes Fasten von den Propagandisten informiert an, dass es neben und gegen einer “weissen” Bruderschaft des Lichts eine “schwarze Bruderschaft” geben, vor der man ziemlich vorsichtig sein, soll.
Esoterischer Hintergrund dabei hin oder her, Kriminelle oder andere “Böswillige” haben guten Grund, unter irgenwelchen obskuren Flaggen zu segeln.
Also: Obacht!!
Das Lichtphänomem selbst ist aus älteren Traditionen, hier Yoga, und wohl auch aus der Neurologie bekannt.
Das Licht spielte in den Philosophien und philosophischen Protoneurologien auch eine sehr große Rolle. “EnLIGHTment”. Aufklärung zu deutsch, ist da eine sehr ernst zu nehmende Namensgebung.

Ist denn schon etwas darüber bekannt, wer hinter diesem esoquatsch äh … esowatch steckt? Bei Wiki habe ich nur gefunden, dass die Macher davon anonym bleiben wollen. Das ist ja ziemlich dubios.

Wenn man sich fragt, “Wem nützt es?”, kann man es sich aber schon denken …

In der Zwischenzeit gibt es eine Gegeninitiative zu Esowatch:
http://www.eselwatch.com

HAHA, Eselwatch.

Fachchemikerin für Toxikologie, alles klar, ich lach mich weg.

You made my day.

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